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Rechtsextremismus Thüringer Neonazis sollen verbotenes Netzwerk "Combat 18" fortgeführt haben
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28. Februar 2025, 15:00 Uhr
Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen vier mutmaßliche Thüringer Mitglieder des verbotenen rechtsextremen Netzwerks "Combat 18". Nach MDR Investigativ-Informationen pflegte das "Combat 18"-Netzwerk enge Kontakte zu der rechtsextremen Kampfsportgruppe "Knockout 51" in Eisenach.
Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen vier mutmaßliche Thüringer Mitglieder des verbotenen rechtsextremen Netzwerks "Combat 18". Das teilte ein Sprecher der Behörde MDR Investigativ auf Anfrage mit.
Die vier Thüringer sollen die Aktivitäten der Gruppe - trotz deren Verbots im Januar 2020 durch das Bundesinnenministerium - fortgeführt haben, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera. Das Verfahren gegen die Vier war 2023 von der Bundesanwaltschaft zuständigkeitshalber nach Thüringen abgegeben worden, da es sich nach MDR-Informationen bei ihnen lediglich um "einfache" Mitglieder gehandelt haben soll. Ursprünglich hatte die Karlsruher Behörde ermittelt.
Hauptverfahren gegen Rädelsführer startet demnächst in Dortmund
Das Hauptverfahren im Komplex "Combat 18" (auch "C18") gegen vier mutmaßliche Rädelsführer soll laut einer Sprecherin des zuständigen Landgerichts Dortmund voraussichtlich im ersten Halbjahr 2025 starten.
Zu den Beschuldigten in diesem Prozess zählen auch die beiden mutmaßlichen Anführer Stanley R. aus Thüringen und Keven L. aus Sachsen-Anhalt. Bei R. soll es sich nach MDR Investigativ-Informationen um eine Schlüsselfigur des "Combat 18"-Netzwerks in Deutschland handeln. R. war vor einigen Jahren aus dem Kasseler Raum nach Eisenach gezogen.
Konspirative "Combat 18"-Treffen in Thüringen
Auf MDR-Anfrage teilte eine Sprecherin des Landgerichts Dortmund mit, zehn von insgesamt 14 konspirativen Treffen der Gruppe hätten in Thüringen stattgefunden, neun davon in Eisenach. Offenbar dienten diese Treffen auch der Ausbildung von sogenannten "Supportern".
Zwei Rechtsrockkonzerte, die die Gruppierung ausgerichtet haben soll, um sich zu finanzieren, hätten nicht in Thüringen, sondern in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern stattgefunden, so die Sprecherin des Dortmunder Landgerichts weiter.
Trainingsmärsche in Eisenacher Wäldern
Nach MDR Investigativ-Informationen haben sich die mutmaßlichen "Combat 18"-Mitglieder auch im sogenannten "Flieder Volkshaus" in Eisenach getroffen, der Landesgeschäftsstelle der Partei "Die Heimat", ehemals NPD. Fotos in den sozialen Medien zeigen mutmaßliche "C18"- Mitglieder, darunter Robin S. aus Dortmund, einer der angeklagten mutmaßlichen Rädelsführer, bei Trainingsmärschen in den Wäldern rund um Eisenach.
Robin S. war 2007 wegen eines bewaffneten Raubüberfalls auf einen Dortmunder Supermarkt, bei dem er einen 59-jährigen Mann niedergeschossen und schwer verletzt hatte, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Später war S. als "Brieffreund" der NSU-Rechtsterroristin Beate Zschäpe bundesweit bekannt geworden. Beide hatten sich aus dem Gefängnis heraus zum Teil vertrauliche Briefe geschrieben.
Welche Bedeutung hat das Neonazi-Netzwerk "Combat 18"? "Combat 18" ist ein militantes internationales Neonazi-Netzwerk, das als bewaffneter Arm des in Deutschland ebenfalls verbotenen Netzwerks "Blood & Honour" gilt. Mitglieder waren international immer wieder an schwersten Gewalttaten beteiligt.
"Combat 18"-Netzwerk pflegte enge Kontakte zu Eisenacher Neonazi-Kampfsportlern
Nach MDR Investigativ-Informationen pflegte das "Combat 18"-Netzwerk um die aktuell in Dortmund angeklagten mutmaßlichen Rädelsführer enge Kontakte zu der rechtsextremen Kampfsportgruppe "Knockout 51" in Eisenach. Fotos, die die antifaschistische Rechercheplattform "Exif" 2022 auf X, ehemals Twitter, veröffentlichte, zeigen mutmaßliche Kader von "Combat 18" und "Knockout 51" gemeinsam vor einer Hakenkreuzflagge. Auf einem der Fotos zeigt einer der Männer den Hitlergruß.
Vier Mitglieder von "Knockout 51" wurden im vergangenen Jahr vor dem Oberlandesgericht Thüringen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Landfriedensbruchs und mehrfacher gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen verurteilt. Weitere Verfahren gegen mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer sind noch nicht abgeschlossen.
MDR (jw)
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. Februar 2025 | 12:00 Uhr