Handwerk Immer die Tiere im Blick haben: Was junge Schäferlehrlinge über ihren Beruf sagen
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24. Dezember 2023, 19:06 Uhr
Der Förderverein der Deutschen Schafhaltung hat Alarm geschlagen. Der Beruf des Schäfers sterbe aus. Zu viel Bürokratie, die steigende Wolfpopulation und eine teure Ausbildung machen den Beruf unattraktiv.
Henk Koch und Jannik Prell lieben Schafe. Schon als Kinder hatten sie ihre eigenen Tiere. Jannik, der aus Crawinkel stammt und nun in Wechmar lebt, war früher mit seinem Großvater auf der Weide. Er ist sein Vorbild, in seine Fußstapfen will der 16-Jährige beruflich treten. Henk Koch aus Mühlberg hatte seine ersten eigenen Schafe und Ziegen bereits im Alter von 11 Jahren. Der heute 16-Jährige will nun das Hobby zum Beruf machen.
In der Agrarprodukte Schwabhausen e.G. absolvieren die zwei Jugendlichen ihre dreijährige Lehre als Schäfer. Auf dem Programm steht auch das Scheren der Schafe. Das wird zwar von einer Lohnfirma erledigt, doch Henk und Jannik sind damit beschäftigt, die geschorene Wolle zu verpacken - etwa 3,4 Kilogramm pro Schaf. Mit der Hand müssen sie die Wolle in einen Sack pressen. Bis zu 80 Kilogramm passen da rein. Ist der Sack randvoll, wird der nächste bestückt.
In der Agrarprodukte Schwabhausen e.G. bildet Gerd Steuding regelmäßig Jugendliche aus. Ein junges Mädchen ist gerade fertig geworden. Steuding ist Schäfer in dritter Generation. Er ist davon überzeugt, wer heute Schäfer wird, der macht das aus Enthusiasmus. In ganz Thüringen werden momentan nicht ganz ein Dutzend junge Menschen zum Schäfer ausgebildet.
Man muss die Tiere lieben. Ansonsten kann man den Beruf gar nicht erlernen. Man muss Spaß dran haben - das ist das Wichtigste.
Aus Sicht von Verbandschef Jens-Uwe Otto reichen die Lehrlinge nicht aus, um die Kollegen zu ersetzen, die aufgeben oder ausscheiden. Für Otto steht fest: "Das reicht bei weitem nicht." Das Ende vom Lied sei, dass Betriebe nicht mehr fortgeführt oder zurückgefahren werden. Der Beruf werde irgendwann aussterben, so prognostiziert der Verbandschef. Der Schafzüchterverband Thüringen hat rund 300 Mitglieder. Davon sind etwa 100 Schäfer im Haupterwerb tätig.
Henk Koch und Jannik Prell wissen um die Situation in ihrem Verband. Sie wissen auch, dass es viele Schäfereien gibt, die einen Nachfolger suchen. Für die Jugendlichen ist das eine Chance. Sie wissen aber auch, dass sie in ihrem künftigen Beruf nicht reich werden können. Und ihnen ist ebenso klar, die Tiere müssen rund um die Uhr betreut werden.
Klar, du hast 24/7. Du musst Sonn- und Feiertage immer ran. Aber ich denke, das gehört dann dazu. Die Viecher wollen ja am Sonntag auch fressen.
Nach den aktuellen Erhebungen des Landesamtes für Statistik ist in Thüringen die Zahl der Schafe wieder leicht gestiegen. Der Bestand wird mit 104.600 Tieren angegeben. Das sind 2.400 Schafe mehr als noch ein Jahr zuvor.
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 24. Dezember 2023 | 14:15 Uhr