Kriminalstatistik Immer mehr Gewalttaten von Kindern und Jugendlichen – Weißer Ring fordert Anpassung des Strafrechts
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03. April 2025, 15:36 Uhr
Laut der Kriminalstatistik der Polizei gibt es immer mehr Gewalttaten von Jugendlichen. Häufig werden an Schulen Handys oder kleinere Geldsummen "abgezogen". Der Opfer-Verein "Weißer Ring" macht dafür unter anderem die Gewaltverherrlichung in den sozialen Medien verantwortlich. Außerdem fordert der Verein, dass das Jugendstrafrecht überdacht wird. Auch Sachsens Innenminister Armin Schuster hatte vorgeschlagen, das Jugendstrafrecht zu verändern.
- Die Gewalttaten von Kindern haben sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt.
- Haupttatort ist mittlerweile die Schule – Grund könnte die Gewaltverherrlichung in den sozialen Medien sein.
- Der Opfer-Verein "Weißer Ring" fordert, das Strafrecht zu überdenken.
Die Zahlen sind alarmierend: In den letzten fünf Jahren haben sich in Sachsen die Gewalttaten von Kindern mehr als verdoppelt. Wurden 2019 noch 325 tatverdächtige Kinder registriert, so waren es im letzten Jahr 653. Bei den tatverdächtigen Jugendlichen stieg der Wert von 976 auf 1.442.
Auffallend sei die zunehmende Verrohung bei den Jüngsten, sagt Sonja Penzel, die Präsidentin vom Landeskriminalamt Sachsen bei der Präsentation der Statistik: "Ein elfjähriges Kind ist Opfer geworden von drei anderen Kindern, zweimal elf Jahre und einmal neun Jahre alt. Die haben dieses Kind mit einer Softair-Waffe bedroht und Geld und Kaugummis erpresst und das Kind dann auch noch mit der Softair-Waffe beschossen." Oft gehe es nicht um viel, sagt die sächsische LKA-Präsidentin, Handys zum Beispiel oder Kleinstbeträge an Taschengeld.
Neuer Tatort: Schule
Beim Opfer-Verein "Weißer Ring" in Sachsen melden sich immer mehr Betroffene beziehungsweise die Eltern von Kindern und Jugendlichen, die Opfer solcher Angriffe geworden sind. Das sagt der Landesvorsitzende Geert Mackenroth: "Uns fällt auf, dass dieses gängige Vorurteil, das passiert abends in dunklen Ecken, auf der Straße, auf dem Heimweg, vorbei ist. Haupttatort dieser Kinder- und Jugendkriminalität ist derzeit die Schule."
Diese Entwicklung sei unabhängig von bestimmten sozialen Schichten, sagt Mackenroth. Bei der Suche nach möglichen Ursachen rücke ein ganzes Bündel in den Mittelpunkt: "Was wir diagnostizieren in den Gesprächen mit den Eltern und den Opfern, ist die Gewaltverherrlichung in den sozialen Medien, die Schranken sinken häufig."
Außerdem fehlten den Kindern durch die Corona-Krise zwei Jahre, sagt Mackenroth: "Gelegentlich ist es auch der Fachkräftemangel an den Schulen und die politischen und sonstigen Krisen. Die tragen auch nicht dazu bei, dass die Kinder friedfertigerer werden."
Änderung des Jugenstrafrechts
Zur Bekämpfung der steigenden Jugendkriminalität hatte Sachsens Innenminister Armin Schuster vorgeschlagen, das Jugendstrafrecht zu verändern. So sollten Straftaten von 18- bis 21-jährigen künftig nach Erwachsenenstrafrecht geahndet werden und nur noch in Ausnahmefällen nach Jugendstrafrecht.
Der sächsische Landeschef vom "Weißen Ring", Geert Mackenroth, geht da noch einen Schritt weiter: "Diese absolute und starre Grenze, dass Kinder unter 14 Jahren einen Persilschein bekommen, dass Kinder zwischen 14 und 18 und durch die Bank weg bis 21 mit den milden Handschuhen des Jugendstrafrechts angefasst werden, diese undifferenzierte Gesetzeslage, müsste hinterfragt werden. Manche Kinder sind mit zwölf älter als manche mit 19, und manche sind mit 22 noch nicht trocken hinter den Ohren." Trotzdem gebe das Gesetz keinen Spielraum.
Er wünsche sich, sagt Mackenroth, dass man sich differenzierter auch mit jugendpsychologischer Hilfe klar werde über die Täterpersönlichkeit, die da vor Gericht stehe. Wichtig für die Opfer sei, dass die Justiz überhaupt reagiere. Da sei in der Vergangenheit zu wenig passiert.
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 03. April 2025 | 06:49 Uhr