Kriminalstatistik Polizei erfasst weniger Straftaten – dafür mehr Gewaltdelikte
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02. April 2025, 19:15 Uhr
Am Mittwoch wurde die Kriminalstatistik für das Jahr 2024 vorgestellt. Hier zeigt sich: insgesamt sind weniger Straftaten festgestellt worden. Das liegt jedoch auch an der Teillegalisierung von Cannabis. In anderen Bereichen gab es Anstiege: etwa im Bereich der Sexualstraftaten, Körperverletzungen und mehr Mordfälle.
- In Deutschland hat die Gewalt gegen Frauen im vergangenen Jahr laut der Kriminalstatistik stark zugenommen.
- Zudem gab es mehr Fälle von Körperverletzung und Morde, aber weniger Raubdelikte.
- Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten ging zurück – das liegt aber auch an der Teillegalisierung von Cannabis.
Die Polizei hat im vergangenen Jahr einen Anstieg der Gewalttaten, in anderen Kriminalitätsbereichen aber auch teils erhebliche Rückgänge registriert.
Die am Mittwoch vom Bundesinnenministerium und der Innenministerkonferenz veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik weist für das Jahr 2024 insgesamt 217.277 Fälle von Gewaltkriminalität aus – das sind 3.178 oder 1,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Innerhalb von fünf Jahren hat sich diese Zahl damit um 20 Prozent erhöht.
Faeser: Gewalt gegen Frauen ist besorgniserregend
Anstiege gab es den Angaben zufolge im Bereich Gewaltkriminalität bei Sexualdelikten (plus 9,3 Prozent). Die Gewalt gegen Frauen sei besorgniserregend, sagte die geschäftsführende Bundesinnenministerin Nancy Faeser: "Diese Zahlen müssen weitere Konsequenzen haben."
Benötigt würden ein stärkeres Schutz- und Hilfesystem, eine effektivere Strafverfolgung der Täter und die Einführung einer elektronischen Fußfessel, damit sich mutmaßliche Täter nicht unbemerkt ihren Opfern nähern könnten, sagte Faeser. "Der Schutz von Frauen vor Gewalt muss auch für die nächste Bundesregierung eine zentrale Aufgabe sein", forderte sie.
Insgesamt gab es der Statistik zufolge fast 43.000 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Opfer sind vor allem Frauen. Der Statistik zufolge waren 91,3 Prozent der Opfer weiblich. Die Ermittler vermuten dem Bericht zufolge eine gestiegene Sensibilisierung und eine höhere Anzeigenbereitschaft als Ursache für den Anstieg. Möglicherweise finde eine Verschiebung vom Dunkel- ins Hellfeld statt, heißt es im Bericht.
Auch der sächsische Landesvorsitzende der Hilfsorganisation Weißer Ring, Geert Mackenroth, sieht eine Zunahme der Gewalt gegen Frauen. Mackenroth sagte MDR AKTUELL, es sei wichtig, dass sich Frauen, die Opfer von Gewalt werden, Hilfe holen. Gerade Gewaltopfer in Ehen und langjährigen Partnerschaften müssten dazu "besondere Hemmschwellen" überwinden. Viele würden erst einmal abwarten, ob sich die Situation bessere, aber sie werde oft schlimmer.
Anstieg auch bei Körperverletzungen und Mordfällen
Zudem gibt es den Angaben zufolge einen Anstieg bei Körperverletzungen (plus 2,4 Prozent), aber auch bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen (plus 0,9 Prozent). Die Zahl der Raubdelikte hingegen ging im Vergleich zum Vorjahr zurück (minus 3,7 Prozent).
Bei Gewaltstraftaten nahm die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen um 7,5 Prozent zu. In dem Bereich waren nun rund 41,8 Prozent der Tatverdächtigen Ausländerinnen und Ausländer – 2023 waren es 41,1 Prozent. Die Verfasser der Statistik weisen dabei auch auf den gestiegenen Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung hin.
Gesamtzahl sinkt – auch wegen Cannabislegalisierung
Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten lag 2024 bei 5,84 Millionen – das sind rund 103.000 oder 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptgrund dafür ist aber, dass ein früherer Deliktsbereich seit 1. April 2024 weitgehend abgeschafft ist: der Konsum und Anbau von Cannabis. Der Rückgang der Fall- und Tatverdächtigenzahlen sei "deutlich" von der Teillegalisierung beeinflusst, heißt es in der Erklärung zur Statistik.
Sowohl die Gesamtzahl der Straftaten als auch die der Drogendelikte sei somit nicht mit dem Vorjahr vergleichbar, heißt es in der Statistik. Unter der Annahme, dass sich die Fallzahlen im Fünf-Jahres-Durchschnitt entwickelt hätten, hätte es demnach keinen leichten Rückgang der Kriminalität, sondern einen leichten Anstieg gegeben, vermuten die Autorinnen und Autoren.
Langwierige Verfahren bei Wirtschaftskriminalität
Keinen allgemeinen Trend kann man laut BKA aus der starken Zunahme von Fällen im Bereich der Wirtschaftskriminalität ablesen. Hier stieg die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 57 Prozent auf rund 22.400 Fälle an. Grund dafür sei der Abschluss zum Teil mehrjähriger Ermittlungen in Sammelverfahren mit einer Vielzahl von Geschädigten, heißt es in den Erläuterungen zur Statistik.
dpa,epd,AFP (kar)
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 02. April 2025 | 10:30 Uhr