Kriminalität Was gegen Gewalt in Bahnhöfen und Zügen unternommen werden soll
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07. Januar 2025, 14:03 Uhr
Die Kriminalität an Bahnhöfen und in Zügen steigt. Nach den neuesten Zahlen der Polizei hat sich dieser Trend auch 2024 fortgesetzt. Im Zeitraum von Januar bis Oktober 2024 gab es an Bahnhöfen und Zügen rund 10.600 Fälle von Körperverletzung. Im gesamten Vorjahr waren es etwa 10.100.
- Es gibt immer mehr Übergriffe in Zügen und an Bahnhöfen – häufig gehen diese von Betrunkenen aus.
- Es braucht mehr Deeskalations- und Präventionsmaßnahmen.
- Experten fordern mehr Personal und technische Unterstützung.
Angriffe auf Personal, Reisende oder Passanten gebe es vor allem an den Bahnhöfen, die rund um die Uhr geöffnet haben, wind- und wettergeschützt sind, weiß Andreas Roßkopf, Vorsitzender für den Bereich Bundespolizei bei der Gewerkschaft der Polizei. "Wo Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind, wo viel Alkohol gekauft und konsumiert werden kann. Deswegen sind es in der Regel die großen Bahnhöfe, die uns Kopfzerbrechen bereiten."
Übergriffe nach Alkoholkonsum in Zügen
Auch in Zügen kommt es zu Übergriffen, im Regionalverkehr deutlich häufiger als im Fernverkehr. Auch hier seien Betrunkene und Fahrgäste unter Drogeneinfluss das Hauptproblem, berichtet Tarek Bannoura, der die Thüringer Geschäftsstelle der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft leitet.
Übergriffe ließen sich insbesondere zur Weihnachtsmarktsaison beobachten, sagt Bannoura. "Oder wenn Oktoberfeste in den Gegenden stattfinden, oder an den Wochenenden in den Morgenstunden, wenn die Menschen aus den Diskotheken und Clubs in die Züge steigen. Da haben wir häufig Übergriffe auf Bahnpersonal."
Eine Bahn-Sprecherin schreibt MDR AKTUELL dazu auf Nachfrage: "Wir beobachten ebenso wie die Behörden eine kontinuierlich sinkende Hemmschwelle für Gewalt."
Prävention und Bodycams für Bahnpersonal
Wie umgehen mit dem Problem? Für Zugpersonal gebe es seit Jahren Deeskalationsschulungen, erzählt EVG-Sprecher Bannoura. Erste Unternehmen würden ihre Angestellten mit Bodycams oder Pfefferspray ausstatten.
Idealerweise müsse man aber über Prävention reden. Dazu gehöre auch, mehr Kapazitäten und damit mehr Platz in den Regionalzügen zu schaffen. Denn die seien durch das 58-Euro-Ticket teils einfach zu voll. "Menschen müssen gequetscht in den Zügen stehen, bleiben teilweise auch an den Bahnsteigen stehen und das sorgt natürlich auch für Aggressionen", sagt Bannoura.
Außerdem fehle es an der Wertschätzung für die Kolleginnen und Kollegen in den Zügen: "Häufig werden die Kollegen nach einem Übergriff angerufen, und die erste Frage ist, wann sie wieder arbeiten gehen könnten und das geht gar nicht", sagt Bannoura.
ProBahn: Betroffene brauchen schnell Ansprechpersonen bei Vorfällen
Michael Koch, Vorstandsmitglied beim Fahrgastverband ProBahn betont, dass es für Reisende das Wichtigste sei, bei Problemen schnell eine Ansprechperson zu finden, vor allem abends und nachts: "Das kann Sicherheitspersonal sein, das da ist und mithilft. Das bringt nichts, wenn das in dem Nachmittags- oder im Mittagszug um 12 fährt, wo tendenziell weniger passiert."
Mehr Personal fordert auch GdP-Bezirksvorstand Roßkopf für die Bundespolizei, um genau zu sein 3.500 Beamte zusätzlich zu den 5.500, die derzeit an den deutschen Bahnhöfen im Einsatz sind. Diese Polizistinnen und Polizisten müssten die Möglichkeit bekommen, ohne Anlass Personen zu kontrollieren. Auch KI-gestützte Videoüberwachung wäre nötig – also Kameras, die Gesichter und Verhalten erkennen können.
Die Bahn teilte zu diesem Punkt mit, dass sie gemeinsam mit der Bundespolizei neue Techniken erprobe. Die Videoüberwachung sei vergangenes Jahr ausgebaut worden, inzwischen hingen in über 80 Prozent der Nahverkehrszüge Kameras.
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 07. Januar 2025 | 06:04 Uhr
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