Verwahrloste Welpen 3 min
Nach der Rettung der 17 Hundewelpen sprach der Amtstierarzt des Landkreises von "schockierenden Zuständen". Mehr dazu im Video. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landkreis Harz 17 verwahrloste Hunde aus Garten in Wernigerode gerettet

28. März 2025, 17:51 Uhr

In Wernigerode sind 17 verwahrloste Hunde aus einer Gartenanlage beschlagnahmt worden. Der Amtstierarzt des Landkreises Harz spricht von "schockierenden Zuständen". Gegen die Besitzerin der Hunde liegt in Thüringen bereits ein Tierhaltungsverbot vor. Ihr droht nun ein Verfahren und ein weiteres Verbot in Sachsen-Anhalt. Das Veterinäramt rechnet mit aufwändigen Ermittlungen über die Landesgrenze hinaus.

In Wernigerode haben die Behörden 17 Hunde gerettet. Das teilte der Landkreis Harz am Donnerstag mit. Demnach wurden die Tiere am Mittwochabend in einer Gartenanlage beschlagnahmt. Aufmerksame Nachbarn hätten die schlechte Tierhaltung beim Veterinäramt des Landkreises angezeigt.

Hunde in Wernigerode gerettet: Amtstierarzt schockiert über Zustände

Wie Amtstierarzt Rainer Miethig MDR SACHSEN-ANHALT erklärte, wurden die Hunde unter tierschutzwidrigen und untragbaren Umständen gehalten. Die Halterin der Hunde habe die Tiere mit großem Gewinn verkauft und den Käufern ideale Haltungszustände vorgegaukelt. Miethig war nach eigener Aussage schockiert über die Zustände: "Man denkt sonst, dass sowas nur im Ausland passiert, aber leider ist das auch bei uns der Fall." Um die akute Tierwohlgefährdung zu beenden, seien die Behörden eingeschritten.

Man denkt sonst, dass sowas nur im Ausland passiert, aber leider ist das auch bei uns der Fall.

Rainer Miethig Amtstierarzt

Und weiter erklärt Miethig: "Das Schlimmste an der ganzen Sache war eigentlich, dass die Tiere in Käfigen gehalten wurden, sodass der allgemeine Zustand, besonders der psychische Zustand der Hunde, völlig abnormal war."

Verwahrloste Welpen: Anzeige gegen die Halterin

Mithilfe der Tierrettung Stapelburg wurden nach seinen Angaben die 17 Hunde verschiedener Rassen, darunter Border Collies und Labrador-Welpen, auf umliegende Tierheime aufgeteilt. Unterstützung gab es dabei auch von Polizeikräften aus dem Revier Harz. Gegen die Halterin werde nun Anzeige erstattet.

Wie Miethig weiter sagte, ist die Halterin der Hunde bereits für ein solches Verhalten bekannt. So habe sie bereits in Thüringen ein Tierhaltungs- und Zuchtverbot. Das gleiche Verbot erwarte die Frau nun in Sachsen-Anhalt.

Tierschützer fordern Register über Haltungsverbote

Tierschützer in Sachsen-Anhalt fordern seit langem ein bundesweites Register über verhängte Tierhaltungs- und Betreuungsverbote. Der Tierschutzbeauftragte des Landes, Marco König, sagte unlängst im MDR, neben dem Register fehle auch eine Verpflichtung für den Tierhandel. Alle Anbieter auf Online-Plattformen sollten sich mit Namen und Adresse identifizieren müssen. Bisher sei das freiwillig. Viele Anbieter würde die Tiere unter falschem Namen und nur mit einer Telefonnummer anbieten. Da seien die Behörden machtlos.

Auch Amtstierarzt Miethig spricht sich für ein bundesweites Register über Zucht- und Haltungsverbote aus. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass es so ein Register schon längst geben müsste, damit solche Fälle wie jetzt im Harz verhindert werden könnten. Er vermute, dass das mit dem Datenschutz zusammenhänge. "Aber in solchen Fällen müsste es mit dem Datenschutz so geregelt werden, dass es [das Register, Anmerk. d. Red.] zumindest von Behören so angewendet werden kann." Nach seinen Worten war der Fund der Hunde Zufall.

Veterinäramt ermittelt über Sachsen-Anhalt hinaus

Das Veterinäramt rechnet mit aufwändigen Ermittlungen. Miethig sagte am Freitag, vermutlich seien auch andere Landkreise betroffen – nicht nur in Sachsen-Anhalt. Es sehe so aus, als seien auch andere Länder Europas beteiligt. Man habe festgestellt, dass einige der Welpen eventuell aus Tschechien kämen. Der Sachverhalt überschreite die Möglichkeiten der Behörde, tiefer zu ermitteln. Deshalb erwägt das Veterinäramt nach Aussage des Arztes Amtshilfe.

Das Veterinäramt müsse sehr gut rechtlich begründen, warum die Welpen beschlagnahmt wurden. Miethig sagte weiter, man werde alles so recherchieren, dass es auch gegenüber der Staatsanwaltschaft nachvollziehbar dargestellt werde. Die Aufarbeitung des Falles sei sehr zeitintensiv.

Ähnlicher Fall in Bad Lauchstädt

Ähnlich ist ein Fall aus Bad Lauchstädt im Saalekreis: Dort macht der Fall einer Tierhalterin seit Monaten Schlagzeilen. Auf dem Gelände ihrer Tierpension waren Ende vergangenen Jahres etwa 130 verwahrloste und fast verhungerte Hunde gefunden worden. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei gegen sie.

Vor einer Woche war ein Prozess gegen diese Frau am Amtsgericht Halle zu Ende gegangen. Sie hatte in einer anderen Hundepension in Bennstedt Tiere nicht ausreichend mit Futter und Wasser versorgt. Das Gericht entschied in diesem Fall, dass sie drei Jahre lang weder privat Hunde halten, noch beruflich mit Hunden arbeiten darf. Außerdem muss sie 1.600 Euro Strafe zahlen. Dagegen ging die Frau in Berufung.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. März 2025 | 13:00 Uhr

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