
Medizin Spätaufsteher neigen zu ungesundem Lebensstil und Diabetes
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13. September 2023, 12:00 Uhr
Sie sind bekannt als Eulen und Lerchen – die Chronotypen der inneren Uhr. Wie Forschende in einer US-Studie jetzt herausfanden, haben Spätaufsteher eher das Risiko, an Diabetes zu erkranken.
Die einen scharren schon früh um sechs mit den Füßen und können kaum erwarten, dass der Tag beginnt. Für die anderen ist es schon Körperverletzung, wenn der Wecker um acht Uhr klingelt. Die genetische Disposition der inneren Uhr für ein frühes oder spätes Aufstehen kann sehr verschieden sein. Forschende sprechen hier auch von Chronotypen oder sogenannten zirkadianen Präferenzen. Frühes oder spätes Aufstehen begründet sich also nicht nur in "seniler Bettflucht" oder "Faulheit", sondern kann schlichtweg auf die innere Uhr und ihr genetisches Konstrukt zurückzuführen sein. Darin ist sich die Wissenschaft, die sogenannte Chronobiologie, seit Jahren einig. Die innere Uhr legt, vereinfacht gesagt, die zeitlichen Abläufe für wichtige Vorgänge im Körper fest und steuert beispielsweise, wann Proteine abgebaut oder Hormone ausgeschüttet werden.
Rauchen und wenig Schlaf bei Spätaufstehern
Ein internationales Forschungsteam hat jetzt herausgefunden, dass abendliche Chronotypen eher gesundheitsschädlich leben als morgendliche. Laut der US-Studie des "Brigham and Women's Hospital" und der "Harvard Medical School" in den USA neigen Spätaufsteher eher zu ungesunden Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Schlafmangel und Bewegungsmangel und haben auch ein höheres Diabetesrisiko als Frühaufsteher. Allerdings, so schreiben die Autoren, können die Ergebnisse auch vom Beruf, der Bildung und vom sozioökonomischen Status beeinflusst sein. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Annals of Internal Medicine veröffentlicht".
Für die Studie untersuchten die Forschenden die Daten von mehr als 63 000 Krankenschwestern im Alter von 45 bis 62 Jahren, die keine Vorgeschichte von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes hatten. Die Daten der Kohortenstudie stammen aus den Jahren 2009 bis 2017. Dabei fiel ihnen auf: Die etwa acht Prozent der Pflegenden, die später ins Bett ging, wies eine schlechtere Stoffwechselregulierung, Stoffwechselstörungen, eine gestörte Blutzuckerkontrolle sowie ein höheres Risiko für Diabestes-Diagnosen auf.
Demnach haben Spätaufsteher eine 54 prozentig höhere Wahrscheinlichkeit, einen ungesunden Lebensstil zu führen als die Menschen, die früher ins Bett gehen und früher aufstehen. Personen mit einem "eindeutig abendlichen" Chronotyp hatten auch im Nachbeobachtungszeitraum ein 72 Prozent höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken als die Pflegenden mit einem "eindeutig morgendlichen" Chronotyp. Wie die Autoren berichten, schwächte sich dieser Zusammenhang ab, blieb aber auch nach Anpassung an alle gemessenen Lebensstil- und soziodemografischen Faktoren bestehen. "Die Gründe für den beobachteten Zusammenhang zwischen dem abendlichen Chronotyp und dem erhöhten Diabetesrisiko sind jedoch nicht genau bekannt", erklärten die Forschenden.
Weitere Studien müssen folgen
Den Wissenschaftlern zufolge beschränken sich die Ergebnisse der Studie nur auf Frauen, die in der vergangenen Zeit keine Nachtschichten gearbeitet hatten. Für eine Bestätigung der Ergebnisse müssten in weiteren Untersuchungen auch Männer sowie nicht-weiße Gruppen und Menschen aus anderen sozioökonomischen Schichten betrachtet werden. "Darüber hinaus könnten die Unterschiede zwischen den Generationen in Bezug auf Ernährung, Bewegung und Körpergewicht die Anwendbarkeit der Ergebnisse auf jüngere oder ältere Generationen oder die heutige Zeit einschränken", schreiben die Wissenschaftler.
Welche Rolle spielt eine Fehlanpassung der inneren Uhr?
In einem Begleitartikel weisen sie zudem darauf hin, dass die Ergebnisse auch durch psychologische Faktoren, die Art der Arbeit und eine Fehlanpassung an den zirkadianen Rhythmus – also die innere Uhr – verfälscht worden sein können. Gehen Frühaufsteher durch ihre Arbeitszeiten (beispielsweise Spätschichten) also immer sehr spät ins Bett und stehen demzufolge auch später auf, oder müssen Spätaufsteher durch ihren Job immer um fünf Uhr aus den Federn, kann dies zu gesundheitlichen Folgen führen. Die Wissenschaftler fügen hinzu: "In diesem Fall kann eine Fehlanpassung des zirkadianen Rhythmus' aufgrund einer Diskrepanz zwischen Chronotyp und Arbeitszeiten und nicht der Chronotyp ein möglicher Grund für diese Ergebnisse sein."
Instrumente für Analyse der Chronotypen
Laut den Wissenschaftlern sei die Studie - neben vielen anderen Analysen – ein Beleg dafür, dass die Umstellung von Arbeitnehmern mit Abendchronotyp auf Nachtschichten den Schlaf von Schichtarbeitern und ihre metabolische Gesundheit verbessern kann. Zudem sei es hilfreich, standardisierte Instrumente zu entwickeln, um den Chronotyp der Menschen zu analysieren.
Links/Studien
Originalstudie: https://www.acpjournals.org/doi/10.7326/M23-0728
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