
Verhaltensforschung Alkohol macht Männer attraktiver – bei Fliegen
Hauptinhalt
03. April 2025, 13:43 Uhr
Alkohol kann bei Tieren zu ungewöhnlichen Reaktionen führen. Bei Fruchtfliegen erhöht er den Paarungserfolg der Männchen – wenn sie das richtige Maß finden. Das haben Forschende aus Jena nachgewiesen.
Fruchtfliegen im Haushalt sind meist nervig. Fruchtfliegen im Labor sind ein Segen für die Wissenschaft. Die deutsche Wissenschaftlerin Christiane Nüsslein-Volhard bekam 1995 sogar einen Nobelpreis für ihre Forschung mit den kleinen Insekten. Biologie, Genetik, Erforschung von Krankheiten – kaum ein Bereich kommt ohne die Fruchtfliege aus, denn sie ein Modellorganismus. Aus der Erforschung der Fruchtfliege können wir viel über den Menschen lernen, denn wir teilen mehr als die Hälfte der Gene. Leipziger Forschende zum Beispiel rekonstruierten im vergangenen Jahr erstmals den Aufbau des Fruchtfliegen-Hirns. Dank Fruchtfliegen wissen wir, wie die innere Uhr den Fettstoffwechsel steuert. Forschende aus Jena haben nun herausgefunden, warum männliche Fliegen von Alkohol angezogen werden.
Alkohol mach Essigfliegen attraktiver
Anders als bei Menschen, wo es immer noch den Irrglauben gibt, man könne sich Dinge oder Personen schöntrinken (mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass Alkohol in jeder Menge ungesund ist), gibt es bei Fruchtfliegen jetzt einen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Alkohol und Attraktivität. Ausgangspunkt für das Forschungsteam am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena war die Frage, warum die Schwarzbäuchige Taufliege Drosophila melanogaster – auch bekannt als Most- oder Essigfliege – Alkohol trinkt. Die überraschende Antwort: Der Konsum von Alkohol wirkt sich direkt und positiv auf den Paarungserfolg männlicher Fliegen aus. Die Forscher konnten auch die Ursache klären. Der Alkoholkonsum führte bei den männlichen Fliegen zu einer verstärkten Produktion von Sexualhormonen.
Sie können einschätzen, wann es zu viel ist
"Dies wiederum macht alkoholisierte Männchen attraktiver für Weibchen und sorgt für eine höhere Erfolgsrate bei der Paarung, während der Erfolg betrunkener Männer bei Frauen eher fragwürdig sein dürfte," fasst Erstautor Ian Keesey die Ergebnisse in einer Mitteilung des Instituts zusammen. Männliche Fruchtfliegen-Singles wurden sogar besonders stark von Alkohol angezogen. Das konnten die Forschenden bei der Untersuchung der Signalverarbeitung im Gehirn der Fliegen nachweisen. "Das Besondere an unseren Ergebnissen ist, dass wir nicht nur einen, sondern gleich drei neuronale Schaltkreise gefunden haben", erklärt Keesey. Das versetze die Fliegen in die Lage, abzuschätzen, wie viel Alkohol noch attraktiv ist und ab wann er abstoßend wirkt.
"Dass verschiedene neuronale Bahnen mit entgegengesetzter Valenz für denselben Geruch kombiniert werden, um Anziehung und Abneigung basierend auf dem physiologischen Zustand auszugleichen, ist eine Seltenheit", sagt Keesey, der mittlerweile Assistant Professor an der University of Nebraska in Lincoln ist.
Links/Studien
Die Studie " Neuroecology of alcohol risk and reward: methanol boosts pheromones and courtship success in Drosophila melanogaster" ist in Science Advances erscheinen.
gp/pm
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 03. April 2025 | 15:40 Uhr
Not Found
The requested URL /api/v1/talk/includes/html/602322e6-4b13-4e67-aa84-39548359d62c was not found on this server.