zwei Kirchtürme
Die Ergebnisse der Bundestagswahl unterscheiden sich deutlich zwischen Gemeinden auf dem Land und in der Stadt. Bildrechte: IMAGO/imagebroker, MDR/Luca Deutschländer

Bundestagswahl Stadt, Land, AfD? So hat Mitteldeutschland abgestimmt

26. Februar 2025, 15:46 Uhr

Linke und Grüne punkten bei der Bundestagswahl vor allem in Großstädten, die AfD dominiert auf dem Land. Trotzdem sind die Gründe für die massiven Gewinne der AfD vor allem in kleinen und mittelgroßen Städten zu finden. Eine Analyse zum Stadt-Land-Gefälle in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Porträt David Wünschel
Bildrechte: David Wünschel

Die AfD ist bei der Bundestagswahl in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit deutlichem Abstand die stärkste Kraft. Betrachtet man die drei mitteldeutschen Bundesländer gemeinsam, kommt die Partei auf 37,6 Prozent der Zweitstimmen. Die CDU erreicht 19,3 Prozent, die Linkspartei 12,1 Prozent. Das BSW erzielt 9,7 Prozent und übertrifft damit alle drei Ampelparteien.

Mitteldeutschland ist jedoch keine einheitliche Fläche. Ein genauerer Blick auf die Wahldaten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigt, wie stark die Ergebnisse zwischen verschiedenen Gemeinden schwanken – und dass die Gründe für die massiven Zugewinne der AfD eher in der Stadt als auf dem Land zu finden sind.

Auf der unten stehenden Karte sind besonders hohe Ergebnisse einer Partei mit einer kontrastreichen Farbe markiert. Dabei treten zahlreiche regionale Besonderheiten hervor. Die AfD schneidet in kleinen Gemeinden in Südthüringen sowie in Ostsachsen besonders gut ab. Die CDU erzielt ihre stärksten Ergebnisse im katholisch geprägten Eichsfeld in Westthüringen sowie in den sorbischen Gemeinden der Oberlausitz. Die Hochburgen von SPD und BSW liegen in Sachsen-Anhalt. Und bei den Grünen und der Linkspartei leuchten hauptsächlich die Großstädte.

Insgesamt gaben in den drei Bundesländern rund 5,2 Millionen Menschen eine gültige Stimme ab. Weniger als jeder Fünfzehnte davon lebt in einer Gemeinde mit höchstens 2.000 Einwohnern. In diesen ländlichen Regionen erreicht die AfD im Schnitt 42,9 Prozent der Zweitstimmen.

AfD-Abschneiden in größeren Ortschaften und Kleinstädten entscheidend für Wahlerfolg

Noch stärker schneidet die Partei in Gemeinden mit 2.000 bis 20.000 Einwohnern ab (43,2 Prozent). Dazu zählen Orte wie Radeberg (Sachsen), Tangermünde (Sachsen-Anhalt) und Zella-Mehlis (Thüringen). Insgesamt leben hier mehr als 2,3 Millionen Menschen – rund 44 Prozent der Wählerschaft.

Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2021 lag die AfD in diesem Segment noch bei 27 Prozent. Das starke Abschneiden der AfD in größeren Ortschaften und Kleinstädten ist also entscheidend für ihren massiven Wahlerfolg in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Mehr zu den Daten

Die Wahlergebnisse stammen von den Statistischen Ämtern der drei Bundesländer. Die Einteilung der Gemeinden in Größenklassen basiert auf den Einwohnerzahlen auf Basis der Bevölkerungszählung Zensus 2022.

In Thüringen hatten einige kleinere Gemeinden bei der Bundestagswahl keinen eigenen Wahlbezirk. Ihre Ergebnisse wurden stattdessen oft auf Ebene der Gemeindeverbände ausgewiesen. In diesen Fällen wurde die ungefähre Einwohnerzahl des jeweiligen Gemeindeverbands für die Kategorisierung herangezogen. In der oben gezeigten Karte der Zweitstimmen-Ergebnisse fehlen diese Gemeinden jedoch.

Da die Einteilung ausschließlich anhand der Einwohnerzahl erfolgt, werden auch Gemeinden als ländlich eingestuft, die sich im Umland großer Städte befinden und urbane Merkmale aufweisen. So kann eine Gemeinde mit 500 Einwohnern in einem städtischen Speckgürtel liegen, während eine Gemeinde mit 22.000 Einwohnern eher ländlich geprägt sein kann. Die Kategorisierung nach Einwohnerzahl bildet den Unterschied zwischen ländlichen und städtischen Gemeinden daher nur bedingt ab.

Auch in Mittelstädten mit bis zu 100.000 Einwohnern erzielt die Partei hohe Werte (38,5 Prozent). Lediglich in den sieben Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern (Leipzig, Dresden, Chemnitz, Halle, Magdeburg, Erfurt und Jena) fällt ihr Ergebnis deutlich schwächer aus. Hier lebt allerdings nur rund ein Viertel der Wählerschaft.

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Dennoch erzielt die AfD, die in allen drei mitteldeutschen Landesverbänden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, in jeder mitteldeutschen Gemeinde mindestens 19 Prozent.

Linke gewinnt vor allem in Großstädten hinzu

Die Wahlergebnisse der Linken in kleineren und mittelgroßen Städten unterscheiden sich kaum von denen der letzten Bundestagswahl. In Gemeinden mit bis zu 100.000 Einwohnern erreicht die Partei – wie schon 2021 – etwa ein Zehntel der Wählerschaft. In den Großstädten hingegen legt sie deutlich zu: Vor vier Jahren lag sie hier bei 12,4 Prozent, diesmal sind es 18,3 Prozent. Der Wahlerfolg der Linken in Mitteldeutschland speist sich also vor allem aus der urbanen Wählerschaft.

Auch SPD und Grüne schneiden in größeren Gemeinden tendenziell besser ab. Die SPD erreicht ihr bestes Ergebnis unter den Großstädten in Magdeburg (13,0 Prozent), während sie in Dresden mit 9,4 Prozent am schlechtesten abschneidet.

Die Grünen sind in Jena (14,0 Prozent) am stärksten, ihr schwächstes Ergebnis verbuchen sie in Chemnitz (6,6 Prozent). Insgesamt haben die Grünen außerhalb der Großstädte kaum noch Rückhalt: In Gemeinden mit bis zu 100.000 Einwohnern kommen sie im Schnitt nur auf 3 bis 4 Prozent.

CDU stark in kleineren Gemeinden – aber ohne Hochburgen in den Städten

Bei den übrigen Parteien ist das Stadt-Land-Gefälle weniger ausgeprägt. Die CDU schneidet in kleinen Gemeinden zwar etwas besser ab, schafft es jedoch in keiner der 69 mitteldeutschen Städte mit mindestens 20.000 Einwohnern auf mehr als 30 Prozent. Beim BSW und der FDP sind kaum Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gemeinden zu erkennen.

Mit Hilfe der folgenden beiden Grafiken können Sie herausfinden, wie viele Einwohnerinnen und Einwohner in Ihrer Gemeinde leben und wie die Parteien in Gemeinden ähnlicher Größe abgeschnitten haben:

MDR (Max Schörm, David Wünschel)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 26. Februar 2025 | 20:15 Uhr

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