
Geschichte der Landesplanung Schon vor 100 Jahren wurde in Mitteldeutschland für Zukunft nach der Kohle geplant
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02. April 2025, 16:55 Uhr
Bereits vor 100 Jahren wurde in Mitteldeutschland Landesplanung für die Zeit nach der Braunkohle betrieben. Die Pläne waren visionär und modern. Vieles wurde in der Zeit der Wirtschaftskrise verworfen. Anderes, wie der Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt, wurde 80 Jahre später umgesetzt. Eine Tagung an der Uni Halle beschäftigt sich mit Geschichte und Zukunft der Landesplanung. MDR WISSEN sprach mit dem Städte- und Raumplaner Prof. Harald Kegler, einem der Organisatoren der Veranstaltung.
Dass Mitteldeutschland seit dem beginnenden 20. Jahrhundert ein Zentrum des Braunkohlebergbaus und der chemischen Industrie war, ist bekannt. Die Region nahm aber auch eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der damit einhergehenden Raumplanung ein. "Mitteldeutschland kommt neben dem Ruhrgebiet eine Pionierrolle in der modernen Landesplanung zu", sagt der Professor für Stadt- und Raumplanung Harald Kegler, der zugleich Lehrbeauftragter an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist.
Entwicklung der räumlichen Planung
Nach dem Ersten Weltkrieg sorgte die Kohleförderung in Mitteldeutschland für ein rasantes industrielles Wachstum. Damit stiegen auch die Anforderungen für weiträumige Planungsprozesse, erklärt Kegler. Räumliche Leitlinien für die Entwicklung mussten her. Im damals preußischen Halle wurde am 2. April 1925 der "Landesplanungsverband für den engeren mitteldeutschen Industriebezirk" gegründet, dem Vertreter von Wirtschaft, Landwirtschaft und Kommunen angehörten. Im sächsischen Leipzig stellte der Planungstheoretiker Gustav Langen 1927 den Schlüsselbegriff der Raumordnung und andere Begriffe der räumlichen Planung vor. In Thüringen wurde eifrig über die Gestaltung der "industriell geprägten Kulturlandschaft" diskutiert.
Planungsatlas Mitteldeutschland
Eine wichtige Grundlage für die Landesplanung im mitteldeutschen Raum zwischen Magdeburg, Wittenberg, Chemnitz und Weimar bildete der sogenannte Plan 23. Die besser als Planungsatlas Mitteldeutschland bekannte umfangreiche Kartensammlung für Sachsen, das heutige Sachsen-Anhalt und Thüringen war Kegler zufolge der "erste länderübergreifende Flächennutzungsplan Mitteldeutschlands". Seit 1925 wurde an ihm gearbeitet. 1932 wurde der Planungsatlas Mitteldeutschland veröffentlicht.
Konzept für den Geiseltalsee
Die damaligen Planungsarbeiten in Mitteldeutschland waren erstaunlich visionär. So gab es zum Beispiel bereits 1928 einen Plan für die Zukunft des Geiseltals nach dem Ende der Braunkohleförderung. 80 Jahre später wurde dieser Plan auch umgesetzt: In dem ehemaligen Braunkohleabbaugebiet ist ein Naturschutzgebiet entstanden. Der Großteil der restlichen Pläne musste jedoch wegen der Weltwirtschaftskrise verworfen werden. Der 1925 in Halle gegründete Landesplanungsverband für den mitteldeutschen Industriebezirk wurde 1932 nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten in Anhalt aufgelöst.
"Industriell geprägte Kulturlandschaft"
Kegler zufolge schlug sich in dem Konzept für den Geiseltalsee die Diskussion aus den 1920er-Jahren nieder, der zufolge nach der Landschaftsverwüstung durch den Bergbau eine neue "industriell geprägte Kulturlandschaft" geschaffen werden müsse. Die entsprechenden Pläne sahen Industriestandorte und Siedlungserweiterungen nach dem "Konzept der konzentrierten Dezentralisierung" vor. Bestehende Orte sollten nur gering erweitert werden. Alte Strukturen sollten erhalten bleiben und die Industrie nach dem Bergbau kleinteilig verteilt werden. Das dazugehörige Verkehrskonzept basierte Kegler zufolge auf der Eisenbahn. Autobahnen waren nur ergänzend vorgesehen. Der "zentrale Ansatz" der auf gigantische Industrieanlagen ausgelegten NS-Wirtschaft ab 1933 stand diesem dezentralen Raumordnungskonzept jedoch entgegen.
Tagung und Ausstellung zur Landesplanung
Mit der Geschichte und Zukunft der mitteldeutschen Industrieregion befasst sich am 2. und 3. April an der Uni Halle die Tagung "100 Jahre Landesplanung in Mitteldeutschland: Perspektiven auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" sowie die Begleitausstellung "Vision Mitteldeutschland. 100 Jahre Landesplanung". Nach Angaben von Stadt- und Raumplaner Kegler soll die Tagung neben dem Blick zurück auch aktuelle Bezüge zum heutigen Strukturwandel thematisieren. Der Vorschlag eines "Regionalparks Mitteldeutschland" soll dabei Ideen und Erfahrungen der letzten 100 Jahre aufgreifen und eine Vision für die mitteldeutsche Region in 70 bis 80 Jahren erarbeiten. Die Intention des "Regionalparks" sei es, verschiedene Aspekte "zusammenzudenken" und den aus den Planungen der 1920er-Jahre bekannten "kooperativen Ansatz" wieder zu entwickeln.
MDR (dn)
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Tschüss Kohle, hallo Zukunft! | 25. März 2025 | 14:43 Uhr
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