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Personengruppe mit Spaten - Symbolischer Baubeginn. 4 min
Bildrechte: Mareike Wiemann
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Altenburg wird bald um eine Touristenattraktion reicher: Das digitale und interaktive Spielemuseum Yosephinum will neue Wege gehen und so Besucher anlocken. Mehr im Audio von Mareike Wiemann:

MDR KULTUR - Das Radio Mi 26.02.2025 06:20Uhr 03:56 min

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Digitale Ausstellung Altenburg: Erster Spatenstich für Spielewelt Yosephinum

26. Februar 2025, 18:24 Uhr

In Altenburg werden seit fast 200 Jahren Spielkarten hergestellt und bald soll ein ganz besonderer Ort in der Stadt an diese reiche Tradition erinnern: Das Yosephinum. Am Dienstag begann der Bau des erlebnisorientierten und interaktiven Museums. Neben der Sanierung des Theaters und des Lindenau-Museums soll auch diese "Spielewelt" künftig den Tourismus in Altenburg ankurbeln.

Mit einem feierlichen Akt ist am Dienstag der Baubeginn des Yosephinums eingeläutet worden. Die ersten, symbolischen Spatenstiche machten neben Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann und dem Architekten Jörg Baum auch Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) und Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW). Im Herbst 2027 soll das Yosephinum eröffnet werden.

Besucher werden zu Game-Protagonisten

Das Konzept der sogenannten Spielewelt sei bundesweit einmalig, sagte der Projektverantwortliche Florian Voß von der Stadt Altenburg bei MDR KULTUR: "Wir sind kein Museum in dem Sinne, wir sind eine Erlebniswelt. Ein Museum sammelt, bewahrt, vermittelt. Wir sammeln nicht und bewahren nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wir haben nicht die klassischen Vitrinen."

Es gehe nicht um alte Exponate. Vielmehr solle das Yosephinum eine "interaktive Spieleerlebniswelt" werden, die die Besucher spielerisch erkunden. "Ich bin quasi der Spielheld, kann mich von Raum zu Raum spielen, muss in jedem Raum Entscheidungen treffen, um eine spannende Story zu Ende zu führen", so beschreibt Voß seine Vision vom Besuch des Spielezentrums.

Yosephinum Altenburg Illustration.
So soll das Yosephinum im Herbst 2027 aussehen. Bildrechte: Stadt Altenburg

Digitale Attraktion in neoklassizistischem Palazzo

Es ist ein von außen recht unscheinbares, verfallenes Gebäude, in dem das Yosephinum Platz finden soll. Im Innenraum aber öffnet sich ein weites, elegantes Treppenhaus. Architekt Jörg Baum findet, der Bau sei "eines der tollsten Gebäude" in Altenburg – "leider seit '97 leerstehend gewesen, als Gymnasium geplant."

Baum ist nun mit der Sanierung und Erweiterung dieses neoklassizistischen, italienischen Palazzos betraut, denn in rund zweieinhalb Jahren soll hier die Spieleerlebniswelt eröffnet werden. Altenburg will damit an die eigene reiche Spiele-Tradition erinnern. Schließlich wurde hier vor rund 200 Jahren das Skat-Spiel erfunden. Seitdem hat die Spielkartenindustrie die Stadt geprägt.

Eine Kartendruckerwerkstatt des 18. Jahhunderts steht 2018 im Spielkartenmuseum.
Jahrhundertealte Spiel-Tradition: In Altenburg werden seit 200 Jahren Spielkarten hergestellt. Bildrechte: picture alliance/dpa | Bodo Schackow

Was bedeutet Spielen?

Seit 2019 wird am Konzept für das Spieleerlebnis gefeilt. Die Besucher sollen zu Spielhelden – oder vielmehr: zu Spielheldinnen – werden und können in die Rollen von vier verschiedenen Charakteren schlüpfen, mit denen das Yosephinum erkundet werden kann. Angelehnt sind die an die vier Töchter des Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg, der dieses Gebäude einst erbauen ließ.

"Wir haben 20 Räume, die wir bespielen müssen. Und die wir so bespielen müssen, dass der Besucher hier reinkommt, ein Erlebnis mitnimmt und nicht überfrachtet wird und trotzdem aber die Kraft des Spielens erfährt", erklärt Sebastian Hübsch vom Architekturbüro Holzer/Kobler, der eng in die Konzeptentwicklung eingebunden ist.

Yosephinum Altenburg Illustration Südansicht.
Das historische Palazzo soll um einen modernen Anbau erweitert werden. Bildrechte: Stadt Altenburg

Es gibt keine Vorbildprojekte, weder bundesweit noch international, an denen man sich orientieren könnte. Das Yosephinum soll schließlich weder ein Museum noch eine Art Indoor-Spielplatz werden: "Man hat eine Vermittlungsaufgabe, man soll den Leuten einen Mehrwert mitgeben. Es ist keine stumpfe Unterhaltung", sagt Hübsch. Die Besucher sollen das Miteinander erleben und sich die Frage stellen, was Spielen bedeutet. "Wenn man das nicht will, kann man auch einfach spielen. Das geht auch. Aber im Großen und Ganzen geht es um das Erleben des Spiels."

Game-Design und Wissenschaft

Historisch-wissenschaftliche Räume soll es im künftigen Yosephinum genauso geben wie Räume, in denen die Vermittlung auf künstlerische Art und Weise funktioniert. Neben Räumen zum Ausprobieren von Brettspielen und Computerspielen sollen Themenräume zu Rollenspielen anregen. Aufgrund dieser Fülle an Angeboten arbeiten nun ganz verschiedene Akteure am Ausstellungskonzept: Game-Designer, Spiele-Entwicklerinnen und Wissenschaftler. Auch einige große Spielehersteller sind mit im Boot.

Personengruppe in einer Halle mit Säulen.
Ein Blick in den neoklassizistischen Bau. Bildrechte: Mareike Wiemann

Das Ganze ist ein ambitioniertes Vorhaben, an das sich in Altenburg große Hoffnungen knüpfen. Mit bis zu 75.000 Besuchern rechnet man im Jahr, die im besten Fall auch nicht nur für einen Tag anreisen, sondern länger in der Stadt bleiben.

Auf Landesebene fördert deswegen das Wirtschaftsministerium das Projekt. "In dem Punkt ist das Yosephinum dann auch ein Schlüsselprojekt [...] und passt sich auch hervorragend in die regionale Tourismusstrategie ein. Und auch das ist ja wieder Wirtschaftskraft, die entsteht", erklärt Ministerin Colette Boos-John.

Eine Frau
Die thüringische Wirtschaftsministerin Colette Boos-John erhofft sich neue Wirtschaftskraft vom Projekt. Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Das Yosephinum ist nicht die einzige Baustelle in Altenburg: Direkt schräg gegenüber wird ein weiteres historisches Gebäude saniert. Im sogenannten "Ernestinum" soll eine soziokulturelle Bibliothek entstehen und wer einmal quer durch die Innenstadt läuft, kommt am Schlossberg heraus, wo das Lindenau-Museum Ende 2027 neu eröffnet werden soll. Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann hofft, dass diese kulturelle Achse das Zentrum zukunftstauglich machen wird – erst einmal aber müssen die Bagger anrollen.

Redaktionelle Bearbeitung: tis

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Februar 2025 | 06:20 Uhr

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