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Im Video: Zeitzeugen in Nordhausen erinnern sich noch heute an den Bombenangriff vor 80 Jahren. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Gedenken "Nicht endenwollender Krach": Wie Zeitzeugen die Bombardierung Nordhausens vor 80 Jahren erlebten

03. April 2025, 17:05 Uhr

Nordhausen trifft sich jedes Jahr am 3. April an der Stele vor dem Rathaus. Doch dieses Mal waren einige Bewohner, die das Kriegsende damals erlebt haben, den Tränen nah. Ilona Glashügel bewegt die Bombardierung nach wie vor. Sie befürchtet: "Wir sind wieder einem Krieg so nah wie nie." Daher will sie mit ihrem Kommen ein Zeichen setzen.

Ilona Glashügel und ihre Familie haben die Bombardierung vor 80 Jahren überlebt, weil sie nicht in ihrer Wohnung waren, die damals zerstört wurde. Sie war damals fast drei Jahre alt und mit ihrer Mutter unterwegs zum Krankenhaus, um ihren Vater zu besuchen, der eine Kriegsverletzung hatte.

Das war unser Glück, denn genau in der Halleschen Straße fielen die ersten Bomben, als wir unterwegs waren.

Ilona Glashügel über die Bombardierung Nordhausens vor 80 Jahren

"Das war unser Glück, denn genau in der Halleschen Straße fielen die ersten Bomben, als wir unterwegs waren." Ihre Familie überlebte. Ilona befürchtet: "Wir sind wieder einem Krieg so nah wie nie." Daher will sie mit ihrem Kommen in diesem Jahr auch ein Zeichen setzen.

Monatelanger Hörschaden: Zeitzeugen erinnern sich an Bombenangriff

Ruth Wagner war damals zwölf Jahre alt. Sie kann sich noch daran erinnern, wie es losging: ohne Alarm, aber mit einem Ruf der Mutter, dass alle so schnell wie möglich in den Keller laufen sollen. "Das Wichtigste, was ich mir gegriffen habe, war mein Wellensittich. Den musste ich in den Keller nehmen."

Bereits als sie oben auf der Kellertreppe waren, ging die Bombardierung los: "Da flog hinten die Kellertreppe auf, die ersten Bomben, die Druckwelle hat mirs Gehör genommen." Sie habe monatelang nichts mehr hören können.

Lärm, Krach, unwahrscheinlicher Krach, nicht endenwollender Krach.

Carla Buhl über die Bombardierung Nordhausens vor 80 Jahren

Eine ältere Frau steht an einem Rednerpult.
Carla Buhl berichtet, wie sie die Bombardierung in einem Gewölbekeller überlebt hat. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Carla Buhl war damals zehn Jahre alt und erlebte den Angriff in einem Gewölbekeller. Sie erinnert sich an die halbe Stunde: "Lärm, Krach, unwahrscheinlicher Krach, nicht endenwollender Krach. Wir selbst wurden ein Teil des Krachs, denn es pochte in unseren Köpfen, es pochte in unserem Herzen." Danach sei ihr die Stadt fremd gewesen, sagt sie.

Blick vom Petersberg auf das zerstörte Nordhausen nach der Bombardierung am 3./4.4.1945
Blick vom Petersberg auf das zerstörte Nordhausen nach der Bombardierung am 3./4. April 1945. Bildrechte: MDR/Werner Steinmann/Stadtarchiv Nordhausen

Welche Rolle spielen die Bombardierungen heute noch?

75 Prozent der Stadt waren nach den Bombardierungen zerstört. Tausende starben. Bei der Bombardierung am 3. April warfen die Allierten allein 1.170 Tonnen Sprengbomben auf die südöstliche Stadt ab. Am 4. April wurden 1.120 Tonnen Flächen- und Sprengbomben abgeworfen.

Nordhausen habe keine historische Altstadt mehr, so Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos): "Was wir haben, sind regelmäßige Bombenentschärfungen, die mich und uns immer an diesen Zeitraum erinnern."

Ein Mann steht an einem Rednerpult.
Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos) Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Was ist in Nordhausen für die nächsten Tage geplant?

Am Freitag, den 4. April 2025, erinnert Nordhausen an den zweiten Angriff mit einem großen Glockengeläut. Am Montag, den 7. April 2025, gedenkt die Stadt der Befreiung des KZ-Mittelbau-Dora. An dem Tag wird auch der renovierte Ehrenfriedhof eingeweiht.

Zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am Dienstag, den 8. Mai 2025, gibt es zudem eine Gedenkveranstaltung auf dem Ehrenfriedhof.

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Die MDR THÜRINGEN-Nachrichten aus NORD-THÜRINGEN.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. April 2025 | 19:00 Uhr

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