Pharmabranche Höhere Preise für Medikamente erwartet – durch US-Zölle oder Investitionen hierzulande
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04. April 2025, 16:46 Uhr
Noch sind Arzneimittel von den neuen US-Zöllen nicht direkt betroffen, indirekt aber duchaus. Die deutsche Pharmabranche erwartet darum auch steigende Preise in Deutschland, entweder durch die US-Zollpolitik selbst oder durch eine "Strategie der Desensibilisierung" mit mehr Produktion hier.
- Pharmabranche: Teurer muss es auf jeden Fall werden
- Auch eine Abkopplung von den USA würde viel Geld kosten
Nach neuen Zoll-Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump hat die ostdeutsche Pharmabranche sich besorgt geäußert. Der für Ostdeutschland zuständige Vertreter des Pharmaverbands Deutschland, Andreas Eberhorn, sagte bei MDR AKTUELL, Arzneimittel seien zwar momentan noch nicht direkt davon betroffen, aber Vorprodukte, Hilfsstoffe und Verpackungen.
"Bisher wissen wir nur, dass die Ausnahme ja erstmal vorläufig ist", sagte Eberhorn. Die Richtung sei jedoch, dass die Versorgung mit Arzneimitteln, Gesundheits- oder Medizintechnikprodukten "so oder so teurer" werde. Da gebe es aber zwei Optionen, "dass wir die Sicherheit der Versorgung für uns in Deutschland in die eigene Hand nehmen" oder die Produkte wegen der US-Zölle teurer würden. Er halte die erste Variante für besser, meinte Eberhorn. Arbeitsplätze sind aus seiner Sicht in Deutschland vorerst nicht bedroht.
Auch "Strategie der Desensibilisierung" kostet
Ähnlich hatte sich zuvor auch Dorothee Brakmann, die Chefin des Verbands geäußert: "Diese Zölle und die erwarteten Gegenmaßnahmen der EU werden zu deutlich höheren Preisen und einer mindestens vorübergehend erheblich schlechteren Verfügbarkeit von Therapien führen." Auch Herstellungskosten könnten deutlich steigen, was zu Produktionsverlagerungen führen könne.
Mehr denn je komme es also darauf an, die Versorgung mit Arzneimitteln gegen die Zölle und die Politik von US-Präsident Donald Trump zu "desensibilisieren". Das bedeutet Lieferketten zu diversifizieren, mehr Produktion nach Europa zu holen und Abhängigkeiten zu reduzieren.
Damit sei aber auch schon klar: "Es geht nicht mehr darum, ob die Arzneimittelversorgung in Zukunft teurer wird, sondern um das Warum", sagte Brakmann. Europa könne in resilientere Arzneimittelversorgung investieren oder "in einen sinnlosen Handelskrieg mit den USA". Deren Markt ist auch für die deutsche Pharma-Industrie wichtig. Sie hatte zuletzt Waren für jährlich etwa 6,5 Milliarden Euro dorthin geliefert.
Der Pharma Deutschland e.V. vertritt nach eigenen Angaben rund 400 Unternehmen in ganz Deutschland mit rund 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die fast 80 Prozent der in Apotheken verkauften rezeptfreien und fast zwei Drittel der rezeptpflichtigen Arzneimittel herstellen.
MDR AKTUELL (ksc), ots
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 04. April 2025 | 12:18 Uhr
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