Alternde Bevölkerung und frühe Rente Wie Mitteldeutschland dem drohenden Arbeitskräfterückgang begegnet
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26. Februar 2025, 16:20 Uhr
Die Bevölkerung in Mitteldeutschland wird immer älter. Laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung dürfte die Zahl der Erwerbstätigen in Thüringen bis 2040 um fast 16 Prozent zurückgehen. Für den Arbeitsmarkt bedeutet das nichts Gutes, denn viele wollen auch früher in Rente gehen. In Thüringen und Sachsen-Anhalt wird gegengesteuert.
- Laut einer Studie verliert Mitteldeutschland bis 2040 massiv an Bevölkerung.
- Besonders betroffen ist Thüringen – der Verband der Thüringer Wirtschaft will gegensteuern.
- In Sachsen-Anhalt will man Ältere dazu bewegen, noch länger zu arbeiten.
Mitteldeutschland wird bis 2040 massiv an Bevölkerung verlieren. Das zeigt ein aktueller Report des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Christian Schneemann, wissenschaftlicher Mitarbeiter für makroökonomische Analysen, sagt, dass in allen ostdeutschen Bundesländern – mit Ausnahme von Berlin – die Bevölkerung insgesamt zurückgehe. "Aber auch die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, also der Teil der Bevölkerung, der dem Arbeitsmarkt als potenzielle Arbeitskraft zur Verfügung steht."
Thüringen ist besonders betroffen
Besonders hart trifft es laut der IAB-Analyse Thüringen: Bis 2040 wird die Zahl der Erwerbsfähigen hier um 15,8 Prozent zurückgehen – so drastisch wie sonst in keinem anderen Bundesland.
Schneemann sagt, letzten Endes werde es jeder, der in der Region lebt, im Alltag merken: "Es wird wahrscheinlich schwieriger, einen Termin beim Hausarzt zu finden, vielleicht auch ein Platz im Pflegeheim. Aber auch Restaurants oder Einzelhändler werden vielleicht ihre Öffnungszeiten anpassen und weniger Tage die Woche aufhaben."
Früher Renteneintritt verschärft das Problem
Insgesamt blieben solche Regionen dann hinter ihren wirtschaftlichen Potenzialen zurück. Wenn dann noch jeder Vierte früher in Rente gehen möchte, verschärfe sich das Problem zusätzlich. Ute Zacharias, Sprecherin des Verbands der Wirtschaft Thüringens, fürchtet weniger Investitionen in das Land, wenn immer mehr Arbeitskräfte fehlen.
Dennoch glaubt sie nicht, dass Thüringer Unternehmen dem Untergang geweiht sind: "Es liegt in der DNA des Unternehmertums, zu handeln und zu schauen: 'Wie kann man gegensteuern?'"
Gerade in Thüringen sei das angesichts der Zahlen, die man nicht wegreden könne, schwierig. "Aber ich gehe schon davon aus, dass mit Zuwanderung, mit Automatisierung, Digitalisierung und nicht zuletzt mit einer guten Arbeitskultur im Unternehmen und betrieblichen Angeboten zur Gesundheitsförderung entsprechend agiert und gegengesteuert werden kann", sagt Zacharias. In vielen Firmen werde das bereits getan. Sie fordert aber auch von der Politik, die Rente mit 63 unattraktiver zu machen.
Wenig junge und viele alte Menschen
Im Nachbarland Sachsen-Anhalt liegt der Landkreis mit dem aktuell höchsten Altersdurchschnitt der Bundesrepublik: Mansfeld-Südharz. CDU-Landrat André Schröder bemüht sich trotzdem um eine positive Botschaft: "Für den Arbeitsmarkt bedeutet das, dass es eine Riesenchance gibt, Lebensältere länger im Erwerbsprozess zu halten, um diese Erwerbstätigkeit auch nicht zurückgehen zu lassen."
Das sei im Landkreis in den letzten Jahren gut gelungen: "Das liegt daran, dass die Arbeitslosigkeit und die Jugendarbeitslosigkeit zurück geht und vor allen Dingen aber Lebensältere länger in Arbeit verbleiben", sagt Schröder.
Darauf verweist auch Wissenschaftler Christian Schneemann vom IAB. Denn es gebe nicht nur Leute, die gerne früher in Rente gehen möchten. Sondern auch viele, die gerne noch länger arbeiten wollen. Sie gelte es mit flexiblen Arbeitszeitkonzepten vom Bleiben zu überzeugen.
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 26. Februar 2025 | 07:05 Uhr