Energiesicherheit in Krisenzeiten So kann ein energie-autarkes Eigenheim aussehen
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25. November 2024, 05:00 Uhr
Krieg in Europa, schwankende Energiepreise und viele Ideen aus der Politik rund um die zukünftige Versorgung mit Strom und Wärme: Viele Hausbesitzer machen sich Gedanken um die Versorgung ihrer Gebäude. Wie sinnvoll ist es dafür, voll und ganz auf autarke Häuser zu setzen?
- Hohe Energiepreise und die Umstellung auf klimaneutrale Heizmethoden sind für private Hausbesitzer eine Herausforderung.
- Eine Familie in Südthüringen heizt ihr Haus mit Holz und einer Solaranlage.
- Experten beobachten vor allem die zunehmende Nutzung von Solarenergie.
Hunderte Holzscheite liegen gestapelt in einem Unterstand von Christian Henneberger. Der Holzvorrat des Thüringers wird etwa für die nächsten eineinhalb bis zwei Jahre reichen. Der 44-Jährige schnappt sich etwas Holz und geht durch eine Tür. Denn gleich nebenan steht ein moderner Ofen – ein sogenannter Scheitholzvergaser. Über einen Pufferspeicher wird die darin erzeugte Wärme dann in seinem Wohnhaus verteilt.
Die moderne Heizungsanlage von Christian Henneberger im südthüringischen Behrungen ist ein Weg zu mehr energetischer Unabhängigkeit in Krisenzeiten. In der kalten Jahreszeit sorgt vor allem Holz aus dem eigenen Wald der Familie für wohlige Wärme. Henneberger hat die Anlage beim Neubau seines Hauses installiert. Vor zwei Jahren kam noch eine Photovoltaikanlage dazu. Der darüber eingesammelte Sonnenstrom heizt im Sommer das Wasser zum Duschen. Dann kann die Heizung abgeschaltet werden. Gas und Öl benötigt die Familie nicht. Überschüssigen selbst erzeugten Strom speist sie in das öffentliche Netz ein.
Solarenergie liegt im Trend
Die Anlage von Christian Henneberger liegt im Trend. Das bestätigt auch Energieexperte Timo Leukefeld. Er beschäftigt sich viel mit energieautarkem Bauen und damit, wie Immobilien in Zukunft aufgestellt sein sollten. Leukefeld beobachtet bei Hauseigentümern derzeit zwei Dinge: zum einen den Aufbau von Photovoltaik und der Nutzung von Sonnenstrom und zum anderen die Abkehr von kompletten Heizungssanierungen. "Es gibt einen Absturz der Wärmepumpe und ein Aufstieg von Solarenergie mit Speicher. Ich denke, die Sonne wird auch in Zukunft die billigste Energieform", sagt Leukefeld im Gespräch mit MDR AKTUELL. Außerdem würden gerade viele Infrarotheizungen installiert.
Die Entscheidung, mit welchen Techniken Energie für Häuser bereitgestellt wird, ist nicht einfach. "Wir können heute allein etwa 25 verschiedene Heizungsarten einbauen", sagt Leukefeld. Dabei möchten die Menschen seiner Meinung nach überwiegend eher in Gebäuden leben, die nicht mit Technik vollgestopft sind. Und auf noch etwas macht der Experte aufmerksam: In Zukunft werde aufgrund des Klimawandels und der Dämmtechniken das Heizen an Bedeutung verlieren und das Kühlen an Bedeutung gewinnen. Doch wie sinnvoll ist es, das Haus komplett energie-autark und damit komplett unabhängig von Krisen und Preisschwankungen zu betreiben?
Im Kleinen mit der energetischen Sanierung starten
Diese Frage können sich im Grunde nur Besitzer von Ein- und Mehrfamilienhäusern stellen. Denn Mieter haben so gut wie keine Chance, auf die Energietechniken im Gebäude Einfluss zu nehmen. "Das Eigenheim kann zu 50 bis 70 Prozent autark gemacht werden", sagt Experte Leukefeld. 100 Prozent würden keinen Sinn machen, vor allem weil es aus Kosten-Nutzen-Sicht viel zu teuer wäre. Es sollten erst die kleinen und machbaren Dinge angegangen werden. Welche das genau sind, ob eine Dämmung zum Keller, neue Fenster oder der Aufbau von Solarpanelen, hängt vom jeweiligen Objekt ab.
Laut Leukefeld könnte auch etwa jedes dritte Mietshaus hochgradig energie-autark umgebaut werden. Doch dazu brauche es Anreize für die Vermieter – etwa neue Geschäftsmodelle, um Mietern günstige Energie zur Verfügung zu stellen. Generell gelte jedoch gerade: "Die Mehrheit der Menschen möchte nicht in Klimafreundlichkeit investieren, weil zu viel Druck gemacht wurde. Der Druck muss weg. Begeisterung gibt es dann, wenn der energetische Umbau Nutzen bringt", sagt der Experte abschließend.
Nachhaltiges Bauen mit natürlichen Baustoffen
Christian Henneberger aus Thüringen hat zusammen mit seiner Lebensgefährtin Doreen Freund für ihr Haus den Energiesparpreis des Landkreises Schmalkalden-Meinigen gewonnen. Die Jury lobte dabei nicht nur das Energiekonzept, sondern auch die besonders nachhaltige Bauweise. Holz aus dem eigenen Wald für die Rahmen, Holzfasern für die Dämmung und Lehmsteine für die Wände machen das Haus besonders umweltverträglich. Das Gebäude ist komplett ohne Kunststoff, Folien und Gipskarton entstanden.
Oder wie Bauherr Henneberger es ausdrückt: "Das Haus können meine Nachfahren später einmal einfach auf dem Komposthaufen im Garten entsorgen."
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL TV | 25. November 2024 | 21:45 Uhr
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