Handelskonflikt Trump verhängt drastische Zölle: EU kündigt Gegenmaßnahmen an
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03. April 2025, 13:58 Uhr
US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf versprochen, die US-Wirtschaft zu stärken – unter anderem mit Zöllen, um die Produktion im eigenen Land anzukurbeln. Jetzt sollen höhere Zölle auf Autos aus der EU in Kraft treten, was vor allem auch die deutsche Branche treffen könnte. Zudem brachte Trump ein weiteres Zollpaket auf den Weg: Er werde ein System wechselseitiger Zölle "für Länder in der ganzen Welt" einführen.
- US-Präsident Donald Trump hat ein weitreichendes Zollpaket angekündigt: Er werde ein System wechselseitiger Zölle "für Länder in der ganzen Welt" einführen.
- Ab Donnerstag sollen die bereits angekündigten pauschalen US-Zölle auf Auto-Importe in Höhe von 25 Prozent in Kraft treten.
- Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament, sieht die EU gut auf die erwarteten US-Zölle vorbereitet.
- Als Reaktion auf die angekündigten US-Zölle hat die EU bereits eine Liste mit möglichen Gegenzöllen veröffentlicht.
Mit seinem Wahlkampf-Lieblingswort "Zölle" wirbelt US-Präsident Donald Trump den Welthandel durcheinander. Seit seiner Amtseinfuhrung im Januar hat er bereits einige Zölle verhängt oder angekündigt.
Neue Zollmaßnahmen der USA
Am Mittwoch verkündete US-Präsident Donald Trump nun ein neues weitreichendes Zollpaket, das auch die Europäische Union hart trifft. Die US-Regierung führt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die meisten Importe in die Vereinigten Staaten ein. Darüber hinaus sollen je nach Handelsdefizit höhere "Strafabgaben" greifen. Für Einfuhren aus der EU sind neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen.
Zusätzlich hat Trump neue Zölle von bis zu 49 Prozent für Handelspartner weltweit angekündigt. China wird mit 34 Prozent, Kambodscha mit 49 Prozent belegt.
Die zehnprozentigen pauschalen Zölle treten bereits am kommenden Samstag in Kraft. Die höheren Zölle für die EU sowie weitere Handelspartner folgen ab Mittwoch nächster Woche.
Auto- und Computerbranche besonders betroffen
Die von Trump bereits angekündigten Autozölle von 25 Prozent erstrecken sich nun auch auf zahlreiche Autoteile wie Motoren, Getriebe, Lithium-Ionen-Batterien, Reifen und Bremsschläuche. Die neuen Abgaben treffen die europäische und deutsche Automobilindustrie besonders hart. Jährlich betreffen diese Zölle Fahrzeuge und Autoteile im Wert von fast 600 Milliarden Dollar. Die Zölle auf Autos sollen bereits ab Donnerstag greifen, die Abgaben auf Autoteile ab 3. Mai.
Bisher galten US-Importzölle von 2,5 Prozent auf europäische Autos, während für US-Auto-Exporte in die EU hier ein Importzoll von zehn Prozent gilt.
Unerwartet wurde auch die Aufnahme von Computern in die Liste der betroffenen Produkte bekanntgegeben. Computer zählten im vergangenen Jahr mit einem Wert von 138,5 Milliarden Dollar zu den wichtigsten US-Importgütern.
US-Zölle auch auf Bierimporte
Zuvor hatte die US-Regierung bereits Zölle von 25 Prozent auf alle Bierimporte angekündigt. Das Handelsministerium gab dies im US-Bundesanzeiger bekannt. Die Maßnahme soll ab Freitag um 0.01 Uhr (US-Ostküstenzeit; 06.01 Uhr MESZ) gelten. Sie könnte einen erheblichen Schlag für Bierimporte bedeuten - diese betrugen laut Daten des US-Statistikamtes im Jahr 2024 mehr als 7,5 Milliarden Dollar. Die mit Abstand meisten Einfuhren kamen dabei aus Mexiko mit 6,3 Milliarden Dollar, gefolgt von den Niederlanden, Irland und Kanada. Importe aus Deutschland machten 70,3 Millionen Dollar aus.
Schon seit dem 12. März in Kraft sind US-Zölle auf Stahl und Aluminium aus EU- und anderen Ländern, ebenfalls in Höhe von 25 Prozent. Die US-Regierung hat das Handelsministerium beauftragt, weitere Produkte zur Zolltarifliste hinzuzufügen.
Trump spricht vom "Tag der Befreiung"
Der Präsident sagte im Rosengarten des Weißen Hauses, dies sei einer der wichtigsten Tage in der US-Geschichte. Das "goldene Zeitalter" der USA komme zurück. Er werde ein System wechselseitiger Zölle "für Länder in der ganzen Welt" einführen. Diese Maßnahmen würden die amerikanische Industrie wiederbeleben und Arbeitsplätze zurück in die USA holen. Der Republikaner sprach von einem "Tag der Befreiung" für die US-Wirtschaft und beklagte, dass die USA durch unfaire Handelspraktiken ihrer Partner ausgebeutet worden seien.
Die Verhängung wechselseitiger Zölle bedeutet im Prinzip, dass die USA überall dort ihre Zölle entsprechend im Verhältnis anheben, wo sie derzeit weniger verlangen als ihre Handelspartner.
Ein Handelskonflikt mit der Europäische Union scheint nun unausweichlich - die neuen Strafabgaben dürften die Weltwirtschaft ins Wanken bringen.
Neue US-Zölle belasten den Welthandel
Wirtschaftsexperten warnen vor schwerwiegenden Konsequenzen der neuen US-Zollpolitik. Die Maßnahmen könnten eine Rezession auslösen und die Verbraucherpreise in den USA steigen lassen. Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, erwartet negative Folgen für die deutsche Wirtschaft: "Die Zölle werden wir in Preissteigerungen umsetzen müssen, und das bedeutet in vielen Fällen einen Umsatzrückgang."
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnte vor einer Eskalationsspirale und forderte eine besonnene Reaktion. Ein unkontrollierter Handelskrieg würde sowohl die Industrie als auch die Verbraucher in Europa und den USA massiv belasten. Besonders die chemische Industrie sei aufgrund globaler Lieferketten von gegenseitigen Zöllen stark betroffen.
Auch der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange, kritisiert Trumps Vorgehen: "Diese ungerechtfertigten, illegalen und unverhältnismäßigen Maßnahmen können nur zu einer weiteren Eskalation und einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale führen." Lange bezeichnet Trumps Verkündung als "Tag der Inflation".
EU sieht sich gut vorbereitet
Lange sieht Europa dennoch gut vorbereitet auf die neuen Zölle. Bei MDR AKTUELL sagte Lange, man habe einen ganzen Werkzeugkasten mit Gegenmaßnahmen, die ab 14. April in Kraft treten könnten. Man werde darauf achten, Europa nicht zusätzlich zu schädigen, dürfe sich aber nicht erpressen lassen.
Zuvor hatte Lange im ZDF auch gesagt, eine Verhandlungslösung sei nicht zu sehen: "Es gibt im Moment keinen Ansatz für konkrete Verhandlungen." Lange wies dabei Vorwürfe zurück, die EU habe mit der Androhung von Gegenzöllen Druck auf die USA ausgeübt. Die EU habe 1994 ihre Importzölle bei der Welthandelsorganisation WTO hinterlegt und sie seien einstimmig akzeptiert worden. Was Trump mache, sei aber völlig willkürlich.
EU-Gegenzölle bisher noch Drohkulisse
Als mögliche Antwort hatte die EU-Kommission im März eine Drohkulisse enthüllt: Eine 99-Seiten-Liste mit fast 2.000 möglicherweise von zusätzlichen EU-Einfuhrzöllen betroffenen US-Produkten – von Waschmaschinen über Kühlschränke bis zu schwerem Gerät wie Boote und Schneepflüge.
Die Liste sollte zunächst weiter mit den EU-Staaten abgestimmt werden. Sie war – noch nicht final – hier abrufbar (Englisch). Laut EU-Kommission betreffen die möglichen Zölle US-Exporte im Wert von 26 Milliarden Euro. Von einem ähnlichen Betrag geht man für die EU-Waren aus, die den schon in Kraft getretenen US-Zusatzzöllen unterliegen.
Im April könnte es demnach Aufschläge auf US-Produkte wie Whiskey, Jeans oder Motorräder geben. Dabei handelt es sich um die gleichen Gegenmaßnahmen, mit denen die EU schon 2018 reagierte, mit geringeren Auswirkungen auf Preise etwa in Deutschland. Was US-Jeans angeht, lag ihr Einfuhrwert laut Statistischem Bundesamt bei nur etwa drei Millionen Euro jährlich. Die wichtigen Hersteller für den Handel hier sitzen in China, Bangladesch und der Türkei.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestätigte, dass ein "starker Plan" als Antwort auf Trump bereitstehe. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, die Trump sonst nahesteht, bezeichnete die neuen Zölle als "falsch". Auch Irland forderte eine "verhältnismäßige" Reaktion.
Warum Trump mit Zöllen agiert
Zölle können einzelne Länder im Rahmen ihrer Einfuhrbestimmungen festlegen, durchaus auch für Exporte, was aber seltener der Fall ist. In der EU mit ihrem zollfreien Binnenmarkt seit 1993 ist das anders. Hier bestimmt die EU-Kommission in Abstimmung mit Mitgliedsländern und EU-Parlament über den regulären "Gemeinsamen Zolltarif" – oder über zusätzliche.
Nur nach Trump-Lesart übrigens geht es hier um "Strafzölle", die so bezeichnet werden, weil Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) willkürlich verhängte Zölle untersagen. Darum etwa sagt Trump, dass übermäßige Stahl- und Aluminiumimporte die nationale Sicherheit der USA gefährdeten.
Trump will Produktion in die USA lenken und Handelsdefizite abbauen, da etwa EU-Unternehmen mehr Waren in den USA verkaufen als US-Firmen hier. Deutsche Exporteure etwa setzten 2024 für 161,4 Milliarden Euro in den USA gut zehn Prozent aller deutschen Exporte ab. Umgekehrt wurden US-Waren für 91,4 Milliarden importiert: Ein deutscher Rekord-Handelsüberschuss von rund 70 Milliarden Euro. Die EU argumentiert dagegen, dass die USA in der EU mehr Dienstleistungen verkaufen als umgekehrt. Rechne man die ein, habe es etwa 2023 nur einen Überschuss von 48 Milliarden Euro gegeben – also von drei Prozent des gesamten Handels zwischen den USA und der EU.
Ob Trump mit Zöllen seine Ziele erreicht, ist fraglich. Ökonomen, die das als wirtschaftspolitisch sinnvoll ansehen, gibt es kaum. Zölle könnten in den USA das Leben vieler Menschen verteuern – und zwar schneller, als Investitionen dort für mehr Arbeitsplätze oder höhere Einkommen sorgen.
mit dpa, AFP, rtr, MDR AKTUELL (ksc, kar, dkn)
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 03. April 2025 | 07:04 Uhr