Zugverkehr Von der Schiene abgehängt: Aken kämpft um Bahnanschluss nach Köthen
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28. Februar 2025, 13:41 Uhr
Seit der Wende sind in Sachsen-Anhalt fast 50 Zug-Strecken stillgelegt worden. Viele Orte im ländlichen Raum sind von der Bahn abgeschnitten. Dieses Schicksal droht nun auch endgültig Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Seit 2008 ist die Stadt aus dem Fahrplan der Bahn gestrichen. Doch sie kämpft weiter um den Erhalt der Bahnstrecke nach Köthen.
Der Akener Stadtrat hat in einer Sondersitzung die Weichen für den Erhalt der Bahnstrecke nach Köthen gestellt. Das Votum im Stadtrat fiel einstimmig aus. Bürgermeister Jan-Hendrik Bahn (parteilos) spricht von einem Meilenstein.
400.000 Euro kostet es, die Strecke nach Köthen, die vor zwei Jahren stillgelegt wurde, wieder betriebssicher zu machen. Stadt Aken, Hafen und Bahnunternehmen ziehen dabei an einem Strang, wollen gemeinsam 200.000 Euro bereitstellen. Für die andere Hälfte soll das Land aufkommen. Bahn zufolge wurde noch gestern ein Fördermittelantrag eingereicht.
Er bezeichnet den Zugverkehr enorm wichtig für die Region. Viele Unternehmen würden darauf warten, dass ein Gütertransport auf der Schiene wieder möglich wird. Dafür müsse die Tri-Modalität – die Anbindung durch Straßen, Wasser und Gleise – erhalten bleiben. Nun sei das Land am Zug, so der Bürgermeister von Aken.
Seit 2008 kein Personenverkehr zwischen Aken und Köthen
"Darauf begründen sich auch viele Investoren-Anfragen für Aken, die genau diese Tri-Modalität suchen. Und diese Tri-Modalität ist nicht so häufig zu finden und die macht uns da schon einzigartig", erklärt Bahn im Dezember 2024. Er will die drei Möglichkeiten der Anbindung unbedingt erhalten: "Wenn die weggebrochen sind, kommen die auch nicht wieder."
2008 hatte die Deutsche Bahn den Zugverkehr auf der Strecke eingestellt. Bis zur Coronapandemie seien jährlich von und nach Aken pro Jahr aber noch bis zu 100.000 Tonnen Güter über die Schiene transportiert worden. Und auch touristische Sonderfahrten wie etwa zum Karneval nach Köthen seien gut angenommen worden. Um weiter an der Strecke festzuhalten, setzt Bahn nach eigenen Angaben auf den Entwicklungsplan des Landes Sachsen-Anhalt. Dort sei vermerkt, dass Schienenverkehr wichtig sei.
Zunächst 400.000 Euro für Pläne nötig
Laut Akens Bürgermeister soll in einem erstem Schritt auf der Strecke nach Köthen die Betriebssicherheit wiederhergestellt werden. Dafür soll die nun beschlossene Summe beitragen. Damit auch Güterzüge die Strecke nutzen können, sei eine weitere Million Euro notwendig. Sollten die Fördermittel bewilligt werden, könnten laut Bahn bereits 2027 wieder Züge auf der Strecke rollen. Andernfalls werde sie verkauft und endgültig stillgelegt.
Warum Bahnstrecken stillgelegt werden
Für den Schienen-Personenverkehr auf regionaler Ebene sind in Deutschland die Länder zuständig. Für Planung und Organisation erhalten sie gemäß Regionalisierungsgesetz Geld vom Bund. Damit wird auch der Verkehr bezahlt – vom Trassenentgelt bis zum Lokführergehalt der beauftragten Bahnunternehmen. Ob, welche und wie viele Züge auf einer Strecke fahren, ist somit auch eine wirtschaftliche Abwägung. Rechnen sich Strecken nicht, lässt das Land Busse statt Bahnen fahren. Die Trasse selbst kann vom Eigentümer zur Übernahme ausgeschrieben werden, falls beispielsweise Industriebetriebe Interesse am Erhalt haben. Andernfalls kann eine Stilllegung beantragt werden.
Für Sachsen-Anhalt hat das Eisenbahnbundesamt seit 1994 die Stilllegung von über 660 Gleis-Kilometern genehmigt. Das Streckennetz des Landes umfasst rund 3.100 Kilometer Gleis.
MDR (Martin Krause, Linus-Benedikt Zosel, André Plaul, Kalina Bunk, André Damm)
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. Dezember 2024 | 07:40 Uhr
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