Bestattungswald Schladitzer See 3 min
Audio: Im Bestattungswald am Schladitzer See kann man sich unter einem Baum bestatten lassen. Bildrechte: MDR/Leonie Hauck
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MDR AKTUELL Fr 04.04.2025 15:36Uhr 02:56 min

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Alternative Bestattungsformen Der Wald als letzte Ruhestätte – ein Besuch im Bestattungswald am Schladitzer See

05. April 2025, 08:06 Uhr

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie Sie gerne bestattet werden möchten? Dazu wurde eine Umfrage im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Bestatter durchgeführt. Demnach wünschen sich 16 Prozent der Befragten eine Beisetzung im Bestattungswald. Über 200 solcher Wälder gibt es mittlerweile in Deutschland. So auch am Schladitzer See.

Kühl und windig ist es an diesem Dienstagmorgen. Trotzdem haben sich einige Menschen in dem Pavillion im Bestattungswald am Schladitzer See versammelt. Sie wollen sich über eine Beisetzung am Fuß der Bäume informieren. Alle Fragen beantwortet Außendienstmitarbeiterin Ute Siegner – wie jeden Dienstag. "Die Idee von alternativen Bestattungsformen, wie wir sie hier durchführen, stammt aus Holland und der Schweiz", erklärt sie. Der erste Bestattungswald in Deutschland sei 2001 in Kassel eröffnet worden.

In Deutschland gibt es seit den 2000er Jahren Bestattungen dieser Art. Der erste Bestattungswald in Deutschland war der Reinhardswald bei Kassel, der ist 2001 in Betrieb gegangen.

Ute Siegner Außendienstmitarbeiterin im Bestattungswald am Schladitzer See
Eine Frau präsentiert den Lageplan des Bestattungswaldes Schladitzer See
Ute Siegner leitet eine Infoveranstaltung zur Beisetzung im Bestattungswald. Bildrechte: MDR/Leonie Hauck

In Sachsen hat es länger gedauert, erzählt Siegner. 2015 sei hier erstmals ein Waldstück für Bestattungen freigegeben worden. Der Bestattungswald am Schladitzer See, etwa elf Kilometer nördlich von Leipzig, ist dagegen relativ neu und wurde erst im vergangenen Jahr eröffnet. "Wir sind ein rein familiengeführtes Unternehmen. Wir sind kein Franchise-Unternehmen wie Friedwald. Friedwald ist eine Kette, ist auch ein geschützter Begriff, deswegen heißen wir auch Bestattungswald und nicht Friedwald", erläutert Siegner.

Laut Bundesverband der Bestatter gibt es in Deutschland mittlerweile über 200 solcher Wälder. Viele werden von Unternehmen wie Friedwald oder RuheForst betrieben. Der Bestattungswald am Schladitzer See ist hingegen kommunal bzw. privat verwaltet. Träger ist die Stadt Schkeuditz, diese hat den Betrieb aber an die Eigentümer abgegeben.

Mitten in der Natur die letzte Ruhe finden

Das Konzept des Bestattungswaldes sieht vor, dass man sich in einer biologisch abbaubaren Urne am Fuß eines Baumes beisetzen lassen kann. Den Baum kann man sich vorher aussuchen. Jeder Baum hat eine Nummer, über die man ihn dann auch wiederfinden kann. Die Plaketten mit den Nummern sind an sogenannten Robinienpfeilern vor den jeweiligen Bäumen angebracht.

Franz Rotenhan ist einer der beiden Inhaber des Bestattungswaldes. Entstanden sei die Idee während Corona, erzählt er. Sein Co-Geschäftsführer und er hätten damals festgestellt, dass die Fläche am Schladitzer See zum Verkauf steht. Aus dem familiären Hintergrund hatten beide bereits Erfahrung mit Bestattungswäldern und dem damaligen Eigentümer von ihrer Idee erzählt.

Bis zur Eröffnung im Frühjahr 2024 hat es dann noch etwa vier Jahre gedauert. Ungefähr 150 Beisetzungen wurden seither durchgeführt, sagt Rotenhahn. Als einen Grund dafür, dass diese Beisetzungsart immer beliebter wird, nennt er: "Dass wir als Gesellschaft die Natur ein Stück weit wieder für uns entdecken und das auch ein gewisser Zeitgeist ist, dass wir viel wieder in die Natur gehen, die Natur bewusst erleben und das geht dann auch über das Leben hinaus."

 Schladitzer See bei Leipzig
Der Schladitzer See im Nordwesten Sachsens. Bildrechte: MDR/Leonie Hauck

Durch ihre Lage mitten in der Natur sind Bestattungswälder aber mitunter schwierig zu erreichen. "Wir sind in der Natur und die Natur ist Gott sei Dank auch oftmals schwer zu erreichen", sagt Rotenhan. Die Besonderheit am Schladitzer See sei außerdem, dass das Gebiet auch touristisch genutzt werde. Deswegen sei der Weg zum Bestattungswald etwas weiter.

Hier ist die Besonderheit, dass wir noch touristische Nutzung haben und der Radweg einmal um den gesamten See herum geht und wir mit unserem Verkehr diesen Radweg nicht kreuzen können und wollen.

Franz Rotenhan Inhaber des Bestattungswaldes am Schladitzer See

Grabschmuck ist im Bestattungswald nicht erlaubt

Hinweisschild zum Verzicht auf Schmuck, an einem Findling angebracht
Ein Schild am Eingang weißt darauf hin, dass Grabschmuck im Bestatttungswald verboten ist. Bildrechte: MDR/Leonie Hauck

Als Vorteil nennt Rotenhan hingegen, dass die Grabpflege wegfällt. Denn die übernimmt im Bestattungswald die Natur. Rotenhan meint, viele Familien würden nicht mehr unbedingt dort leben, wo sie aufgewachsen sind. Dann sei die Grabpflege schwierig zu gestalten. Im Bestattungswald ist das auch gar nicht notwendig, denn Grabschmuck ist hier nicht erlaubt. Der Wald soll seinen ursprünglichen Charakter behalten.

Steigende Zahl der Bestattungswälder hat aber auch Nachteile

Trotzdem gibt es Punkte, die das Ökosystem Wald stören können, erklärt Janna Einöder vom Nabu-Landesverband Berlin. Zum Beispiel die veränderte Wegeleitung und das höhere Besucheraufkommen im Wald. Oder das Zurückschneiden von Strauchschichten. Außerdem könnten sich die Belastungen im Boden durch die Human-Asche theoretisch verändern. Franz Rotenhan erklärt, er habe schon mal einen Bestattungswald begleitet, bei dem eine Maximalanzahl von Urnen pro Hektar und Jahr festgelegt wurde, um den Boden nicht zu sehr zu belasten.

Das Umweltbundesamt hat Bestattungswälder als unproblematisch eingestuft – sofern bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden. Demnach muss der ph-Wert des Bodens zum Beispiel zwischen 4-6,5 liegen. Dazu musste der Bestattungswald am Schladitzer See vorab ein Bodengutachten erbringen.

Erst mal gibt es ja dann eine ganz andere Wegeleitung, also es ist viel mehr Besucheraufkommen im Wald. Die Belastungen im Boden könnten sich theoretisch verändern. Strauchschichten und ähnliches werden immer wieder zurückgeschnitten.

Janna Einöder Nabu-Landesverband Berlin

Auch Pfarrer Alexander Wieckowski aus Wurzen sieht Nachteile in der steigenden Beliebtheit von Bestattungswäldern: "Ich sehe nur bei mir das Problem, ich habe 20 Friedhöfe hier zu begleiten und zu betreuen und merke eben, je weniger sie belegt werden, umso teurer wird es für den Rest."

Wieckowski verweist darauf, dass auch Friedhöfe Baumbestattungen anbieten. Er stehe aber immer als Bestatter und Seelsorger zur Verfügung – egal ob auf dem Friedhof oder im Bestattungswald.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 05. April 2025 | 06:52 Uhr

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