Starke Schäden am Dach und Fassade nach Hausbrand. 2 min
Zum Anhören: Ein Jahr nach dem verheerenden Brand hat sich einiges getan am und im Haus von Familie Zorn aus Niedersyndersteht. Ende Mai will die Familie wieder einziehen. Bildrechte: Anke Zorn
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Es war eine traurige Nacht für eine Familie in Niedersynderstedt im Weimarer Land: Vor einem Jahr ist ihr Haus abgebrannt. Wie es der Familie heute geht, und wie der Brand den Ort verändert hat, hören Sie im Audio.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 04.04.2025 18:00Uhr 01:48 min

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Brand Ein Jahr nach dem Feuer: Familie in Niedersynderstedt kann wieder in ihr Haus einziehen

05. April 2025, 05:00 Uhr

Vor einem Jahr zerstörte ein Brand das Haus von Familie Zorn in Niedersynderstedt. Nun steht das Gebäude wieder. Wie die Familie die verheerende Nacht erlebte - und wie das Feuer auch das ganze Dorf veränderte.

Die Nacht auf den 26. März 2024 wird Familie Zorn aus Niedersynderstedt im Weimarer Land ein Leben lang nicht vergessen. In dieser Nacht haben das Ehepaar und die beiden Söhne ihr Haus verloren.

Ein Jahr danach steht das Gebäude wieder. In ein paar Wochen können die Zorns wieder einziehen. Hinter ihnen liegen zwölf Monate voller Höhen aber auch Tiefen.

Das Nebengebäude im Hof brannte und dann ging alles sehr schnell.

Peter Zorn Hausbesitzer

Ein komisches Gefühl hatte ihn geweckt, berichtet Peter Zorn. Es war halb eins in der Nacht, als er vor dem Fenster einen Lichtschein sah. "Das Nebengebäude im Hof brannte und dann ging alles sehr schnell." Der Wind trieb die Flammen in Richtung Wohnhaus und die Hitze brachte ein Fenster zum Bersten.

Feuerwehrleute löschen ein brennendes Wohnhaus.
Bilder aus der verheerenden Nacht: Am 26. März 2024 brannte das Haus von Familie Zorn lichterloh. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Giftiger Qualm zog ins Gebäude. Die Flammen haben sich in die Zwischendecken und oberen Etagen gefressen. Die vierköpfige Familie konnte nur noch sich selbst, keine Wertsachen retten. "Innerhalb von Minuten war das Haus völlig verqualmt. Zum Glück war die Feuerwehr aus Magdala schnell vor Ort."

Familie verliert Haus bei Brand - Dorfgemeinschaft hält zusammen

Nur in Schlafanzügen bekleidet standen die vier Zorns vor ihrem Haus. Das Thermometer zeigte minus vier Grad. Es war so kalt, dass das Löschwasser gefror.

"Die Nachbarn haben unheimlich schnell reagiert. Der halbe Ort kam angerannt und hat uns Kleidung gebracht." Das Netzwerk im Dorf hat funktioniert. Der örtliche Imbissbetreiber hat die Feuerwehrleute mit warmen Getränken und Essen versorgt.

Die Nachbarn haben unheimlich schnell reagiert. Der halbe Ort kam angerannt und hat uns Kleidung gebracht.

Peter Zorn Hausbesitzer

Nachbarn boten der Familie Obhut an. Doch an Ruhe war nicht zu denken. Bis 9 Uhr morgens haben die Löscharbeiten gedauert. Dann war klar: Das Nebengebäude war verloren und auch die oberen Stockwerke des Wohnhauses. In der unteren Etage haben Löschwasser und Schaum Möbel und Kleidung zerstört.

Starke Schäden am Dach und Fassade nach Hausbrand.
Das Nebengebäude ist völlig ausgebrannt. Im Wohnhaus der Zorns konnte nur die untere Etage stehen bleiben, die oberen Stockwerke mussten abgerissen werden. Bildrechte: Anke Zorn

"Den Feuerwehrleuten ist es aber gelungen, unsere Papiere zu retten. Sie haben unser Arbeitszimmer ausfindig gemacht und sind in Vollmontur dort rein. Sie haben Unterlagen und auch Fotos rausgeholt. Die sind zwar nass geworden und auch ein bisschen angekohlt, aber noch zu gebrauchen", sagt Anke Zorn voller Dankbarkeit.

Was ich da erlebt habe, macht mir immer noch Gänsehaut.

Katjana Hesse Ortsteilbürgermeisterin

Die Stunden nach dem Brand haben sie "einfach nur funktioniert", berichten die Zorns, während im Ort Niedersynderstedt eine Welle an Hilfsbereitschaft angelaufen ist. "Gleich am nächsten Tag sind wir losgezogen und haben Geld gesammelt", berichtet Ortsteilbürgermeisterin Katjana Hesse.

"Und was ich da erlebt habe, macht mir immer noch Gänsehaut", berichtet Hesse. "Familien, von denen ich wusste, dass sie selbst nicht viel haben, waren bereit etwas zu geben. Es gab nicht einen Haushalt, der nicht gespendet hat."

Katjana Hesse
Ortsteilbürgermeisterin Katjana Hesse ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Niedersynderstedter. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt

Spendenaktion und Neuaufbau - Wiedereinzug Ende Mai möglich

Freunde der betroffenen Familie haben zudem eine Internet-Spendenaktion gestartet, und auch Nachbarorte waren kreativ. "In Magdala gab es ein Benefizcafé und ein anderer Ort hat beim Straßenfest eine Spendendose aufgestellt. Wir sind so dankbar." Danke - immer wieder sagen Peter und Anke Zorn dieses Wort. Nach wie vor sind sie sprachlos über all die Unterstützung.

Das Angebot, in eine möblierte Wohnung zu ziehen, kam ebenfalls aus der Nachbarschaft. "Natürlich haben wir das gern angenommen, nachdem wir kurz bei Verwandten untergekommen waren. Im Ort und nahe der Baustelle zu sein, hat uns sehr geholfen."

Wir waren ein Jahr im Stress und haben nur funktioniert.

Anke Zorn Hausbesitzerin

Wenige Wochen nach dem Brand begann der Abriss des Hauses. "Nur die untere Etage konnte stehen bleiben. Alles andere wurde neu aufgebaut. Die Versicherung übernimmt glücklicherweise einen Großteil der Kosten."

Peter Zorn ist froh, dass man sich auf dem Dorf sehr gut kennt. "Fast alle Handwerker, die hier zu tun hatten, waren Bekannte oder aus der Region. Das macht vieles einfacher und es geht schneller." So schnell, dass die Zorns voraussichtlich Ende Mai in ihr altes, neues Haus einziehen können.

Eine Frau und ein Mann stehen vor ihrer Haustür.
Anke und Peter Zorn vor ihrem Haus. Im Mai wollen sie wieder einziehen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die Freude ist groß, allerdings spielt auch Furcht ein bisschen mit. Denn realisiert haben die Zorns diesen Schicksalsschlag noch nicht. "Wir können nicht sagen, dass wir es schon verarbeitet haben. Wir waren ein Jahr im Stress und haben nur funktioniert." Anke Zorn hat die Bilder und Videos vom brennenden Haus erst ein Jahr später gesehen.

Erst jetzt hat sich sie überwunden. "Ich konnte es einfach nicht ertragen. So langsam sackt es. Aber es wird wohl erst richtig verarbeitet, wenn wir wieder zurückgezogen sind." Bis dahin gibt es noch etliches zu tun: Küche einbauen, Möbel aussuchen und Geschirr kaufen gehen. "Vieles ist bis heute nur geborgt. Wir richten uns völlig neu ein."

Eine Frau steht in einem leeren Zimmer.
Es gibt viel zu tun für Anke Zorn. Noch sind die Räume im neuen, alten Haus leer. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Brand hat das Dorf verändert: Neue Ortsfeuerwehr gegründet

Rauchmelder waren vorher schon im Haus. Selbstverständlich sind auch die wieder montiert. "Wir werden noch vorsichtiger sein, als davor. Wir werden Stecker ziehen und Akkus kontrollieren." Bis heute ist die Brandursache nicht vollständig geklärt. "Ein Kabel oder ein Akku - wir wissen es nicht. Das Feuer ging vom Nebengebäude aus."

Die Zorns wollen noch einmal Danke sagen: an alle 80 Feuerwehrleute im Einsatz, die vielen Helfer, Nachbarn, Geldgeber und auch wildfremden Menschen, die plötzlich im Hof standen und gespendet haben.

Ich bin stolz auf meinen Ort.

Katjana Hesse Ortsteilbürgermeisterin

Der Brand hat auch das Dorf verändert. "Er hat regelrecht zusammengeschweißt. Der Zusammenhalt ist noch größer geworden", sagt Ortsteilbürgermeisterin Hesse. Und es hat sich eine Freiwillige Feuerwehr gegründet.

22 Kameradinnen und Kameraden aus Niedersynderstedt und den umliegenden Orten haben die Ausbildung gemacht und bilden nun gemeinsam die Feuerwehr Synderstedter Tal.

"Es ist traurig, aber manchmal muss erst ein schlimmes Ereignis wach rütteln, bevor etwas richtig Gutes passiert. Ich bin stolz auf meinen Ort", sagt die Bürgermeisterin.

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MDR (cma/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 04. April 2025 | 18:00 Uhr

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