Mittwoch, 26.03.2025: Trau dich
"Der Levin der würde sicher die ganz scharfe Soße nehmen." "Ja, der Paul auch, der würde sogar noch Chili obendrauf tun." "Au ha, das brennt bestimmt." "Ja, aber das schmeckt bestimmt auch super."
Zwei vielleicht zehnjährige Jungen sitzen am Nachbartisch des örtlichen Imbisses, verzehren jeder einen Döner und fachsimpeln darüber. Ihre Freunde würden sich besonders scharfe Soßen oder Pulver auf ihre Döner tun und damit ein außergewöhnliches Esserlebnis kreieren, so sinnieren sie.
Die beiden steigern sich förmlich in einen Bieterwettstreit, wessen Freund den Mut hätte, die schärfsten Dinge zu essen und wie toll diese Erfahrung dann sein würde. Die Bewunderung für den Mut, der nicht anwesenden Helden, und eine Sehnsucht nach Erfahrungen, sind in dem Gespräch förmlich zu greifen.
Ich komme nicht umhin schmunzelnd den Ausführungen zu folgen, während ich auf meine Bestellung warte. Scharfes oder würziges Essen finde ich prinzipiell auch interessant, aber ob ich mich trauen würde zu den richtig scharfen Dingen zu greifen, kann ich gerade nicht genau bestimmen.
Die Erinnerung an unangenehme Schärfegrade geistert durch meinen Kopf und steht meiner mutigen Experimentierfreude im Weg. Mutig voran, oder doch lieber vorsichtig abwarten?
"Sei mutig und stark." Heißt es im Buch Josua gleich viermal zu Beginn. "Ermutige dich und trau dich" kann man diese Aufforderung auch übersetzen. Nicht leichtfertiger Wagemut, sondern überlegtes Trauen wird Josua aufgetragen. Damit eröffnet sich ihm und seinem Volk eine ganze neue Welt.
Als wenn die Jungs meine Gedanken gehört hätten, bittet einer um etwas scharfe Soße und probiert sie vorsichtig auf seinem Gericht. Der erste Bissen noch zaghaft. Es scheint zu schmecken, sein Freund zieht nach. Beide haben hörbar Geschmack an dem Erlebnis gefunden. Besonnenes Ausprobieren hat ihnen eine neue Geschmackswelt eröffnet. Welche Welten sich wohl noch eröffnen, wenn ich mich besonnen Neues traue?