Weltspieltag Nur rund vier Prozent aller Spielplätze in Deutschland sind barrierefrei

28. Mai 2023, 05:00 Uhr

Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, dann ist das gelungene Inklusion. Auf den Spielplätzen in Deutschland können Kinder mit Behinderung allerdings oft nur zuschauen: Nur rund vier Prozent aller Spielplätze bundesweit bieten ein inklusives Spielerlebnis für alle Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Aktion Mensch und das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport veröffentlicht haben.

In einem Kurzfilm der Aktion Mensch berichten Kinder mit Behinderung von den Herausforderungen, die sie beim Spielplatzbesuchen oft überwinden müssen: "Ich war mal auf einem Spielplatz, da kam ich nicht auf die Rutsche und dann musste mir jemand helfen", sagt zum Beispiel Anna, die verkürzte Arme hat. Und Suri, die im Rollstuhl sitzt, erzählt: "Man kann auch nicht in den Sand fahren, weil das alles stoppt und dann denke ich mir manchmal so, na toll."

Wie ein Spielplatz gebaut wird, ist in Deutschland Sache der Kommunen. Leipzig zum Beispiel hat sich Inklusion auf die Fahnen geschrieben. Aber auch, wenn der Wille da ist, wie beim Spielplatz am Hertaplatz, der vor zwei Monaten neu eingeweiht wurde und nach Vorgaben nun als barrierefrei gilt, passiert so etwas: Vor Ort versank ein Rollstuhlfahrer im Sand, weil das Wegesystem nicht durchdacht war.

Betroffene schon beim Planen mit einbeziehen

Gunter Jähnig ist Vorsitzender des Behindertenverbands Leipzig und war bei der Einweihung dabei. Er sagt: Schon in der Planungsphase müssen Betroffene einbezogen werden. Das werde auch gemacht, aber nicht genug. "Und dann muss es natürlich dementsprechend umgesetzt, möglichst noch begleitet werden und dann die Abnahme. Wenn das eben nicht so gemacht worden ist, dann müsste der Gesetzgeber greifen und sagen: Dann geht das nicht. Da muss das verändert werden."

Wie sollte ein barrierefreier Spielplatz aussehen?

Doch genau da liegt das Problem. Anders als in den USA oder Frankreich gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Verbindlichkeiten. Alle von MDR AKTUELL angefragten kommunalen Behindertenbeauftragten wünschen sich, dass es die auch hierzulande gibt. So, wie beim Brandschutz, schreibt die Behindertenbeauftragte für den Erzgebirgskreis Sindy Seidel. Seit April können Kommunen Fördermittel bei der sächsischen Landesregierung beantragen, um unter anderem Spielplätze barrierefreier umzubauen. Im Rahmen des im  Koalitionsvertrag vereinbarten Programms "Sachsen barrierefrei 2030" stehen für 2023/2024 pro Jahr eine Million Euro zur Verfügung. Doch in Dresden erstellt das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft gerade erst DIN-Normen, um zu definieren, was ein barrierefreier Spielplatz überhaupt ist.

Alle Formen von Behinderungen mitdenken

Auf Anfrage antwortet die Geschäftsstelle des Landesbeauftragten für Inklusion der Menschen mit Behinderungen: "Die Empfehlung ist, dass man die verschiedenen Formen von Behinderungen bedenkt: Gehbehinderung, Sehbehinderung, Gehörlosigkeit, geistige Behinderung, etc. Es sollte dann zumindest für jede dieser Formen von Behinderung zumindest ein Angebot dabei sein. Darüber hinaus muss die Zuwegung zum Spielplatz und dem jeweiligen Spielgerät weitestgehend barrierefrei sein und der Spielplatz mit entsprechenden Orientierungs- und Leitelementen ausgestattet sein."

Also zum Beispiel: Piktogramme, Blindenschrift oder auch akustische Angebote. Für den Landkreis Leipzig sei angestrebt, dass zukünftig mindestens ein Drittel der Spielplätze barrierefrei sind, schreibt die kommunale Behindertenbeauftragte Anna Funke-Gradulewski. Es werde noch lange dauern, aber schon daran gearbeitet. Halles Spielplatzkonzept beinhaltet, dass alle fünf Stadtquartiere zumindest einen barrierefreien Spielplatz haben sollen. Zwei gibt es schon, 17 haben einzelne inklusive Elemente. Angesichts von 124 Spielplätzen ist das jedoch verschwindend gering. Leipzig hat sogar 300 Spielplätze. Immerhin gebe es langsam ein höheres Bewusstsein, sagt Gunter Jähnig vom Behindertenverband: "Es ist ganz ganz wichtig, dass sich Kinder dort begegnen können und dass Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass das möglich ist." Alles andere sei dann ein Selbstläufer. Denn erst das Zusammenkommen ermögliche Inklusion.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Mai 2023 | 06:00 Uhr

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