Invasive Art Waschbären breiten sich weiter in Deutschland aus

02. April 2025, 16:31 Uhr

Im Nordosten und der Mitte Deutschlands melden mittlerweile über 90 Prozent der Jagdreviere Waschbär-Vorkommen. Der Deutsche Jagdverband fordert eine staatliche Förderung der Fangjagd – auch, weil seltene Amphibien auf dem Speiseplan des Raubtieres stehen.

Der Waschbär ist weiter auf dem Vormarsch in Deutschland. Daten aus 24.084 Jagdrevieren in Deutschland bestätigen das – sowohl was Sichtungen, als auch was zur Strecke gebrachte Tiere angeht. Für das Jahr 2023 haben 69 Prozent der meldenden Jagdreviere Waschbär-Vorkommen gemeldet – das sind laut Deutschem Jagdverband (DJV) fast 75 Prozent mehr als 2011.

Ähnlich ist die Entwicklung bei den zur Strecke gebrachten Waschbären. Diese Zahl hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt, von rund 96.000 auf etwa 239.000. Besonders bemerkenswert dabei: ein neuerlicher deutlicher Anstieg im vergangenen Jahr nach zuletzt vier recht konstanten Jahreswerten.

Ostdeutschland und Hessen sind Waschbär-"Hotspots"

Verbreitungsschwerpunkte hat der Waschbär im Nordosten und in der Mitte Deutschlands: In Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt haben 2023 über 90 Prozent der teilnehmenden Reviere sein Vorkommen gemeldet, zeigen laut DJV die ausgewerteten Daten des Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands (WILD).

Und auch hier gleichen sich die Trends bei Beobachtungen von lebenden Tieren und bei zur Strecke gebrachten. Wenn man letztere ins Verhältnis zur Größe der einzelnen Bundesländer setzt, ist Hessen Spitzenreiter bei der Waschbär-"Dichte". Danach folgen sofort die fünf ostdeutschen Flächenländer, angeführt von Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Waschbär hat Rotfuchs in vielen Bundesländern überholt

Dort, wo der Waschbär sich schon besonders stark ausgebreitet hat, hat er mittlerweile sogar den Rotfuchs in der Jagdstatistik überholt. Besonders groß ist der Vorsprung in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. In Thüringen gab es noch etwas mehr zur Strecke gebrachte Rotfüchse als Waschbären, aber auch dort ist die Tendenz der letzten Jahre klar: immer mehr Waschbären.

Ganz anders sieht das derzeit (noch?) in Bayern aus. Dort gab es fast 20-mal so viele zur Strecke gebrachte Rotfüchse wie Waschbären.

Waschbären können für andere Tierarten bestandsbedrohend sein

2023 hat im Rahmen des Verbundprojektes ZOWIAC (Zoonotische und wildtierökologische Auswirkungen invasiver Carnivoren) ein Team rund um den Parasitologen Sven Klimpel das Jagdverhalten von Waschbären in ausgewählten Naturschutzgebieten untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die invasiven Raubtiere in bestimmten Gebieten eine bestandsbedrohende Auswirkung auf unterschiedliche, teilweise stark gefährdete Amphibien- und Reptilienarten haben.

"Wir konnten mittels modernster genetischer Analysemethoden eindeutig nachweisen, dass Grasfrösche, Erdkröten und Gelbbauchunken zu den Beutetieren von Waschbären zählen", erklärte Klimpel damals. Fraßspuren um die Laichgründe deuteten zudem darauf hin, dass Waschbären dazu fähig sind, Erdkröten vor dem Verzehr zu häuten, um deren Giftdrüsen auszuweichen. "In einem Naturschutzgebiet in Osthessen wurden in einer Stunde über 400 gehäutete Kröten gezählt – ein wirklich deprimierender Rekord", sagte Timo Spaniol, Gebietsbetreuer vom Nabu.

In weitergehenden Laboruntersuchungen an der Goethe-Universität konnte damals der Nachweis erbracht werden, dass Waschbären auch einheimische Schlangen erbeuten – in den Mageninhalten der Tiere wurden Gewebereste und Knochen von Ringelnattern gefunden. Auch eine während der Eiablage gefressene seltene Äskulapnatter wurde entdeckt. Annette Zitzmann von der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen zeigte sich alarmiert: "Es wurde Waschbär-DNA sowohl auf der Schlange als auch an den geöffneten Eiern nachgewiesen. Die Äskulapnatter ist sehr selten und wird in den Roten Listen als 'stark gefährdet' eingestuft. Naturschutzrechtlich ist sie streng geschützt."

DJV fordert staatliche Förderung der Waschbären-Fangjagd

Für das Management der invasiven gebietsfremden Art sei insbesondere die Jagd wichtig, betont der Deutsche Jagdverband. "Der DJV fordert deshalb von der Politik ein klares Bekenntnis – auch zur Fangjagd", heißt es in einer Erklärung. Laut DJV werden derzeit etwa 40 Prozent der zur Strecke gebrachten Waschbären mit einer Falle gefangen, was aber sehr zeitaufwändig und auf Dauer recht preisintensiv ist. Deshalb wäre dem DJV eine staatliche Förderung am liebsten.

Fakt ist, der Wildbestand in Wald und Flur hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Das zeigt allein die Jagdstatistik. Bei den Waschbären hat die Zahl seit 2013/14 um fast 150 Prozent zugenommen, sich also verzweieinhalbfacht. Eine ähnliche Quote, aber bei deutlich geringerer Gesamtstückzahl, gibt es nur bei Sikahirschen. Diese eher kleine Hirschart stammt ursprünglich aus Ostasien, war also wie der Waschbär früher nicht bei uns heimisch.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | MDR Aktuell | 01. April 2025 | 22:02 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/746d6922-46a0-4bce-a423-b7f3ea653dda was not found on this server.