Fragen und Antworten Einfacher und transparent: So wird der neue Schufa-Score berechnet
Hauptinhalt
04. April 2025, 15:54 Uhr
Die Schufa gewährt künftig Verbrauchern Einblick in die Berechnung der Kreditwürdigkeit. Die Auskunftei vereinfacht ihr Berechnungsmodell für den sogenannten Bonitäts-Score. Verbraucher sollen ohne großen Aufwand ihren Score nachrechnen können. Was ändert sich und was bringt das dem Verbraucher?
Wie wird aktuell die Kreditwürdigkeit durch die Schufa berechnet?
Derzeit berechnet die Schufa AG (vormals SCHUFA e.V. Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) unter Auswertung großer Datenmengen, für wie kreditwürdig sie Verbraucher hält. Welche Daten erfasst werden, ist undurchsichtig. Dutzende Kriterien, die Gewichtung und Berechnung werden seit Langem als intransparent kritisiert. Der errechnete Score soll das Zahlungsverhalten von Verbrauchern vorhersagen. Je höher der Wert, umso größer die Kreditwürdigkeit.
Neben persönlichen Daten wie Namen, Alter und Wohnorte werden zahlreiche private Finanzdaten erfasst. Einige Daten stammen aus öffentlichen Quellen wie gerichtliche Schuldenverzeichnisse, Privatinsolvenzen, Lohnpfändung etc. Dazu kommen Daten von Kreditinstituten wie Anzahl von Konten und Geldkarten, Kredit- und Leasingverträge mit Laufzeiten sowie mögliche Außenstände. Außerdem werden Telekommunikationsverträge erfasst. Die Dauer der Datenspeicherung und Löschung nachteiliger Einträge ist schwer durchschaubar.
Nach eigenen Angaben verfügt die Schufa über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland – zu mehr als 90 Prozent "ausschließlich positive Informationen".
Was ist anders am neuen Schufa-Score?
Die Auskunftei verspricht künftig "völlige Transparenz". Dazu soll der Score so weit vereinfacht werden, dass ihn auch Laien nachrechnen können. Aus mehr als 250 möglichen Kriterien hat die Schufa demnach zwölf ausgewählt, die aus ihrer Sicht am verständlichsten sind und die zugleich eine möglichst verlässliche Aussage über die Zahlungsfähigkeit liefern:
- Alter der ältesten Kreditkarte / mit dem Alter steigt der Scorewert
- Alter der aktuellen Adresse / je länger man eine Wohnung oder ein Haus bewohnt, desto höher der Scorewert
- Anzahl jüngerer Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten / je weniger, desto höher der Scorewert
- Kredit mit längster Restlaufzeit (über drei Jahre) / je niedriger, desto höher der Scorewert
- Anfragen im Bereich Telekommunikation/(Online)-Handel in letzten 12 Monaten / je weniger, desto höher der Scorewert
- Alter des ältesten Bankvertrags / je länger, desto besser der Scorewert
- Immobilienkredit oder Bürgschaft / wenn vorhanden, steigt der Scorewert
- Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen 12 Monaten / je weniger, desto höher der Scorewert
- Kreditstatus / wenn korrekt abgezahlt, desto besser der Scorewert
- Vorliegen einer Identitätsprüfung / wenn vorhanden, steigt der Scorewert
- Jüngster Rahmenkredit / je länger er zurückliegt, desto höher der Scorewert
- Zahlungsstörungen in den letzten drei Jahren / je weniger, desto höher der Scorewert
Die Punktespanne reicht von 100 bis maximal 999 Punkte. Diese ergeben den Score zur Bonität, der unterteilt wird in "hervorragend", "gut", "akzeptabel", "ausreichend" oder "ungenügend".
Was bringt der Schufa-Score dem Verbraucher?
Der neue Score wird derzeit getestet. Ab Herbst sollen Verbraucher kostenfrei Einblick in ihre persönlichen Daten bekommen – entweder in der Schufa-App oder online. Ein individuelles Datencockpit ermöglicht es, den persönlichen Score jederzeit zu simulieren: Welchen Einfluss hätte ein weiterer Ratenkredit oder wie verändert sich meine Bonität, wenn ich eine oder mehrere Kreditkarten kündige?
Banken, Onlinehändler, Mobilfunkanbieter, Autohäuser und Energielieferanten nutzen den Schufa-Score zur Bewertung der Zahlungsmoral ihrer Kundschaft, bevor sie Verträge schließen. Unternehmen, aber auch Einzelpersonen wie Vermieter können den Score einholen, sie erhalten aber keine konkrete Auflistung der Einzelwerte. Die Bonität beeinflusst die Konditionen der Verträge – also etwa den Zinssatz für Kredite oder den Zuschlag für eine Wohnung.
Eine Bank zum Beispiel fragt bei einer Kreditanfrage eines Kunden dessen Bonität bei der Schufa ab. Dazu kommen noch eigene Informationen der Bank, wie Daten zu Einkommen und Ausgaben sowie Vermögen des Kunden. Weiterer Faktor ist die Risikobereitschaft einer Bank. Laut Schufa trifft die Entscheidung für oder gegen ein Geschäft letztlich immer das Unternehmen, mit dem ein Verbraucher einen Vertrag abschließen möchte.
Warum verändet die Schufa ihren Score?
Der Auskunftei zufolge wird die Score-Formel regelmäßig dem sich ändernden Konsumverhalten der Menschen angepasst. So sei etwa die Zahl an Minikrediten kräftig gestiegen. Zudem wechselten Verbraucher häufiger als früher ihre Hausbank, weil sie auf Vergleichsportalen bessere Konditionen suchten.
Doch offenbar reagiert die Schufa auch auf den anhaltenden Druck von Verbraucherschützern, die mehr Transparenz bei der Score-Berechnung und kostenlose Auskunft verlangen. Der Europäische Gerichtshof stärkte mit einem Urteil im Februar 2025 die Position von Verbrauchern zum Einblick in persönliche Daten und die Berechnung der Bonität. (C-203/22) Mit der Neuregelung könnten Verbraucher zum Beispiel auch leichter gegen ungenaue oder falsche Daten in ihrem Bonitäts-Scoring vorgehen.
Der Schufa-Score ist in Deutschland am bekanntesten. Aber auch andere Auskunfteien, wie Creditreform, Crif oder Infoscore erstellen solche Wahrscheinlichkeitswerte zur Bonität.
DPA, Schufa (ans)
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. April 2025 | 12:00 Uhr