
Anthropologie Gen-Untersuchungen aus dem multi-ethnischen, feministischen Reich der Xiongnu
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19. April 2023, 14:20 Uhr
Die Xiongnu waren das erste Nomadenreich der Geschichte und lebten in der mongolischen Steppe – rund 1.500 Jahre vor den Mongolen. Dass sie bislang vergleichsweise unbekannt sind, liegt auch daran, dass viele Einzelheiten über das Volk erst jetzt ans Licht kommen. Die Xiongnu hatten nämlich kein Schriftsystem, das heute als Quelle für historische Informationen dienen könnte.
Um das Innenleben des scheinbar rätselhaften Imperiums besser zu verstehen, führte ein internationales Team von Forschern der Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig, der Seoul National University, der University of Michigan und der Harvard University eine eingehende genetische Untersuchung von zwei Xiongnu-Friedhöfen durch. Dabei fiel auf, dass die Individuen auf beiden Friedhöfen eine extrem hohe genetische Vielfalt aufwiesen. Die Xiongnu waren demnach ein "multi-ethnisches" Reich, das sich aus Menschen zusammensetzte, die aus weit entfernten Teilen des Xiongnu-Reiches und darüber hinaus stammten.
Außerdem fiel den Forschenden bei der Untersuchung der Gräber auf, dass hochrangige Bestattungen überproportional oft mit Frauen in Verbindung gebracht wurden. Frauen scheinen bei der Expansion des Xiongnu-Reiches eine prominente Rolle gespielt zu haben. "Frauen hatten als Agentinnen des kaiserlichen Staates der Xiongnu entlang der Grenze große Macht, oft in exklusiven Adelsrängen, hielten die Traditionen der Xiongnu aufrecht und engagierten sich sowohl in der Steppenmachtpolitik als auch in den sogenannten Seidenstraßen-Austauschnetzwerken", sagt Dr. Bryan Miller, Projektarchäologe und Assistenzprofessor für zentralasiatische Kunst und Archäologie an der University of Michigan.
Die Studie Genetic population structure of the Xiongnu Empire at imperial and local scales gibt es hier nachzulesen.