Freitag, 28.02.2025: Loslassen für den Frieden
Frieden. Einfach nur Frieden. Dieses Wort zugleich, konnte man in den letzten Monaten auf unzähligen Plakaten lesen. Doch was bedeutet das eigentlich? Ist Frieden nur das Gegenteil von Krieg? Oder steckt mehr dahinter?
Im Lukasevangelium lesen wir, dass Maria und Josef ihren neugeborenen Sohn in den Tempel bringen. Dort begegnen sie Simeon, einem alten, weisen Mann, der voller Hoffnung auf den Messias gewartet hat. Als er das Kind in den Armen hält, spricht er: "Nun lässt du, Herr, deinen Diener in Frieden scheiden, wie du gesagt hast." (Lk 2,29)
Frieden - für Simeon bedeutet das Loslassen. Er hat sein Leben lang auf diesen Moment gewartet, auf die Erfüllung einer Verheißung. Nun kann er in Frieden gehen.
Oft höre ich Menschen sagen: "Ich wünsche mir Frieden. Einen inneren Frieden mit mir selbst, mit meinem Leben und mit anderen." Und ich glaube, ohne sich selbst zu hinterfragen, ist das egoistisch. Verstehen Sie mich nicht falsch, ein innerer Frieden tut uns und unseren Mitmenschen gut. Aber es ist harte Arbeit.
Um Frieden mit sich selbst und anderen zu haben, muss man sich nämlich erst der Frage stellen: Warum herrscht den gerade eben kein Frieden in mir? Was habe ich mir oder anderen angetan? Habe ich gelogen? Nicht einmal, sondern oft? Das Vertrauen von jemanden missbraucht? Gutmütigkeit ausgenutzt?
Ohne sich das zu fragen, ist sich Frieden zu wünschen zu einfach. Frieden finden bedeutet, um Vergebung zu bitten, wo Vergebung nötig ist. Und dann - auch mit Dankbarkeit - darauf zu blicken, was war. Was wir erleben durften. Und mit wem wir es erleben durften.
Zu guter Letzt müssen wir loslassen. Vielleicht auch liebgewonnene Gewohnheiten oder sogar eben Menschen, die uns nicht guttun, loslassen. Frieden ist ein so hohes Gut, es kommt nicht von selbst. Nachdem wir zurückgeblickt, verziehen und losgelassen haben, können wir inneren Frieden erhoffen und ehrlich um ihn bitten. Ich wünsche uns eine Sehnsucht nach Frieden, die uns niemals loslässt.
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