
Lebensmittel-Lieferdienste Wie Bofrost und Eismann der wachsenden Konkurrenz trotzen
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12. Juni 2024, 12:56 Uhr
Konsum, Rewe, Amazon, Edeka oder Flink – zahlreiche Anbieter liefern Lebensmittel nach Hause. Erfunden haben das Konzept aber zwei Unternehmen, die schon Jahrzehnte im Geschäft sind: Bofrost und Eismann. Beide Firmen haben sich auf die Lieferung von Tiefkühlprodukten spezialisiert. Besonders in ländlichen Regionen beliefert Eismann nach wie vor viele Kunden.
- Während der Corona-Pandemie verzeichneten Bofrost und Eismann deutlich mehr Umsatz.
- Vor allem in ländlichen Gebieten, in die neuere Lieferdienste häufig nicht liefern, sind Bofrost und Eismann nach wie vor gefragt.
- Anders als bei bloßen Lieferanten haben die Handelsvertreter häufig auch ein persönlicheres Verhältnis zu Kundinnen und Kunden.
In einer düsteren Halle unweit der Kleinstadt Schkeuditz belädt Jörg Hetzel seinen Transporter. Mit Handschuhen packt er gefrostete Bohnen und Spinat in den Wagen, dann Speiseeis, Fischstäbchen, Pizza, kurz: alles, was man einfrieren kann. Hetzels Laderaum ist eine rollende Tiefkühltruhe – mit Vorräten für Wochen: "Ich bin selbstständiger Handelsvertreter für die Firma Eismann. Das macht auch sehr, sehr viel Spaß. Ich habe circa 1.000 Kunden, die mich lieben. Und die ich auch sehr, sehr liebe. Denn ich verdiene relativ gutes Geld mit denen."
Schon seit 18 Jahren liefert Hetzel im Großraum Leipzig-Halle Tiefgekühltes. Das lohnte sich vor allem während der Corona-Pandemie. Denn Hetzel versprach Vorräte ohne Infektionsrisiko und Schlepperei.
Enorme Umsatzsteigerungen während Corona
Im Pandemiejahr 2021 kletterten die Umsätze der Eismann-Gruppe auf rund 330 Millionen Euro, sagt Sprecher Martin Thomauske: "Seit Corona, seit den Lockdowns, wo wir ganz stark waren, hat sich das natürlich etwas abgeschwächt. Aber die Folgen daraus, von denen profitieren wir immer noch. Leute, die damals Kunde geworden sind, haben sich daran gewöhnt, wissen unseren Service und unsere Produkte zu schätzen und sind bei uns geblieben."
Auch beim Marktführer, der Firma Bofrost, sorgte Corona für einen Schub. Das Lieferunternehmen, gegründet 1966, bringt es auf 1,5 Milliarden Euro Umsatz. Ein Interview lehnt Bofrost ab. Begründung: Man wolle sich nicht äußern, wenn auch der Konkurrent Eismann Thema ist.
Nicht nur Lieferanten, auch Kundenberater
Dabei ist doch der Bofrost-Mann längst Popkultur. Die Toten Hosen sangen über den Bofrost-Mann. Und dann spielte Axel Prahl mal den Fahrer Marko in der Komödie Eisland. Der Film wirkt wie der Abgesang auf eine Branche, die vor allem Alte beliefert. Tatsächlich stellt sich die Frage, welche Zukunft Tiefkühllieferanten haben, wenn Rewe, Flink oder myTime inzwischen den gesamten Wocheneinkauf bringen.
Eismann-Sprecher Thomauske sagt, man verstehe sich ja nicht nur als Lieferant: "Unsere Handelsvertreter sind alle auch Kundenberater. Auf der anderen Seite sind gerade Firmen, die sie genannt haben, in städtischen Bereichen stark. In ländlichen Gebieten, wo auch wir unsere Stärke haben, ist das kein Thema."
Kundenbindung am Kaffeetisch
Eismann liefert ausschließlich Eigenmarken. Die Preise sind gehoben. Dafür bleibt Fahrer Jörg Hetzel auch mal für einen Schwatz: "Bei manchen Kunden steht ein Kaffee auf dem Tisch. Wenn man zu Ostern oder Weihnachten, also dann, wenn man richtig Druck und keine Zeit hat, sagt: 'Ich kann heute keinen Kaffee trinken', dann sind die ein bisschen traurig."
Hetzel schließt die Ladeklappe. Drinnen kühlt ein Akku die Waren auf unter minus 18 Grad. Hetzel startet seine Tour. Fünfzig Kundinnen und Kunden warten heute auf Tiefgefrorenes und ein paar nette Worte.
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 12. Juni 2024 | 06:48 Uhr