
Reproduktionsmedizin Künstliche Befruchtung - was in Osteuropa erlaubt ist
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25. Juli 2018, 17:07 Uhr
In Deutschland sind die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin eingeschränkt. Viele Paare mit Kinderwunsch zieht es deshalb ins Ausland, zum Beispiel nach Osteuropa. Die Gesetzgebung ist dort liberaler und die Kosten für die Behandlung niedriger.
Das kleine Mädchen, nennen wir es Anna, hat drei Mütter. Ausgetragen hat sie eine indische Leihmutter, die Eizelle stammt von einer Russin, ihre soziale Mutter ist jedoch eine Deutsche. Möglich ist das wegen der liberalen Reproduktionspolitik in Russland, wo Anna gezeugt wurde. Doch auch in anderen osteuropäischen Ländern erlauben die Gesetze weitaus mehr als in Deutschland.
Tschechien - das Kinderwunsch-Land
Die Reproduktionsmedizin in Tschechien lässt vieles zu, was in Deutschland untersagt ist - zum Beispiel Eizellenspende. Deshalb lassen sich dort viele Paare aus Deutschland, aber auch aus der ganzen EU, behandeln. Mittlerweile ist daraus eine richtige "Befruchtungs-Industrie" entstanden. Ein Dutzend Kliniken hat sich darauf spezialisiert, so sind zum Beispiel die Internetpräsenzen auf deutsch- und englischsprachige Kunden ausgerichtet. Der Marktführer im Land ist die Firma FutureLife, die mehrere Kliniken betreibt. Sie strebt das Monopol in ganz Europa an.
Ist Eizellenspende erlaubt? | Wie viele befruchtete Eizellen dürfen maximal eingesetzt werden? | Ist Leihmutterschaft erlaubt? | |
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Deutschland | Nein | 3 | Nein |
Tschechien | Ja | Keine gesetzliche Vorgabe, Ärzte entscheiden nach Stand der Wissenschaft. | Nein |
Polen | Ja | 6, in Ausnahmefällen auch mehr | Gesetzlich nicht geregelt. |
Russland | Ja, die Spender müssen zwischen 18 und 35 Jahre sowie gesund sein. | 2, mit Ausnahme auch 3 | Ja, Leihmütter müssen u.a. zwischen 20 und 35 sein und ein eigenes gesundes Kind haben. |
Rumänien | Ja, die Eizellenspende ist laut Gesetz erlaubt, muss aber kostenlos sein. | 2-4 | Gesetzlich nicht geregelt. |
Polen - das Land plant striktere Gesetzgebung
Leihmutterschaft und Eizellspende sind in Polen erlaubt, die Regelungen zur künstlichen Befruchtung sind damit liberaler als in Deutschland. Deshalb zieht es auch viele deutsche Paare zur Behandlung nach Polen. Die Preise sind zudem günstiger als in Deutschland. Die Regelungen gehen auf das In-Vitro-Gesetz zurück, das 2015 nach jahrelangem Streit unter dem damaligen Präsidenten Bronislaw Komorowski der liberal-konservativen PO verabschiedet wurde.
Zahlreiche Vertreter der einflussreichen katholischen Kirche sowie Politker sehen künstliche Befruchtung als Eingriff in die Schöpfung und befürworten eine striktere Gesetzgebung. Die PiS-Regierung arbeitet derzeit an einem neuen Gesetzesentwurf. Vorgesehen ist, dass Paare künftig verheiratet sein müssen und die Frauen ein Höchstalter nicht überschreiten dürfen. Durch die konservativen Stimmen im Land fühlen sich viele Paare diskriminiert und wählen eine Behandlung im benachbarten Tschechien. Zudem ist es dort billiger.
Muss das Paar verheiratet sein? | Gibt es ein Höchstalter für die Frau? | Ist Präimplantations-Diagnostik erlaubt? | |
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Deutschland | Nein | Nein, jedoch bekommen Frauen ab 40 keinen Zuschuss der Krankenkasse. | Mit Ausnahme, wenn Erbkrankheiten ausgeschlossen werden sollen. |
Tschechien | Nein, Behandlung gibt es jedoch nur für heterosexuelle Paare. | Ja, 48 Jahre. | Mit Ausnahme, wenn Erbkrankheiten ausgeschlossen werden sollen. |
Polen | Nein, bei unverheirateten Paaren muss sich der Mann per Gesetz zum Vater erklären lassen. | Nein | Mit Ausnahme, wenn Erbkrankheiten ausgeschlossen werden sollen. |
Russland | Nein | Nein. Ab 35 Jahren muss die Frau jedoch zusätzliche medizinische Untersuchungen machen. | Mit Ausnahme, wenn Erbkrankheiten ausgeschlossen werden sollen. |
Rumänien | Nein | Nein, aus ethischer Perspektive wird jedoch 50 Jahre diskutiert. | Mit Ausnahme, wenn Erbkrankheiten ausgeschlossen werden sollen. |
Russland - Land der Leihmütter
Russland zählt in Europa zu einem der Länder, in dem die meisten künstlichen Befruchtungen durchgeführt werden. Außerdem gilt es neben der Ukraine und den USA weltweit als einer der größten Märkte für Leihmutterschaft. Auch deutsche Paare nutzen diese Möglichkeit, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Es gibt jedoch keine statistischen Zahlen darüber, wie viele solcher Kinder in Deutschland leben. Außerdem ist es in Deutschland illegal, eine Leihmutterschaft auch im Ausland in Anspruch zu nehmen. Problematisch wird das dann, wenn das Baby nach Deutschland gebracht werden soll. Denn Deutschland erkennt die Kinder nicht als Deutsche an, sie bekommen keinen deutschen Pass.
Rumänien - kaum gesetzliche Regelungen
In Rumänien sind Eizellenspenden erlaubt - vorausgesetzt, die Spenderin erhält dafür kein Geld. Die Realität ist in den meisten Fällen eine völlig andere. Viele Spenderinnen lassen sich nicht aus altruistischen Gründen auf den hormonellen, risikoreichen Eingriff ein, sondern aus finanziellen. Das Internet ist voller Anzeigen von Mittzwanzigerinnen, die ihre Eizellen für eine Summe von bis zu 2.000 Euro anbieten - das Dreifache eines monatlichen Durchschnittslohnes im Land.
Im Juni erklärte der rumänische Gesundheitsminister Sorina Pintea, dass die Gesetzgebung zur künstlichen Befruchtung von Grund auf neu gefasst werden müsse, da Rumänien eines der wenigen Länder in der EU sei, das keine klaren Bestimmungen in diesem Bereich habe. Mehrere Gesetzprojekte sind im rumänischen Parlament in den vergangenen Jahren gescheitert. Damit gilt in der Regel in Rumänien bislang für diesen Bereich, was nicht gesetzlich verboten ist, ist automatisch erlaubt.
Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR aktuell | 02.07.2018 | 17:45 Uhr.