Ein Mann mit brauen Augen und Drei-Tage-Bart schaut lächelnd in die Kamera.
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Rede abgesagt Omri Boehm spricht doch nicht bei Buchenwald-Gedenken

03. April 2025, 04:25 Uhr

Die Rede des deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm zum 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora wird verschoben. Grund ist ein Konflikt mit der israelischen Regierung. Die Gedenkstättenstiftung will damit Überlebende schützen.

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hat die geplante Rede des deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm bei der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora verschoben. Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner erklärte, die Entscheidung sei nach einem Gespräch mit Boehm getroffen worden, um einen sich abzeichnenden Konflikt mit der israelischen Regierung zu vermeiden.

Schutz der Überlebenden als Priorität

Wagner betonte, dass es das oberste Ziel sei, die Überlebenden nicht in eine politische Debatte hineinzuziehen. "Schlimmer noch: Die vielfach seelisch verletzten Überlebenden drohten instrumentalisiert und noch weiter in diesen Konflikt hineingezogen zu werden", sagte er. Die Stiftung wolle eine würdige Gedenkveranstaltung gewährleisten, in der die Überlebenden im Mittelpunkt stehen.

Bei ZEIT Online sagte Wagner, die Gedenkstätte habe Boehm eingeladen, weil man sich von ihm "auf hohem Reflexionsniveau ethisch fundierte Gedanken zum Verhältnis von Geschichte und Erinnerung, insbesondere zum Wert der universellen Menschenrechte und ihrer Bedeutung mit Blick auf die NS-Verbrechen" versprochen habe.

Kritik aus der israelischen Botschaft

Die israelische Botschaft in Berlin hatte scharf auf Boehms Einladung reagiert. In einem Beitrag auf X bezeichnete sie dies als "eklatante Beleidigung des Gedenkens an die Opfer". Die Botschaft warf Boehm vor, den Holocaust zu relativieren, indem er den Völkermord an den europäischen Juden mit der Nakba verglichen habe, die Vertreibung und Flucht der Palästinenser im britischen Mandatsgebiet Palästina und im entstehenden Staat Israel in den 1940-er Jahren.

Wagner verteidigt Boehm als Brückenbauer

Gedenkstättenleiter Wagner hob hingegen die fachliche Kompetenz des Philosophen hervor. Boehm sei ein international anerkannter Denker und Brückenbauer, dessen Arbeit sich mit ethischen Fragen des Erinnerns und der Bedeutung der universellen Menschenrechte beschäftige. Boehm wurde 2024 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

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Am Mittwoch wurde der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm im Leipziger Gewandhaus mit der bedeutenden Auszeichnung geehrt. Katja Weise stellt den Autor, seine Gedanken und sein Buch "Radikaler Universalismus" vor.

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Rede soll zu späterem Zeitpunkt nachgeholt werden

Omri Boehm, der in New York lehrt und als Kritiker der israelischen Regierung gilt, hat sich bislang nicht zu der Absage geäußert. Laut dem Magazin "Spiegel" wird seine Rede zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

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MDR (dkn)/ epd, kna, dpa

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