Vor dem Magdeburger Dom leuchten die Lichter des Weihnachtsmarktes der Schweizer Milchkuranstalt. 4 min
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"Wiehnachtmärt" Wintermarkt in Magdeburg: Ärger wegen zwei Schreiben der Stadtverwaltung

28. Februar 2025, 18:24 Uhr

Ein privater Wintermarkt an der "Schweizer Milchkuranstalt" wollte das kulturelle Angebot Magdeburgs erweitern. Doch eine E-Mail aus der Stadtverwaltung legt nahe, dass das verhindert werden sollte. Sicherheits- und Brandschutzauflagen sollten offenbar als Hebel genutzt werden. Auch soll die Touristeninformation ihre Stadtführer angehalten haben, den Markt nicht zu erwähnen. Die Rolle von Oberbürgermeisterin Simone Borris bleibt unklar.

Es ist im Grunde eine Provinzposse: Ein Wintermarkt unweit des Domes will das kulturelle Angebot der Landeshauptstadt Magdeburg erweitern. Damit der Markt gar nicht in den Verdacht gerät, eine Konkurrenz zum Weihnachtsmarkt der Stadt Magdeburg zu sein, beschließen die Betreiber, keine Weihnachtsmusik zu spielen, ausschließlich auf Gastronomie zu setzen und ihre Veranstaltung "Wiehnachtmärt" zu nennen.

Das Angebot kommt gut an. Doch eine E-Mail, die auch MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt, hat unlängst enthüllt: Der Markt sollte aus den Reihen der Stadtverwaltung verhindert werden.

Wörtlich heißt es: "Die Gesellschafter der Weihnachtsmarkt GmbH sind – vorsichtig ausgedrückt – wenig erbaut über diesen zusätzlichen Markt […]. Daher folgender Arbeitsauftrag: Ich bitte möglichst kreativ zu prüfen, ob wir vor dem Hintergrund Sicherheitskonzept und/oder Brandschutz noch Möglichkeiten haben, diesen Weihnachtsmarkt zu untersagen oder mit härteren Auflagen zu versehen. Eure Vorschläge würde ich morgen zunächst der OBin und dann den Gesellschaftern vorlegen…"

Verfasser: Der Ordnungsbeigeordnete Ronni Krug (CDU). Die Adressaten: Der Leiter der städtischen Feuerwehr und der Leiter des Ordnungsamtes.

Ich bitte möglichst kreativ zu prüfen, ob wir vor dem Hintergrund Sicherheitskonzept und/oder Brandschutz noch Möglichkeiten haben, diesen Weihnachtsmarkt zu untersagen oder mit härteren Auflagen zu versehen.

E-Mail des Ordnungsbeigeordneten Ronni Krug

Fragen im Stadtrat werfen Fragen über Beteiligung von OB Simone Borris auf

Die Gartenpartei hat zu besagtem Schreiben Fragen an die Verwaltung gerichtet. Insbesondere die Frage: Hat Krug Sicherheits- oder Wirtschaftsinteressen vertreten? Dazu Oberbürgermeisterin Simone Borris in der Antwort: "Welche subjektiven Interessen Anlass für diese E-Mail waren, ist nicht bekannt und bleibt den Ermittlungen des Landesverwaltungsamts des Landes Sachsen-Anhalt vorbehalten."

Obwohl es im Schreiben von Krug heißt, die Weihnachtsmarkt GmbH wäre wenig erbaut und "daher folgender Auftrag", steht eine Antwort auf eine Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT im Widerspruch zur zitierten E-Mail: "Der Oberbürgermeisterin ist nicht bekannt, dass Herr Krug im Auftrag gehandelt hat und warum er den Auftrag erteilt hatte." Borris hat nach eigenen Angaben von der Mail erst acht Tage später erfahren. Sie habe sich nie für ein Verbot des privaten Weihnachtsmarkts ausgesprochen.

Für Marcel Guderjahn von der Gartenpartei steht das auch im Widerspruch zu Krugs E-Mail. Für ihn müssen nach der Aufklärung durch das Landesverwaltungsamt Konsequenzen folgen: "Meiner Meinung nach muss Ronni Krug beurlaubt werden, und am Ende muss es zu größeren Konsequenzen führen, dass er zurücktritt."

Weihnachtsmarkt Magdeburg: Weiteres Schreiben wirft neue Fragen auf

Vor Weihnachten wird an alle Stadtführer ein Informationsschreiben der städtischen Touristeninformation verschickt. Deren Abteilungsleiter schreibt: "Aus aktuellem Anlass möchte ich Sie alle höflichst darum bitten, sich mit persönlichen Äußerungen bei folgenden Punkten zurückzuhalten: […] Thema Intel-Ansiedlung […] Thema Wiehnachtmärt am Fürstenwall Schweizer Milchkuranstalt – Bitte hier keine Werbung tätigen […] Thema Stadthallenareal und Hyparschale […]."

Für Denny Mette, den Betreiber des Wintermarktes am Fürstenwall, ist das unverständlich: "Wir sind ja da, um die Vielfältigkeit in der Stadt zu gestalten. Es wäre nicht schön, wenn es wirklich so war, dass wir explizit nicht mehr erwähnt werden sollten."

MDR SACHSEN-ANHALT hat zu diesem Vorgang auch die Stadt Magdeburg befragt. Die Stellungnahme steht noch aus.

Betreiber des Wintermarkts an der Milchkuranstalt fordern Aufarbeitung

Der Ordnungsbeigeordnete Ronni Krug hatte sich in einer persönlichen Erklärung im Stadtrat entschuldigt: "Eine solche E-Mail geht gar nicht." Für die Betreiber des Wintermarktes geht dies jedoch nicht weit genug: "Als Entschuldigung reicht das gar nicht, wir würden gern wissen, wo die Intention und die Energie herkommt, um eine solche Mail zu schreiben." Und auch die Stadträte der Gartenpartei haben angekündigt, sich weiter mit diesem Thema beschäftigen zu wollen.

MDR (Lars Frohmüller, Max Hensch)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Februar 2025 | 17:00 Uhr

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