Blick auf ein Haus mit hohem Dach und Erker. 4 min
Im Elternhaus des Künstlers erinnert nun ein neues Museum an das Schaffen von Karl Schmidt-Rottluff. Mehr Infos im Audio. Bildrechte: Kunstsammlungen Chemnitz
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Am Sonntag wird in Chemnitz das Karl-Schmidt-Rottluff-Haus eröffnet. Im ehemaligen Elternhaus können Fans früheste Werke des Künstlers entdecken sowie Arbeiten aus einer schweren Phase. Grit Krause berichtet.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 04.04.2025 09:53Uhr 04:13 min

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Kulturhauptstadt 2025 Neues Museum: Chemnitz ehrt den Maler Karl Schmidt-Rottluff

05. April 2025, 04:00 Uhr

In Chemnitz wird am Sonntag das Karl-Schmidt-Rottluff-Haus eröffnet. Der "Brücke"-Mitbegründer und expressionistische Maler ist Anfang des 20. Jahrhunderts im heutigen Stadtteil Rottluff aufgewachsen. Das neue Museum ergänzt den Schwerpunkt der Chemnitzer Kunstsammlungen um Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die neue Ausstellung zeigt die frühen Schritte von Karl Schmidt-Rottluff und will ein umfassendes Bild des bekannten Malers präsentieren.

Womöglich wäre Karl Schmidt-Rottluff wenig begeistert gewesen, dass seine ganz frühen Zeichnungen und ersten Ölskizzen, die er als Schüler gemalt hat, an den Wänden des ihm gewidmeten Museums in Chemnitz hängen. Der Maler selbst habe sie nicht als Künstler anerkannt, meint Sabine Maria Schmidt, Kuratorin des Schmidt-Rottluff-Hauses. "Das kann man natürlich so akzeptieren, aber dennoch sind sie ja aus kunsthistorischer Perspektive von ganz besonderer Bedeutung." Es gehe darum, dass gezeigt werde, wie damals die Ausbildung stattgefunden habe, so die Kuratorin.

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Was Karl Schmidt-Rottluff in Chemnitz prägte

Die Erzählung in dem ehemaligen Wohnhaus von Schmidt-Rottluffs Eltern beginnt im Erdgeschoss mit der Kindheit und Jugend des Künstlers im Dorf Rottluff, nach dem sich der Maler später benannt hat und das heute ein Stadtteil von Chemnitz ist. Neben ersten künstlerischen Versuchen, eben jenen Landschaftsbildern oder auch Zeichnungen von Familienangehörigen, geht es auch schon um die Künstlergruppe "Brücke".

Die Vereinigung wurde 1905 unter anderem von Karl Schmidt-Rottluff in Dresden gegründet. Doch ihre Wurzeln hat sie in Chemnitz, denn dort ging Schmidt-Rottluff mit seinen Mitstreitern Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner aufs Gymnasium und traf sich mit ihnen im eigens gegründeten Debattierclub "Vulkan". Der Brücke-Raum bildet nun das Zentrum im Untergeschoss des Künstlerhauses, erklärt Sabine Maria Schmidt: "Das ist, was den Künstler zunächst am meisten geprägt hat: die Freunde, die Künstlerbekanntschaften", so die Kuratorin. Mit der "Brücke" habe die Künstlerkarriere begonnen, die ganz schnell eigene Wege gegangen sei.

Selbstbildnis: Bleistiftzeichnung von Karl Schmidt-Rottluff
Selbstbildnis Karl Schmidt-Rottluff: Die Ausstellung im neuen Museum will ein umfassendes Bild des Künstler zeigen. Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Ausstellung würdigt Vielseitigkeit Schmidt-Rottluffs

Der Künstler Karl Schmidt-Rottluff ist in seiner Vielseitigkeit im ganzen Haus präsent: mit zahlreichen Druckgrafiken, wie etwa Holzschnitten aus der bekannten "Christus-Mappe", aber auch kunsthandwerklichen Arbeiten, raffinierten Dosen und Schalen aus Holz, Steinschnitzereien und Schmuck wie Ketten oder Armbändern.

Aber im Raum steht auch die Frage, wie authentisch dieser Ort ist und welche Spuren Karl Schmidt-Rottluff hinterlassen hat. Man solle nicht enttäuscht sein, so Kuratorin Sabine Maria Schmidt bei einem Rundgang, wenn es nicht so sei. Zumal der Vater das Haus 1913 hatte bauen lassen – da war der Sohn schon längst in Berlin.

Holzkasten mit reliefgeschnitzten Krokodilen, 1921
Die Ausstellung im neuen Künstlerhaus in Chemnitz zeigt nicht nur Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff. Bildrechte: Kunstsammlungen Chemnitz/PUNCTUM/Bertram Kober, VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Wie authentisch ist das Künstlerhaus?

Allerdings hat er zwischen 1943 und 1946, nachdem seine Berliner Wohnung ausgebombt wurde, hier gelebt. Es war eine schwere Zeit für den Künstler, der damals nicht malen durfte. Im Obergeschoss ist dennoch ein Bild zu sehen, "von dem wir wissen, dass es in dieser Zeit entstanden ist, und zwar hier", so die Kuratorin Sabine Maria Schmidt. Auch Steinschnitte und Holzkästen seien in dieser Zeit in Chemnitz entstanden.

Zusammen mit persönlichen Alltagsgegenständen von Karl Schmidt-Rottluff wie Tabakbeutel und Pfeife, Pinseln, Farben oder auch seinem Schnitzmesser wird das Publikum in die 1940er-Jahre, die Kriegsjahre,  zurückversetzt. Und das verdankt sich nicht zuletzt den extra für dieses Museum gestifteten oder geschenkten Exponaten, wie die des Leipziger Sammlerpaares Victor und Hedda Peters.

Karl Schmidt-Rottluff mit Roswita Peters in Rumbke / with Roswita Peters in Rumbke, 1937
Schon früh wurden in Chemnitz Werke des Malers Karl Schmidt-Rottluff gesammelt. Bildrechte: Kunstsammlungen Chemnitz, Archiv

Der lange zum Chemnitzer Museum

Die Idee, dem prominenten Sohn der Stadt ein Denkmal in Form eines Museums zu setzen, hat bereits eine lange Geschichte, berichtet Florence Thurmes, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. Der erste Direktor der Kunstsammlungen, Friedrich Schreiber-Weigand, habe Karl Schmitt-Rottluff gut gekannt und schon Werke von ihm angekauft und ausgestellt.

Auch in den 70er-Jahren habe Karl Brix, der damalige Leiter der Städtischen Kunstsammlungen, ein Museum für den Künstler gründen wollen und dafür schon eine Galerie als dauerhafte Präsentation von Schmidt-Rottluff angefangen. "Die Pläne damals sind leider nicht zum Tragen gekommen. Umso schöner ist es jetzt, so lange Zeit später das Haus eröffnen zu können", meint Thurmes.

Womit die Europäische Kulturhauptstadt Chemnitz jetzt einen weiteren Hotspot des Expressionismus vorzuweisen hat – neben den Kunstsammlungen am Theaterplatz, wo Karl Schmidt-Rottluffs Gemälde prominent ausgestellt sind, sowie dem Museum Gunzenhauser mit Schwerpunkt auf Kunst der klassischen Moderne.

Informationen zum neuen Ausstellungsort

Karl-Schmidt-Rottluff-Haus
Limbacher Straße 382
09116 Chemnitz

Am 6. April 2025, 15 bis 19 Uhr wird das neue Museum eröffnet

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr

Mehr Informationen zum Schmidt-Rottluff-Haus auf der Seite der Kunstsammlungen Chemnitz

Quelle: MDR KULTUR (Grit Krause), redaktionelle Bearbeitung: tsa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. April 2025 | 07:10 Uhr

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