Luftaufnahme der Justizvollzugsanstalt Burg 1 min
In der JVA Burg soll ein Häftling seine Ehefrau bei einem Besuch getötet haben. Mehr dazu im Video. (Symbolbild) Bildrechte: MDR
1 min

In der JVA Burg im Jerichower Land soll ein Häftling seine Ehefrau getötet haben. Die Frau hatte ihren Mann im Gefängnis besucht und wurde dann tot aufgefunden.

MDR FERNSEHEN Fr 04.04.2025 14:00Uhr 00:40 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/jerichow/video-jva-burg-haeftling-ehefrau-tot-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Nach Besuch JVA Burg: Ehefrau eines Häftlings tot aufgefunden

04. April 2025, 18:23 Uhr

Ein Insasse der JVA Burg soll während der Besuchszeit seine Ehefrau getötet haben. Sie war zum sogenannten Langzeitbesuch ihres Ehemannes – diese werden akustisch oder optisch nicht überwacht. Die Politik zeigt sich nach dem Vorfall erschüttert und fordert, dass die Sicherheit in der JVA Burg überprüft wird.

In der JVA Burg im Jerichower Land hat ein Häftling möglicherweise seine Ehefrau getötet. Wie die Staatsanwaltschaft Stendal MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag mitteilte, hatte die 35-Jährige den 37 Jahre alten Tatverdächtigen am Donnerstag besucht und wurde dann tot aufgefunden.

Blick auf die Auߟenmauer der Justizvollzugsanstalt Burg 1 min
Bildrechte: MDR
1 min

MDR SACHSEN-ANHALT Fr 04.04.2025 10:00Uhr 00:37 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/jerichow/audio-jva-burg-haeftling-ehefrau-tot100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Ergebnis der Obduktion kommende Woche erwartet

Gegen den Ehemann wird demnach wegen eines Anfangsverdachts des Totschlags ermittelt. Die Gerichtsmedizin untersucht den Leichnam der Frau. Ein Ergebnis wird Anfang der kommenden Woche erwartet. Genauere Angaben zum Tathergang oder zur möglichen Todesursache machte die Staatsanwaltschaft nicht und verwies auf das laufende Verfahren.

Besuch in JVA Burg wurde nicht überwacht

Das Opfer war den Angaben nach bei seinem Mann zu einem sogenannten Langzeitbesuch. Solche Besuche finden in der Regel in dafür gesondert hergerichteten Räumen statt und werden nicht akustisch oder optisch überwacht. Die Teilnehmer haben aber mit Kontrollen durch den Besuchsdienst zu rechnen. Ein Langzeitbesuch dient dazu, Beziehungen zu Angehörigen wie Kindern in geschützten Räumen zu ermöglichen.

SPD-Innenpolitiker Erben: Sicherheit der JVA Burg muss überprüft werden

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Rüdiger Erben, äußerte sich auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag erschüttert. Erben betonte, die Ermittlungen müssten sorgfältig abgewartet werden. Klar sei jedoch, es müsse geprüft werden, ob rechtliche Vorgaben und interne Abläufe in Burg noch die nötige Sicherheit gewährleisten.

Ein 'Weiter so' dürfe es nicht geben – weder im Umgang mit hochgefährlichen noch mit vermeintlich unauffälligen Gefangenen. Erben erinnerte daran, dass auch der Attentäter von Halle in dem Gefängnis Bedienstete bedrohen und einen Fluchtversuch unternehmen konnte. Ihn mache die Fülle der Vorfälle dort stutzig.

Linken-Politikerin von Angern fordert schnelle Klärung des Tathergangs

Die Vorsitzende der Linken im Landtag, Eva von Angern, teilte MDR SACHSEN-ANHALT am Freitagvormittag mit, die Tat in einem Gefängnis, quasi in Obhut des Staates, sei besonders dramatisch. Die Angehörigen des Opfers und die Öffentlichkeit bräuchten daher schnell Klarheit über den Tathergang. Die Landesregierung müsse die Frage beantworten, ob sie zu verhindern gewesen wäre.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Sebastian Striegel, sagte laut einer Mitteilung der Fraktion, es stehe der konkrete Verdacht eines Femizids im Raum. Es sei schwer zu verstehen, wie eine Besucherin in einem Hochsicherheitsgefängnis Opfer eines so schrecklichen Verbrechens werden könne. Gerade an diesem Ort müsse der Staat Sicherheit gewährleisten. Es brauche zügige und gründliche Ermittlungen, auch durch das Justizministerium.

Striegel ergänzte im Gespräch mit dem MDR, in Burg gebe es eine Häufung von sicherheitsrelevanten Vorkommnissen. Da müsse man auch nach strukturellen Ursachen fragen.

Der innen- und justizpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Guido Kosmehl, sprach sich im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT am Freitagnachmittag dafür aus, Sicherheit bei den unbeobachteten Langzeitbesuchen zu verbessern. Man müsse nach Möglichkeiten suchen, die die Privatsphäre der Beteiligte nicht verletzen. Kosmehl sagte, grundsätzlich sei er für solche Langzeitbesuche.

JVA Burg erneut Thema im Rechtsauschuss

Nach dem Todesfall soll das Gefängnis in Burg erneut Thema im Landtags-Rechtsausschuss werden. Der Vorsitzende Christian Hecht von der AfD sagte dem MDR, man habe bereits einen entsprechenden Antrag auf der Tagesordnung für die nächste Sitzung. Er erwarte dann konkrete Informationen von der Justizministerin. Hecht betonte, bislang wisse er über den neuen Vorfall auch nicht mehr, als in den Medien berichtet werde. So sei nicht einmal klar, ob ein Tötungsdelikt vorliege. Mittlerweile sei er aber zu der Überzeugung gekommen, dass in Burg etwas grundsätzlich nicht so laufe, wie es in einer modernen JVA laufen sollte.

Das Justizministerium sprach unterdessen den Angehörigen und Freunden des Opfers seine Anteilnahme aus. Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT teilte das Ministerium mit, eine Aufarbeitung unter Beteiligung des Justizvollzugs sei eingeleitet. Da das konkrete Geschehen bislang ungeklärt ist, bleiben die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft abzuwarten. 

JVA Burg gilt als eines der modernsten Gefängnisse Deutschlands

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Burg wurde 2009 in Sachsen-Anhalt eröffnet. Sie zählt nach Angaben des Justizministeriums zu den modernsten und sichersten Gefängnissen Deutschlands und bietet Platz für rund 650 männliche Strafgefangene mit mittlerem bis hohem Sicherheitsstandard.

MDR (Lars Frohmüller, Christoph Dziedo, Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. April 2025 | 10:00 Uhr

Mehr aus Jerichower Land, Magdeburg, Salzlandkreis und Börde

Mehr aus Sachsen-Anhalt