Mehrere Polizeibeamte in Uniform laufen über das Gelände eines Campingplatzes. Zu sehen sind einige kleine Häuser mit roten Dächern. 3 min
Im Video: Behörden sperrren Campingplatz am Schachtsee in Wolmirstedt. Bildrechte: Tom Gräbe/MDR

Fehlender Brandschutz Behörden machen Campingplatz am Schachtsee in Wolmirsleben dicht

03. April 2025, 18:07 Uhr

Schon zu DDR-Zeiten campten Menschen am Schachtsee in Wolmirsleben. Damit ist nun Schluss. Behörden im Salzlandkreis haben den Campingplatz dicht gemacht. Als Gründe nennen sie fehlende Genehmigungen. Vorausgegangen ist ein jahrelanger Streit zwischen Betreiber und Behörden.

Bauamt und Polizei im Salzlandkreis haben am Mittwoch den Campingplatz am Schachtsee in Wolmirsleben gesperrt. Gäste dürfen das Gelände nicht mehr betreten. Nach Einschätzung der Behörden befinden sich auf dem Camping-Platz etliche Gebäude, die ohne offizielle Genehmigung errichtet wurden – vermutlich schon zu DDR-Zeiten. Laut Bauamt gibt es vor allem Mängel beim Brandschutz.

Schachtsee 2 min
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MDR SACHSEN-ANHALT Mi 02.04.2025 12:12Uhr 01:53 min

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Wie der Salzlandkreis am Mittwochnachmittag mitteilte, hat das Verwaltungsgericht die Maßnahmen überprüft und bestätigt. Demnach haben Behörden bei fachlich begründeten Zweifeln an der Brandsicherheit die Befugnis, ohne Kompromisse zu handeln, um eine Gefahr für Leib und Leben sämtlicher Nutzer auszuschließen.

Jahrelanger Betrieb ohne Genehmigungen

Die Sperrung ist der vorläufige Höhepunkt eines jahreslangen Streits zwischen dem Betreiber des Campingplatzes und den Behörden. Besitzer Joachim Nöske sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er habe in die Anlage investiert, sie sei ausgebaut worden, es habe Konzerte und Veranstaltungen gegeben. Laut Bauamt passierte das alles jedoch ohne die nötigen Genehmigungen.

Campingplatz Wolmirsleben 2015 und 2023

Luftbild des Campingplatzes bei Wolmirsleben im Salzlandkreis im Jahr 2015.
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Luftbild des Campingplatzes bei Wolmirsleben im Salzlandkreis im Jahr 2015.
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Luftbild des Campingplatzes bei Wolmirsleben im Salzlandkreis im Jahr 2023.
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Auslöser des Streits war ein größeres Treffen sogenannter Irish Traveller vor einigen Jahren. Sie gelten als fahrendes Volk. Es kam zu Ruhestörungen und zum Teil gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Behörden begannen, das Gelände genauer zu inspizieren.

Nach eigenen Angaben wirft der Salzlandkreis den Betreibern Tatenlosigkeit vor. Zwei Jahre lang habe man versucht auf sie einzuwirken. Bauliche Veränderungen und Verbesserungen beim Brandschutz habe es aber nicht gegeben. Außerdem heißt es: "Erhebliche Eingriffe in die Natur und das Gewässer wurden in dieser Zeit vom Eigentümer der Fläche nicht rückgängig gemacht", deshalb sei man gezwungen gewesen, zu handeln und den Platz zu schließen.

Betreiber bittet Landrat um Hilfe

Seit Mittwoch (2. April) ist der Campingplatz für Camper und Besucher gesperrt. Betreiber Nöske sagte, der Landrat sollte sich die Situation einmal vor Ort anschauen. Viele Rentner, die hier ihren Lebensabend verbrächten, seien einfach vertrieben worden.

Das sagen Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter

In den sozialen Netzwerken wird das Camping-Aus am Schachtensee stark diskutiert. Unter dem Facebook-Post von MDR SACHSEN-ANHALT wird überwiegend kritisch und emotional diskutiert.

So macht Userin Petra Dreyer etwa ihrem Unmut Luft: "Das ist eine bodenlose Frechheit was hier passiert. Dieser Campingplatz muß weiter existieren."

Userin Christine Kaufmann äußert ebenfalls Unverständnis für die Schließung: "die Camper haben mit ziemlich hohen Kosten nach gesorgt, es mussten überall, an Jedem Grundstück Feuermelder befestigt werden. Sie haben auch nachträglich Auflagen erfüllt auf eigene Kosten."

User Frank Nagel-Turiaux findet: "Wo ein Wille ist, wäre auch ein Weg gewesen! Nachträgliche Baugenehmigung mit Auflagen erteilen und bei Erfüllung zum Wohle der Allgemeinheit gedient!"

Einige Userinnen und User begrüßen die Schließung aufgrund des schlechten Zustands der Anlage sowie insbesondere der Sanitäranlagen. So schreibt Brigitte Wrischalla: "mal über den Zustand dort informieren. Die Toiletten usw sind seit Jahren in einem ekelhaften Zustand. Und nicht nur die. Mal die Rezensionen lesen"

Viele Userinnen und User äußern Kritik am Betreiber, der sich nicht um notwendige Genehmigungen und Instandhaltungen gekümmert habe und unterstützen das behördliche Vorgehen. So kommentiert Steffen Schmoock: "wenn die [Baugenehmigungen] nunmal nicht da sind, dann hat die Behörde das Recht, den Platz stillzulegen. Offensichtlich hat der Eigentümer sich diesbezüglich gar nicht kundig gemacht oder es hat ihn nicht interessiert."

User Heiko Dürre schreibt: "Natürlich muss man da irgendwann einen Schlussstrich ziehen, denn der Betreiber hat offenbar gut verdient, ist seinen Pflichten aber nicht nachgekommen."

Auf die Frage, wer von der Schließung jetzt profitiere, schreibt User Marcel Marci Sauer: "Am Schluss [profitiert] der Betreiber. Das ist zur Zeit Gang und gäbe auf einigen Plätzen. Den die die ihre Hütten abbauen müssen, haben selten Lust nochmal anzufangen, sei es das Alter oder das Geld. Dadurch werden die Dauerplätze frei. Und der Betreiber kann Sie für Tages Gäste zur Verfügung stellen. Es gibt mehr Einnahmen und weniger Diskussionen, wenn es nur Tages Gäste sind und keine Dauerpächter!!"

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MDR (Tom Gräbe, Jörg Wunram, Sebastian Gall, Daniela Schulze) | Erstmals veröffentlicht am 02.04.2025

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. April 2025 | 12:00 Uhr

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