Ein Mann in orangenen Jacken kehrt auf einem Friedhof. 2 min
Abbas Najafi arbeitet seit einigen Wochen im Bauhof in Raguhn-Jeßnitz. Mehr dazu im Audio. Bildrechte: MDR/ Martin Krause
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MDR SACHSEN-ANHALT Fr 28.02.2025 08:23Uhr 02:01 min

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Gemeinnützige Tätigkeiten 80 Cent pro Stunde: So läuft die Arbeitspflicht für Asylbewerber in Anhalt-Bitterfeld

28. Februar 2025, 10:00 Uhr

Immer mehr Kommunen und Landkreise in Sachsen-Anhalt verpflichten Asylbewerber zu einer gemeinnützigen Arbeit. Dafür bekommen die Asylsuchenden eine Aufwandsentschädigung von 80 Cent je Stunde. Während etwa der Flüchtlingsrat diese Jobs scharf kritisiert, berufen sich die Kommunen und Landkreise auf bestehende Gesetze. Und wie läuft es in der Praxis? Ein Blick nach Anhalt-Bitterfeld.

Es nieselt an diesem Vormittag und es ist zudem recht kühl in Thurland, einem Ortsteil der Stadt Raguhn-Jeßnitz. Doch das spätwinterliche Wetter stört Abbas Najafi nicht. Im Gegenteil. Der Iraker versprüht gute Laune. Mit einer Mütze auf dem Kopf harkt er liegengebliebenes Laub auf einem Friedhof. "Ich bin glücklich, ich mag diesen Job, die Arbeit tut mir gut, für Körper und Kopf, es ist viel besser, als nur zu Hause zu sitzen", erzählt der 49-Jährige freundlich auf Englisch.

Abbas Najafi ist vergangenes Jahr nach Deutschland gekommen. Mit seiner Familie hat er eine Wohnung in Wolfen im Kreis Anhalt-Bitterfeld gefunden. Seit wenigen Wochen ist der Iraker nun im Bauhof in Raguhn-Jeßnitz beschäftigt. "Ich fange um 8 Uhr morgens an, dann geht es bis 13 Uhr. Wir sind ein gutes Team, alles hier ist gut", sagt Abbas Najafi und lächelt. Henry Rousseau hört das gern. Er ist der Chef vom Bauhof und freut sich über die Unterstützung.

Helfer in Thurland "haben echt Bock, sich zu integrieren"

"Wir haben jetzt zwei Iraker und einen Helfer aus der Türkei, das funktioniert gut auch mit unseren Kollegen." Die Verständigung gelinge trotz Sprachbarrieren, sagt der Bauhofleiter. Zur Not mit Händen und Füßen. Sonst helfen Übersetzungsprogramme auf dem Handy. Und die Motivation der Asylbewerber? Die ist vorhanden, findet Rousseau. "Die Jungs packen fleißig mit an, man merkt, sie haben echt Bock, sich zu integrieren."

Und Hilfe wird gebraucht, sagt Hannes Loth (AfD), Bürgermeister in Raguhn-Jeßnitz. Bei ihm fragte der Landkreis Anhalt-Bitterfeld im vorigen Jahr an, ob die Gemeinde Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber habe. Loth meldete daraufhin sechs mögliche Beschäftigungsangebote. Hecken schneiden, Rasen mähen, Spielplätze säubern. Der Bedarf sei groß: "Wir sind eine Stadt mit wenig Geld, da ist das Personal knapp. Und wenn wir so unterstützt werden, dann hilft das sehr", so der AfD-Politiker. Symbolpolitik, um Forderungen aus Teilen der Bevölkerung nachzukommen? Loth wiegelt ab. Die Planstellen im Bauhof waren zwar vorher schon voll besetzt. "Aber es gibt so viel Arbeit in den Ortsteilen, die wir kaum stemmen können."

Ein Mann steht vor einem weißen Transporter.
Bauhofleiter Henry Rousseau freut sich über die Unterstützung. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

Ab wann dürfen Geflüchtete arbeiten?

In Deutschland haben Asylbewerber grundsätzlich erst nach drei Monaten Zugang zum Arbeitsmarkt. Wer in einer Aufnahmeeinrichtung lebt, erhält erst nach sechs Monaten eine Arbeitserlaubnis. Auch für Personen mit Duldung sieht das Gesetz zunächst Beschäftigungs-Verbote vor. Geflüchtete können zudem zu gemeinnützigen Arbeiten verpflichtet werden – für 80 Cent pro Stunde. Erfahrungen zeigen, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt und der Aufstieg aus dem Niedriglohnsektor in Sachsen-Anhalt schwierig sein kann.

Auch andere Gemeinden im Kreisgebiet haben inzwischen ihr Interesse bekundet. So werden jetzt in Zerbst Asylbewerber für den Bauhof gesucht, geworben wird zudem um personelle Unterstützung für die Mitarbeiter im Tierheim. Ähnliche Anfragen registriert die Kreisverwaltung aus Bitterfeld-Wolfen, zudem Zörbig und die Gemeinde Osternienburger Land. Auch im benachbarten Kreis Wittenberg haben erste Asylbewerber neue Beschäftigungsangebote angenommen.

Dass es nicht so viele sind wie gewünscht, liege an der "lähmenden Bürokratie", so Landrat Christian Tylsch (CDU): "Wenn jemand Leistungen empfängt, muss man einfach eine zumutbare Arbeit zuweisen können. Die ganze Anhörungspraxis verkompliziert jedoch das Verfahren."

Arbeitspflicht für Asylbewerber ist auch in der Kritik

Aus Sicht des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt sind Pflichtbeschäftigungen und Sanktionen ohnehin das falsche Mittel. Stattdessen müsse den Menschen ein schneller Zugang zu Sprachkursen und zum Arbeitsmarkt gewährt werden. Und auch der Landkreistag Sachsen-Anhalt übt Kritik. Der recht große Verwaltungsaufwand stehe wie so oft in keinem Verhältnis zum überschaubaren Nutzen, heißt es dazu vom kommunalen Spitzenverband der Landkreise.

Hannes Loth sieht das anders. Es funktioniere doch, findet das Stadtoberhaupt von Raguhn-Jeßnitz. Nur die Bezahlung sei mit 80 Cent je Stunde wirklich zu gering. Zumal die Asylbewerber sich selbst versorgen müssten, zuzüglich zu den Kosten für die Arbeitskleidung und Fahrgeld. "Bei uns nicht", sagt der Rathauschef. "Wir kleiden die Helfer ein und holen sie früh ab und fahren sie auch wieder nach Hause und versuchen das für alle so angenehm wie möglich zu halten."

Vier Männer stehen auf einem Friedhof und schauen zum Teil auf ein Handy.
Bürgermeister Hannes Loth im Gespräch mit den Helfern. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

Und Abbas Najafi? Er wirkt zufrieden. Der Iraker träumt davon, sich mit seiner Ehefrau und den drei Kindern hier ein neues Leben aufzubauen. "Ich bin gelernter Kfz-Mechaniker, will auch später wieder in dem Bereich arbeiten, aber erst muss ich Deutsch lernen und solange arbeite ich gern hier im Bauhof", sagt der 49-Jährige. Dann ruft er auf Deutsch fröhlich "Tschüss" – und greift laut lachend wieder zu seiner Harke.

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MDR (Martin Krause, Kalina Bunk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Februar 2025 | 16:40 Uhr

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