Sechs Schauspieler und Schauspielerinnen stehen auf einer schwarzen Bühne. Im Hintergrund stehen säulenartige Skulpturen.
Die Skulpturen des Star-Künstlers Tony Cragg verleihen der Inszenierung von "Castor et Pollux" am Staatstheater Meiningen einen modernen Anstrich. Bildrechte: Christina Iberl

Staatstheater Meiningen Premiere: Barockoper "Castor et Pollux" modern inszeniert

22. Februar 2025, 03:00 Uhr

Das Staatstheater Meiningen hat einen Klassiker der Barock-Oper auf die Bühne gebracht: Das Stück "Castor et Pollux" feierte am Freitag seine Premiere im modernen Gewand. Regie führte die bekannte Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras. Der britisch-deutsche Star-Künstler Tony Cragg gestaltete das Bühnenbild für die Neuauflage der Oper.

Eine alte Oper aus dem 18. Jahrhundert und prominente Gäste, die sie zu neuem Leben erwecken. Das ist die Mischung, mit der das Staatstheater Meiningen am Freitag "Castor et Pollux" auf die Bühne brachte. Die Thüringer konnten Adriana Altaras für die Regie gewinnen. Der Künstler Tony Cragg hat das Bühnenbild gestaltet.

Mehrere Schauspieler und Schauspielerinnen stehen schwarz gekleidet auf einer Bühne. Im Hintergrund sind Zeichnungen aus bunten Linien zu sehen.
Modernes Schauspiel trifft barocke Klänge: "Castor et Pollux" am Staatstheater Meiningen. Bildrechte: Christina Iberl

Bruderliebe und Mystik

Zwei Brüder zwischen Krieg, Liebe und den Wirren der römischen Mythologie – das ist der Stoff, aus dem der französische Komponist Jean-Philippe Rameau um 1737 ein noch heute geschätztes Meisterwerk der barocken Oper geschaffen hat. Die Geschichte handelt von den namensgebenden Brüdern Castor und Pollux. Nach der Ermordung Castors steigt sein Bruder in die Unterwelt hinab, um ihn in das Reich der Lebenden zurückzuholen und muss sich dabei zwischen der Liebe zu einer Frau und brüderlicher Loyalität entscheiden.

Skulpturen von Sir Tony Cragg auf der Bühne des Staatstheaters Meiningen
Blick hinter die Kulissen: Skultpuren von Tony Cragg vor der Premiere am Staatstheater Meiningen. Bildrechte: Christina Iberl, Staatstheater Meiningen

Bühnenbild von Tony Cragg bringt Bewegung auf die Bühne

Ein besonderes Highlight der Inszenierung ist das Bühnenbild. Die Darstellerinnen und Darsteller bewegten sich auf der Bühne zwischen Skulpturen und Skizzen des bekannten Künstlers Tony Cragg. Die Plastiken des gebürtigen Briten ragten wie Tropfsteine meterhoch in den Saal. Cragg gehört zu den wichtigsten und gefragtesten Künstlern der Zeit. Er wurde bereits mit dem renommierten Turner Prize geehrt. Zum Beispiel fertigte er eine Skulptur für den Purple Path der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025.

Im Gespräch mit MDR KULTUR erklärt der 75-Jährige seinen Antrieb, am Stück mitzuwirken: "Bildhauerei, Poesie, Musizieren – das sind Bereiche, wo ganz neue Formen entdeckt werden, ganz neue Bedeutungen, ganz neue Inhalte geprägt werden", sagt Cragg und fährt fort: "Wir sind in der Lage, aus dem Material Emotionen, Gedanken zu arbeiten. Das finde ich einen irrsinnigen Prozess."

Kultur

Ein älterer Herr in einem leeren Theatersaal 4 min
Moderne Skultpuren und barocke Musik:Tony Cragg hat für die Inszenierung von "Castor et Pollux" Plastiken entworfen. Mehr im Audio von Blanka Weber: Bildrechte: Christina Iberl

MDR KULTUR - Das Radio Do 20.02.2025 06:20Uhr 04:03 min

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Nicht zuletzt seine Objekt-Kunst verleiht dem klassischen Opernstoff eine neue Dynamik. Denn das Arbeiten mit Materialien wie Ton, Holz und Stein lebe – so wie die Musik – von der Bewegung, findet der Künstler. "Sobald man anfängt, das Material zu bewegen, merkt man: Manche Formen bewegen einen, man hat Gedanken, man entdeckt Emotionen. Das ist unheimlich spannend", so Cragg. Und während er mit greifbaren Stoffen arbeite, würden andere Künstler Luft zum vibrieren bringen "auf eine Art und Weise, die wir Musik nennen."

Adriana Altaras inszeniert humorvoll und unkonventionell

Es ist ein klassisches Thema, das die prominente Regisseurin Adriana Altaras in Meiningen modern und zeitgemäß aufbereitet hat. Altaras' Regie ist schnörkelos, zielt auf Verständlichkeit ab. Dabei steht ihre leichte Art zu inszenieren im Kontrast zur typischen Fülle der Vertonung des barocken Stückes.

Schauspielerin Adriana Altaras bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2024. Sie trägt ein gelbes Kleid.
Schauspielerin, Regisseurin, Autorin – Adriana Altaras ist für ein Gastspiel nach Thüringen gekommen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Henning Kaiser

Da wäre zum Beispiel die Art, wie die Regisseurin die Unterwelt, das Jenseits darstellt. Altaras hatte die unkonventionelle Idee, die Darsteller in Bademäntel im Reich der Toten zu zeigen, bei Wein, Büchern und Spielen – und in quälender Langeweile. Ein humorvoller Gegensatz zur Kulisse von Tony Craggs Skultpuren, so Theaterkritiker Peter Jungblut. Insgesamt, so sein Urteil, sei es ein "vielbeklatschter Abend" gewesen.

Adriana Altaras dürfte auch weniger theateraffinen Menschen bekannt sein. Die im kroatischen Zagreb geborene 64-Jährige stand in der Vergangenheit bereits für erfolgreiche deutsche Film- und Fernseh-Produktionen vor der Kamera, zum Beispiel für die vierte Staffel der ARD-Produktion "Charité". Als Autorin hat sie bereits mehrere Bücher veröffentlicht.

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Mit "Castor et Pollux" hat das Staatstheater Meiningen klassischen Stoff auf die Bühne gebracht, ist dabei aber auch neue Wege gegangen. Mehr über die Inszenierung im Audio von Peter Jungblut:

MDR KULTUR - Das Radio Sa 22.02.2025 16:58Uhr 03:37 min

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Auch die Theaterbühne ist kein fremder Ort für Altaras: Als Darstellerin und Regisseurin arbeitete sie für diverse Häuser etwa in Berlin, Basel, Aachen, Stuttgart oder Dresden. Sie inszenierte Klassiker wie Giuseppe Verdis "Aida" oder "Die verkaufte Braut" von Bedřich Smetana.

Internationaler Opern-Star kommt nach Meiningen

Auch Christopher Moulds ist in seinen Fach gefragt: Der britische Dirigent gilt als Spezialist der barocken Oper und arbeite bereits an renomierten Häusern wie der Bayerischen Staatsoper in München, dem Moskauer Bolschoi-Theater, der Semperoper in Dresden – und nun Meiningen. Für Theaterkritiker Peter Jungblut ist er eine passende Wahl für die aktuelle Inszenierung, denn Moulds habe auch bei Rameau und seinen eher staatstragenden Kompositionen kaum Pathos aufkommen lassen.

Mehr Informationen zur Inszenierung:

"Castor et Pollux"
Oper nach Jean-Philippe Rameau
Premiere: 21. Februar 2025

Kommende Termine:
21. Februar 2025
2. März 2025
8. März 2025
16. April 2025
4. Mai 2025
3. Juli 2025

Adresse:
Staatstheater Meiningen
Bernhardstraße 5
98617 Meiningen

Quellen: MDR KULTUR (Blanka Weber), Staatstheater Meiningen, Redaktionelle Bearbeitung: tis

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Februar 2025 | 06:20 Uhr

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