Deutschland, Frankreich und Polen Gemeinsam gegen Desinformation und russische Troll-Angriffe

12. Februar 2024, 22:10 Uhr

Von russischen Troll-Kampagnen und Cyberattacken sind Deutschland, Frankreich und Polen gleichermaßen betroffen. Gemeinsam sagen die drei Länder Moskau nun den Kampf an.

Deutschland, Frankreich und Polen wollen gemeinsam gegen russische Desinformation und Cyberattacken vorgehen. Vereinbart worden sei ein gemeinsamer Warnmechanismus der drei Länder gegen russische Troll-Angriffe, sagte Frankreichs Außenminister Stéphane Séjourné nach einem Treffen mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und seinem polnischen Kollegen Radoslaw Sikorski.

Knapp 200 gefälschte Nachrichtenseiten aufgespürt

Die drei Länder seien Opfer der gleichen russischen Destabilisierungsstrategie geworden und wollten sich gemeinsam wehren, hieß es. Insbesondere die Europawahlen und die Olympischen Spiele in Paris seien mögliche nächste Ziele solcher Attacken. "Russland versucht, die europäische Geschlossenheit zu zerstören", sagte Séjourné nach dem Treffen des sogenannten Weimarer Dreiecks. So seien knapp 200 gefälschte Nachrichtenseiten aufgespürt worden. Diese Instrumente der Desinformation wolle man künftig transparent offenlegen. "Wir sind bereit zu handeln, um unsere Demokratie zu verteidigen."

Stilisierte Bilder von einem Panzer, einem Soldaten, einer Rednerin am Pult sowie ein Handy mit dem TikTok-Logo zeigen die Vielfalt der Beteiligten, die Botschaften über Social Media vermitteln.
Von authentischen und berührenden Einblicken in den Kriegsalltag bis hin zu Propaganda und Fake News: Mit Beginn des Krieges in der Ukraine wurde TikTok zu WarTok und viele Beteiligte versuchen, ihre Botschaften zu verbreiten. Bildrechte: MDR MEDIEN360G

Das Weimarer Dreieck war 1991 als Gesprächsformat von den damaligen Außenministern der drei Länder in Weimar begründet worden. Ein Ziel des Treffens am Montag war auch, die außenpolitische Zusammenarbeit Frankreichs und Deutschlands mit der neuen polnischen proeuropäischen Regierung von Regierungschef Donald Tusk wieder anzukurbeln.

"Wir treffen uns in einem dramatischen Moment, denn wir haben wieder Krieg in Europa, wir haben wieder einen Diktator, der sich selbst das Recht gegeben hat, zu entscheiden, wer ein Volk sein darf und wer nicht", sagte Polens Außenminister Sikorski. Russlands Präsident Wladimir Putin versuche mit Lügen und Demagogie, die Ukraine zu unterwerfen und die EU und die Nato zu zerschlagen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Putin diesen Krieg gewinnt", sagte Sikorski. "Wir müssen unsere Verpflichtungen gegenüber der Ukraine erfüllen."

Bessere Zusammenarbeit bei der Verteidigung

Bei dem Dreier-Treffen ging es auch um eine Stärkung der Verteidigungs- und Sicherheitsarchitektur in Europa, auch angesichts eines möglichen Wahlsiegs von Donald Trump in den USA. Es müssten in der EU nicht nur 27 unterschiedliche nationale Systeme besser miteinander verzahnt werden, sagte Baerbock.

In Zukunft müssten bei der Verteidigung die gemeinsame Beschaffung und gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht und die Einsatzfähigkeiten stärker als bisher gebündelt werden, ergänzte Baerbock vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. "Wenn Putin glaubt, die Kräfte schwinden und unsere Unterstützung lässt nach, hat er sich maximal getäuscht", betonte Baerbock.

Die Europäer ständen seit zwei Jahren an der Seite der Ukraine und würden dies so lange wie nötig auch weiter tun, sagte die Außenministerin. Auch die Frage, wie die Unterstützung der Ukraine noch schlagkräftiger werden könne, hänge davon ab, wie eng Frankreich, Polen und Deutschland in den nächsten Monaten und, wenn es darauf ankomme, auch in den nächsten Jahren gemeinsam militärisch agierten.

dpa (ewi)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Februar 2024 | 20:45 Uhr

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