Schweißgebadet versucht eine ältere Frau tropische Hitze zu ertragen
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Wissen-News Klimakatastrophe könnte ein Drittel der Erde für Menschen über 60 unbewohnbar machen

04. Februar 2025, 16:55 Uhr

Sollte die Erde sich weiter erwärmen und die Temperatur auf zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau steigen, könnte eine Fläche von der Größe der USA für den Menschen unbewohnbar werden. Für Ältere wäre deutlich weniger Platz.

1,5 Grad Celsius: Das ist der neuralgische Wert für die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, der unbedingt verhindert werden soll. Doch Vorhersagen deuten darauf hin, dass dieser Wert Mitte oder Ende dieses Jahrhunderts überschritten wird und wir mehr als 2 Grad Celsius erreichen. Die Auswirkungen wären auch für uns Menschen schwerwiegend. Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat berechnet, wie viele Teile des Planeten für den Menschen unbewohnbar wären, selbst für junge und gesunde zwischen 18 und 60 Jahren. Das Ergebnis: der Anteil der Landmasse, in der wir unsere Körperkerntemperatur bei den Hitzewellen der Zukunft nicht mehr sicher halten könnten, würde sich verdreifachen – auf sechs Prozent, was in etwa der Fläche der USA entspricht.

Deutliche Veränderung des Hitzetodrisikos

Für Personen über 60 wären es gar 35 Prozent der Fläche, also über ein Drittel. Tom Matthews vom King’s College in London, Erstautor der Studie, sagt: "Unsere Ergebnisse zeigen die potenziell tödlichen Folgen, wenn die globale Erwärmung 2 Grad erreicht. Unüberwindbare Hitzeschwellen, die bisher nur bei älteren Erwachsenen in den heißesten Regionen der Erde kurzzeitig überschritten wurden, werden wahrscheinlich auch bei jüngeren Erwachsenen auftreten. Unter solchen Bedingungen würde ein längerer Aufenthalt im Freien – selbst bei Personen, die sich im Schatten aufhalten, einer starken Brise ausgesetzt und gut hydriert sind – voraussichtlich zu einem tödlichen Hitzschlag führen. Dies stellt eine deutliche Veränderung des Hitzetodrisikos dar."

Unüberlebbare Zustände drohen

Für ihre Vorhersage unterschieden die Wissenschaftler zwischen "nicht kompensierbaren" und "nicht überlebensfähigen" Schwellenwerten. Bei ersterem steigt die Körperkerntemperatur unkontrollierbar an, bei letzterem übertrifft sie 42 Grad Celsius binnen sechs Stunden. Während die nicht kompensierbaren Schwellenwerte für alle Altersgruppen überschritten wurden, wurden die nicht überlebensfähigen Schwellenwerte für ältere Erwachsene bisher nur kurz überschritten. Doch das werde sich dramatisch ändern, wenn die Erderwärmung weiter fortschreitet.

Schon jetzt sind bestimmte Regionen stärker gefährdet, die kritischen Schwellenwerte für nicht kompensierbare und nicht überlebensfähige Hitze zu überschreiten, wobei die Menschen in der Sahara und in Südasien am stärksten betroffen sind.

Zugang zu kühleren Umgebungen weltweit notwendig

Bereits seit dem Jahr 2000 sind bei Hitzeereignissen weltweit mehr als 260.000 Menschen verstorben, so die Forscher. "Interdisziplinäre Arbeit ist von entscheidender Bedeutung für ein besseres Verständnis des tödlichen Potenzials noch nie dagewesener Hitze und für die Frage, wie sie reduziert werden kann. Da in immer mehr Teilen der Erde Außenbedingungen herrschen, die für unsere Physiologie zu heiß sind, müssen die Menschen unbedingt einen zuverlässigen Zugang zu kühleren Umgebungen haben, um sich vor der Hitze zu schützen", sagt Matthews.

Sollte die Erderwärmung sogar noch weiter fortschreiten und etwa vier Grad übertreffen, wären etwa 40 Prozent der weltweiten Landfläche von unerträglicher Hitze betroffen, wobei nur die hohen Breiten und die kühleren Regionen der mittleren Breiten unberührt blieben.

Link zur Studie

Die Untersuchung "Mortality impacts of the most extreme heat events" ist in "Nature Reviews Earth & Environment" publiziert wurden.

pm/jar

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 04. Februar 2025 | 13:17 Uhr

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