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Langenstein-Zwieberge Luxus-Bunker in KZ-Stollen: Wie es um die Pläne steht

27. Februar 2025, 08:53 Uhr

Es gehört zu den umstrittensten Bauprojekten in Mitteldeutschland: Der Investor Peter Jugl will einen Luxus-Schutzbunker bei Halberstadt bauen. Dort, wo vor 80 Jahren Häftlinge des KZ Stollen in den Berg treiben mussten. Die Leiterin des Fördervereins der Gedenkstätte, Hanka Rosenkranz, fordert, dass der Stollen wieder in öffentliche Hand zurückkehrt. Und auch Jugl ist nun offenbar an einer gemeinsamen Lösung mit der Gedenkstätte interessiert.

Noch liegt Schnee auf dem Gelände des ehemaligen KZ Langenstein-Zwieberge im Vorharz. Hanka Rosenkranz führt über das Gelände: "Wir stehen hier vor dem Appellplatz. Von den Baracken ist nichts mehr da. Es war für 2.000 Mann mal geplant und letztendlich waren über 7.000 Häftlinge hier." 2.000 hätten nicht überlebt, erzählt die Leiterin des Fördervereins der Gedenkstätte. Nicht einmal ein Jahr bestand dieses Außenlager des KZ Buchenwald.

Besucher gehen am Sonntag (19.04.2009) durch das Stollensystem in der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge im Landkreis Harz.
Besucher im Stollensystem in der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge im Jahr 2009. Bildrechte: picture-alliance/ dpa | Jens Wolf

Tag für Tag mussten die KZ-Häftlinge in den Stollen. 13 Kilometer haben sie in den Berg geschlagen. Etwa ein Drittel des Stollens sei noch im Originalzustand, sagt sie. Zu begehen seien aber nur noch wenige Meter: "Sodass man wirklich nachvollziehen könnte, wie er durch die Häftlinge gebaut wurde. Man hat nur 20 Meter, wo man mit der Taschenlampe leuchten muss. Es ist kein Elektro drin, man muss mit Notstromaggregat arbeiten. Alles schwierige Bedingungen", sagt Rosenkranz.

Für sie gehört der Stollen zur Gedenkstätte: "Ohne KZ kein Stollen." Der größere Teil des Stollens wurde nach dem Krieg zunächst wirtschaftlich, dann durch die Nationale Volksarmee als gewaltiges Munitionslager genutzt.

Stollen nun in Privatbesitz

Seit 1994 ist er in Privatbesitz und hat etliche Insolvenzen hinter sich. "Das ist ein Unding. Ab da beginnt dieser Fehler, weil man dann keinen Zugriff mehr hatte", sagt Rosenkranz.

Eigentümer ist inzwischen der Investor Peter Jugl aus Leipzig. Ihm gehören einige Immobilien, die man bestenfalls als ungewöhnlich beschreiben kann. Im Stollen will er zum Schutz im Katastrophenfall so etwas wie eine eigene kleine Stadt errichten, mit Schlafkabinen und Luxussuiten. Sicher unter der Erde und für Menschen mit Geld.

Eigentümer will den Bunker teuer verkaufen

Zuletzt aber hatte Jugl den Bunker zum Verkauf gestellt – mit Frist bis Ende Oktober letzten Jahres. Für acht Millionen Euro. Ein Vielfaches des ursprünglichen Kaufpreises.

Das Land habe damals auch ein Angebot abgegeben, sagt die stellvertretende Regierungssprecherin Ute Albersmann – aber nur für den authentischen Teil, also den in einem Zustand von 1945. "Dieses Angebot ist unbeantwortet geblieben. Wir müssen daher von einer Ablehnung ausgehen. Wir versuchen in Gesprächen, ob ein Nutzungsvertrag erreicht werden kann. Auch der würde sicherstellen, dass Gedenkstättenarbeit dort möglich ist."

Gebiet unter Denkmalschutz

Was den Ausbau der Bunkeranlage generell betrifft: In der Staatskanzlei gibt sich Ute Albersmann gelassen. Bisher liege keinerlei Antrag vor. Das gesamte Gebiet stehe unter Denkmalschutz. Das bedeutet: "Alle Veränderungen baulicher oder auch nutzungsrechtlicher Art müssten genehmigt werden. Dazu haben wir bisher nichts gesehen und alles, was dort geplant wäre, müsste auch den Regeln des Denkmalschutzes entsprechen."

Investor Jugl hat unterdessen über seinen Anwalt ein Statement verschicken lassen. Demnach gibt es auch auf dieser Seite den Wunsch nach einer gemeinsamen Lösung mit der Gedenkstätte.

Für Hanka Rosenkranz gibt es für eine angemessene Erinnerungs- und Gedenkarbeit nur eine Lösung: "Es funktioniert nur, wenn das in die öffentliche Hand zurückkehrt. Weil man immer abhängig wäre, immer."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 27. Februar 2025 | 06:53 Uhr

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