Ein Hubschrauber der Bundeswehr fliegt im Licht der untergehenden Sonne mit einem Wasserbehälter zum Königsberg am Brocken. 1 min
Im Audio: Für die Löschhilfe der Bundeswehr am Brocken sind Kosten in Millionenhöhe entstanden. Bildrechte: picture alliance/dpa | Matthias Bein
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MDR SACHSEN-ANHALT Fr 04.04.2025 07:30Uhr 00:51 min

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Kosten für Rettungseinsatz Nach Brocken-Brand: Bundeswehr stellt über eine Million Euro in Rechnung

04. April 2025, 18:51 Uhr

Abgerechnet wird hinterher: Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brand am Brocken gibt es für die Stadt Wernigerode ein teures Erwachen. Die Bundeswehr hat für ihren Hilfseinsatz eine Rechnung in Höhe von 1,3 Millionen Euro geschickt. Sie hatte mit Hubschraubern geholfen, Löschwasser zum Brocken zu bringen.

Die Kosten für die Waldbrandbekämpfung am Brocken im vergangenen September sind auf über 1,8 Millionen Euro angestiegen. Wie der Oberbürgermeister der Stadt Wernigerode, Tobias Kascha (SPD), MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag mitteilte, liegt eine Rechnung der Bundeswehr von 1,35 Millionen Euro vor.

Die Stadt hatte um Amtshilfe gebeten. Sie sei nun verpflichtet, diese Rechnung zu bezahlen. Die Bundeswehr hat auf eine Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, wie sich etwa die Kosten zusammensetzen, noch nicht geantwortet. So waren etwa Hubschrauber zum Einsatz gekommen.

Ein Hubschrauber der Bundeswehr nimmt am Rückhaltebecken am Torfhaus Wasser für die Waldbrandbekämpfung.
September 2024: Ein Hubschrauber der Bundeswehr entnimmt Wasser aus dem Rückhaltebecken Torfhaus. Bildrechte: picture alliance/dpa | Matthias Bein

Enorme Belastung für Wernigerode

"Ich bin nicht überrascht von der Rechnung, allerdings von der Höhe", sagte Kascha MDR SACHSEN-ANHALT. Er habe bereits um einen Zahlungsaufschub gebeten. Zudem erhoffe er sich Unterstützung vom Land Sachsen-Anhalt. Der Oberbürgermeister will nach eigenen Angaben zunächst die Antworten abwarten und dann entscheiden, wie man diese Summe bezahlt. Zur Rechnung der Bundeswehr würden u.a. noch Kosten für das beantragte Löschflugzeug des Landkreises Harz hinzukommen. Die nun insgesamt 1,84 Millionen Euro seien eine enorme Belastung für Wernigerode, sagte Kascha.

Porträt eines Mannes
Tobias Kascha Bildrechte: MDR/Engin Haupt

Die Bundeswehr in Sachsen-Anhalt Die Bundeswehr ist mit Tausenden Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt. Von der Verwaltung bis zur Stationierung des Heeres: Die Bundeswehr hat neun Standorte in Sachsen-Anhalt – Havelberg, Klietz, Gardelegen, Burg, Magdeburg, Möckern, Blankenburg, Naumburg und Weißenfels. Weißenfels ist mit der Sachsen-Anhalt-Kaserne der größte Sanitätsstandort der Bundeswehr.

Der Landrat des Harzes, Thomas Balcerowski (CDU), wies erneut daraufhin, dass solche Summen für den kommunalen Haushalt nicht zu stemmen seien. Er hofft auf Unterstützung des Landes. Balcerowski sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Land müsse einen Fonds für die Folgen des Klimawandels bereitstellen, um daraus Kosten für Katastrophen, wie eben größere Waldbrände, auffangen zu können. Gleichzeitig forderte er den Nationalpark Harz auf, mehr Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Es müssten Wundstreifen entlang der Bahnstrecke zum Brocken angelegt sowie Brandschneisen geschlagen werden. "Ein dritter Waldbrand dieser Größenordnung muss unbedingt verhindert werden".

Thomas Balcerowski
Thomas Balcerowski Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Nationalparkchef: "Wundstreifen funktionieren nicht"

Der Chef des Nationalparks Harz, Roland Pietsch, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, keiner wolle wieder solch einen Brand. 30 Hektar Wald seien nach den Ereignissen 2022 und 2024 zerstört worden. Allerdings würde etwa der Vorschlag mit den Wundstreifen an der Bahnstrecke aufgrund des Gerölls nicht funktionieren. Auch zusätzliche Brandschneisen seien nicht sinnvoll. Man würde damit Besucher einladen, diese Wege zu benutzen.

Amtshilfe

Nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) können Behörden des Bundes und der Länder gegenseitig Rechts- und Amtshilfe beantragen. Diese Amtshilfe ist im Grundgesetz festgeschrieben. Dabei sind auch spezielle Formen der Amtshilfe im Falle einer Naturkatastrophe oder in einem besonders schweren Unglücksfall geregelt. Dabei kann auch die Bundeswehr zum Einsatz kommen.

Allerdings könne man Zugänge von drei Metern Breite schaffen, damit die Feuerwehr besser durch das Totholz komme, um an Brandschwerpunkte zu gelangen. Es gebe auch das Jahr über Gespräche mit der Feuerwehr, um zu schauen, wo Löschwasservorräte aufgestellt werden könnten. Auch die Installation einer dauerhaften Löschwasserleitung innerhalb der Bahngleise unterstütze der Nationalpark Harz.

Roland Pietsch, Leiter des Nationalparks Harz steht vor einer verkohlten Waldfläche.
Roland Pietsch begutachtet die Schäden nach dem Waldbrand im Harz. (Archivbild) Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Harzer Kreisbrandmeister: Luftunterstützung war richtig

Der Harzer Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse unterstrich noch einmal, dass bei solch einem Brandereignis schnell und effektiv gehandelt werden müsse. Es sei richtig gewesen bei den Bränden 2022 und 2024 Luftunterstützung anzufordern, sagte er MDR-SACHSEN-ANHALT. Es handle sich um unzugängliches Gelände. Man könne es auch nicht wochenlang brennen lassen, man lebe vom Tourismus.

In Sachen Kosten für die Waldbrandbekämpfung warf Lohse eine Idee aus der Vergangenheit noch einmal auf. "Wenn künftig jeder Tourist einen Euro für die Gefahrenabwehr in Rechnung gestellt bekommt, ist das ein Betrag, mit dem jeder leben kann. Man muss das nur entsprechend vermarkten."

Kai-Uwe Lohse
Kai-Uwe Lohse Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

Brand am Brocken: Ermittlungen zur Ursache beendet

Ende März hatte die Staatsanwaltschaft Halberstadt die Ermittlungen nach dem Brocken-Brand für beendet erklärt. Es habe keine Hinweise darauf gegeben, dass das Feuer vorsätzlich oder fahrlässig gelegt wurde, teilte Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck mit. Daher habe man davon abgesehen, ein Ermittlungsverfahren gegen bestimmte Personen einzuleiten.

Experten gehen von zwei möglichen Ursachen aus: Entweder wurde etwas glühendes oder glimmendes aus der fahrenden Brockenbahn geworfen oder von dem historischen Zug selbst sind Funken geflogen. Untersuchungen bei den Harzer Schmalspurbahnen hätten allerdings keine Hinweise auf eine Verletzung der Sorgfaltspflicht gegeben.

17 Hektar Wald im Nationalpark Harz vernichtet

Der Großbrand war am 6. September 2024 am Königsberg, eine Neben-Kuppe des Brockens, ausgebrochen und vernichtete circa 17 Hektar Waldfläche im Nationalpark Harz. Das hatte die Verwaltung Ende September 2024 nach der Auswertung von Satellitenbildern mitgeteilt. Die Feuer-Front breitete sich am Brocken zeitweise auf einer Länge von mehr als 1.000 Metern in dem unwegsamen Gelände aus. Die Löscharbeiten dauerten Tage. Erst am 11. September galt der Großbrand als gelöscht. Um für Feuer im Harz gewappnet zu sein, setzt der Landkreis Harz seit 2023 auf ein für ihn abrufbares Löschflugzeug.

MDR (Michel Holzberger, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. April 2025 | 07:30 Uhr

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