Ein schlanker Zitronenhai im Wasser.
Bildrechte: Albert Kok

Wissen-News Schlanker Riese: Urzeit-Hai Megalodon war gar kein bulliger Jäger

10. März 2025, 14:16 Uhr

Der Urzeit-Hai Megalodon war geradezu riesig. Das ist in der Forschung unstrittig, denn es gibt Funde von riesigen Zähne, die das belegen. Deshalb dachte man bisher, dass er wie ein riesiger, massiger Weißer Hai ausgesehen haben müsste. Doch das ist offenbar ein Irrtum: Der ausgestorbene Gigant war offenbar ein überraschend schlanker Jäger und Reisender.

Nur seine riesigen Zähne und ein paar Wirbel bezeugen heute noch die Existenz des riesigen Urzeit-Hais Megalodon (Otodus megalodon). Deshalb war es lange ein großes Rätsel, wie er wohl ausgesehen haben mag. Die ähnlich gezackten Zähne jedenfalls ließen viele vermuten: Megalodon muss eine riesige Version des bulligen Weißen Hais gewesen sein. Doch ein internationales Forschungsteam zeigt jetzt, dass Megalodon zwar ein gigantisch großer, aber deutlich schlankerer Riese war als bisher vermutet worden ist. Seine Form ähnele eher der eines schlanken, langgestreckten Zitronenhais, schlussfolgern die Forschenden.

Das Forschungsteam beziffert die Länge des Urzeit-Riesen auf 24 Meter und schätzt sein Gewicht auf rund 94 Tonnen. Das entspricht etwa den Werten eines Blauwals – also dem aktuell größten Lebewesen der Welt. Doch der Körper des Megalodons dürfte eher zylindrisch gewesen sein, so das Forschungsteam. Das habe vermutlich dem energieeffizienten Reisen gedient. Anders als beim Weißen Hai sei der Körper also nicht nur auf die Hochgeschwindigkeitsjagd ausgelegt gewesen, sondern es habe sich eher um eine Mischung aus blitzschnellem Jäger und gemütlich dahingleitendem Reisenden gehandelt.

Grafische Darstellung des überarbeiteten Körperumrisses des ausgestorbenen Megalodons (Otodus megalodon). Die genaue Form, Größe und Position der meisten Flossen ist anhand der vorliegenden Fossilien nicht bekannt. Ein erwachsener Mensch ist zum Größenvergleich abgebildet - tatsächlich existierten die beiden Arten nie nebeneinander.
Diesen Körperumriss dürfte der bis zu 24,3 Meter lange Großzahnhai Otodus megalodon gehabt haben. Der Taucher dient dem Größenvergleich: Megalodon und Homo sapiens haben nie zur gleichen Zeit gelebt. Bildrechte: DePaul University/Kenshu Shimada

Das Forschungsteam hat seine Schlüsse nicht wie bisher allein aus Zahnanalysen gewonnen, sondern die versteinerte, etwa elf Meter lange und fast vollständige Wirbelsäule eines Megalodon mit der von 165 lebenden und ausgestorbenen Haiarten verglichen. Dabei untersuchten sie das Verhältnis von Kopf, Körper und Schwanz. Das Ergebnis: Das versteinerte Exemplar dürfte gut 16 Meterlang gewesen sein und rund 30 Tonnen gewogen haben.

Andere Wirbelfunde seien aber weitaus größer gewesen, sodass es naheliegend sei, dass mehrere Jahrzehnte alte Megalodons mehr als 24 Meter Länge erreichen konnten. Als Neugeborenes waren die Tiere womöglich schon bis zu vier Meter lang, glauben die Forschenden. Damit wäre ein Megalodon-Baby schon so groß gewesen wie viele ausgewachsene Haie heute. Es sei auch gut möglich, dass sie schon kurz nach der Geburt auf Jagd gegangen seien.

Zahn von Megalodon und Weißem Hai
Zahnvergleich: Links der riesige Zahn des Megalodons - rechts der des Weißen Hais. Bildrechte: MPI for Evolutionary Anthropology

Der Urzeit-Hai Megalodon hat vor rund 15 bis 3,6 Millionen Jahren gelebt und ist in den Ozeanen auf der ganzen Welt vorgekommen. Bisher wurde jedoch noch kein ganzes Skelett gefunden, sondern nur einzelne Zähne und Wirbel. Deshalb müssen Forschende zur Bestimmung von Größe und Form auf Ableitungen zurückgreifen. Und so betonen auch diese Forschenden: Erst der Fund eines vollständigen Skeletts wird Sicherheit bringen.

Link zur Studie

Shimada, Kenshu et. al.: Reassessment of the possible size, form, weight, cruising speed, and growth parameters of the extinct megatooth shark, Otodus megalodon (Lamniformes: Otodontidae), and new evolutionary insights into its gigantism, life history strategies, ecology, and extinction. In: Palaeontologia Electronica, Article number: 28.1.a12, März 2025. DOI: https://doi.org/10.26879/1502.

(kie/dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. März 2025 | 13:30 Uhr

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