
Jugendkriminalität Soko Iuventus: Weniger Raubstraftaten von Jugendlichen in Dresden
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03. April 2025, 17:00 Uhr
Seit 2022 gibt es in Dresden eine eigene Sonderkommission für Jugendkriminalität. Neben gezielten Ermittlungen setzt die Soku Iuventus auch auf Aufklärungsarbeit an Schulen und spricht mit Lehrkräften, Eltern sowie Jugendlichen auf der Straße. Doch wie wirksam ist die Soko gegen Jugendkriminalität?
- Dresden hat kein strukturelles Jugendbandenproblem, sagt der Leiter der Sonderkommission Iuventus.
- Selbstgefilmte Handyvideos, die Straftaten Jugendlicher zeigen, helfen bei den Ermittlungen.
- Die Sozialarbeiterin Eva Lange fürchtet eine Verschlechterung der Situation für Jugendliche durch die Sparpläne der Stadt.
Während 2024 sachsenweit die Gewalttaten von Kindern angestiegen sind, zeichnet sich in Dresden ein anderer Trend ab. So sind beispielsweise deutlich weniger Raubstraftaten von Jugendlichen begangen worden. Seit Ende 2022 ermittelt dazu die Polizei-Sonderkommission Iuventus – und offenbar mit Erfolg, wie Kriminaloberkommissar Stephan Große im Gespräch mit dem MDR sagte. 2023 wurden noch 168 Fälle registriert – im vergangenen Jahr waren es nur noch halb so viele.
Soko-Chef: "Kein strukturelles Jugendbandenproblem"
Die Soko Iuventus wurde gegründet, nachdem sich die Zahl jugendlicher Raubdelikte in Dresden zwischen 2018 und 2022 verdreifacht hatte. In der Dresdner Sonderkommission arbeitet ein Team unter anderem aus den Einbruchs- und Raubdelikte-Kommissariaten und dem Staatsschutz.
Ein weiteres Ergebnis: Dresden habe kein strukturelles Jugendbandenproblem, auch wenn es medial anders wirke, betont Große. Oftmals seien es einfach Freundesgruppen, die spontan und ungeplant Raubtaten begehen. Daher sei der Begriff "Jugendbande" falsch. Denn laut Große ist eine Bande: "eine Organisation, wo gezielt ein Kopf da ist, wo es hierarchisch strukturiert ist und die Personen dann loslaufen, mit dem Ziel Straftaten zu begehen. Das ist bei unseren Jugendlichen nicht so. Das sind Gruppen, ja, manche versuchen sich nach außen hin so darzustellen und den Schein zu erwecken."
Handyvideos erleichtern die Ermittlungen
Kriminaloberkommissar Stephan Große ist seit der Gründung 2022 in der Soko und leitet seit letztem Jahr das 17-köpfige Team. Während sich andere um jugendliche Ladendiebe, Sachbeschädigung, oder Schwarzfahren kümmern, kümmert sich die Soko ausschließlich um Gewalt- und Raubdelikte.
Dahingehend hilft uns das traurige Phänomen, dass diese Taten teilweise auch gefilmt werden und das ist dann natürlich in der Beweisführung relativ simpel, wenn wir diese Videos erlangen.
Da die meisten Fälle von den Opfern gemeldet würden, gäbe es kein großes Dunkelfeld. Und nicht nur durch Zeugenaussagen würden Ermittler dann Erfolge erzielen: "Dahingehend hilft uns das traurige Phänomen, dass diese Taten teilweise auch gefilmt werden und das ist dann natürlich in der Beweisführung relativ simpel, wenn wir diese Videos erlangen. Nach Durchsuchungsbeschlüssen wird in der Regel das Handy mit eingezogen, das werten wir aus und es ist nicht selten, dass wir dort Tätervideos finden."
Wer sind die Jugendlichen, die die Taten begehen?
Auf die Frage, wer diese Jugendliche sind, die andere ausrauben, kann Große nicht die eine Antwort geben: "Teilweise gehen die Jugendlichen nicht zur Schule, teilweise kommen sie aus sozioökonomischen schwachen Verhältnissen, teilweise gibt’s eine Migrationsbiografie. Was sie jetzt von normalen Jugendlichen aus meiner Sicht unterscheidet, ist die Tagesstruktur im Nachmittagsbereich. Wenn sie dann von der Schule nach Hause kommen, oftmals dieses Angebot dann nicht haben oder nicht wahrnehmen, vielleicht irgendwelchen Projekten je nach Neigung nachzugehen."
Soko-Ermittler arbeiten auch präventiv
Neben Ermittlungen setzt die Soko Iuventus auch auf Prävention. Die Polizisten leisten Aufklärungsarbeit an Schulen, sprechen mit Lehrkräften oder auch Eltern – und sie suchen den direkten Kontakt zu Jugendlichen auf der Straße.
Es erweckt den Eindruck, dass man, weil man ein junger Mensch ist und ein bestimmtes Aussehen hat, potentiell als Straftäter oder Straftäterin wahrgenommen wird. Das führt zu Verunsicherung und Unmut bei jungen Menschen.
Sozialarbeiterin: Präventive Polizeiarbeit verunsichert Jugendliche
Das sei aber nicht immer zielführend, berichtet Eva Lange von der Treberhilfe Dresden. Sie spricht mit Jugendlichen auf den Straßen, Plätzen, in Parks. Sie hat den Eindruck, dass die Polizei eher ein unwohles Gefühl erzeugt: "Es erweckt den Eindruck, dass man, weil man ein junger Mensch ist und ein bestimmtes Aussehen hat, potentiell als Straftäter*innen wahrgenommen wird. Das führt zu Verunsicherung und Unmut bei jungen Menschen." Daher sieht Lange in der Polizeiarbeit maximal eine Teillösung für Jugendkriminalität. Wichtiger sei aus ihrer Sicht die Förderung von Jugendsozialarbeit.
Sozialarbeiterin fürchtet steigende Jugendkriminalität wegen Sparplänen der Stadt
Daher sorgt sich Eva Lange vor allem um die Sparpläne der Stadt auch bei der Jugendarbeit. Sie prognostiziert aufgrund der Kürzungen einen Anstieg von Straftaten unzufriedener Jugendlicher sowie eine allgemeine Verschlechterung der Situation für junge Menschen. Lange fordert daher mehr Investitionen, und dann nicht nur in Jugendtreffs und Schulen, sondern auch in Sozialarbeiter, die auf den Straßen auf Jugendliche zugehen.
Jugendkriminalität ist oft ein Spiegelbild gesellschaftlicher Probleme, wie etwa sozialer Ungerechtigkeit, schlechten Bildungschancen oder familiären Schwierigkeiten. Wenn junge Menschen Straftaten begehen, kann das zudem auf ein Versagen von Präventionsmaßnahmen oder Unterstützungssystemen hinweisen.
Entgegegen sachsenweitem Trend: Weniger Jugendkriminalität in Dresden
Laut der am Donnerstag veröffentlichten Kriminalitätsstatistik der Polizeidirektion Dresden ging der Anteil von Kindern als Tatverdächtige insgesamt im Jahr 2024 zurück - von 6 Prozent im Jahr 2023 auf 5,7 Prozent. Polizeisprecher Lutz Rodig sieht verschiedene Ursachen für Kriminalität bei Jugendlichen: "Jugendkriminalität ist oft ein Spiegelbild gesellschaftlicher Probleme, wie etwa sozialer Ungerechtigkeit, schlechten Bildungschancen oder familiären Schwierigkeiten. Wenn junge Menschen Straftaten begehen, kann das zudem auf ein Versagen von Präventionsmaßnahmen oder Unterstützungssystemen hinweisen." Vor diesem Hintergrund bewerte er es als Erfolg, "dass sich 2024 – entgegen dem sachsenweiten Trend – in Dresden prozentual weniger Kinder, Jugendliche und Heranwachsende unter den ermittelten Tatverdächtigen befanden."
Mehr Kinder und Jugendliche Opfer von Straftaten
Anders sieht es allerdings bei den Opfern von Straftaten aus - hier sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr etwas angestiegen. Von den 2.447 nichterwachsenen Opfern im Jahr 2024 (2023: 2.270) waren 841 Kinder (2023: 761), 942 Jugendliche (2023: 894) und 664 Heranwachsende (2023: 615).
MDR (Robin Hartmann,kav)
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studion Dresden | 03. April 2025 | 05:30 Uhr