Mittwoch, 12.07.2023: Zugrunde gehen
Ich bin schon öfter umgezogen, meistens im Sommer. Aber an den letzten Umzug vor drei Jahren werde ich mich noch lange erinnern. Mitte Februar. Minus 22 Grad und überall tonnenweise Schnee. Die Straße, in der ich gewohnt habe, war so mit Schnee zugeschüttet, dass man die dort geparkten Fahrzeuge und die Parkplätze gar nicht freimachen konnte.
Na ja… das Traurigste dabei war aber, dass bei den hohen Minustemperaturen viele von meinen Zimmerpflanzen richtig gelitten haben. Nach und nach bekamen sie gelbe Blätter. Ich dachte, sie gehen alle zugrunde. Ein bekannter Gärtner gab mir aber einen Ratschlag: Schneide die Pflanzen ganz am Boden ab. Die Pflanzen werden sich noch erholen. Tatsächlich, nach ein paar Wochen kamen neue grüne Triebe raus.
Wenn jemand sagt, dass etwas zugrunde geht, meint er das eher negativ. Die Wissenschaftler sagen z.B.: Wenn wir nichts unternehmen, dann geht unser Planet zugrunde. Mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine sagte man, dass der Frieden in Europa wieder zugrunde gegangen ist. Wenn etwas zugrunde geht, dann geht etwas kaputt - so die Logik.
Es gibt aber auch die andere Seite. Diese entdecken wir in der Bibel, im Johannesevangelium. Dort steht nämlich geschrieben: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Das heißt: Damit etwas Neues wachsen kann, muss vorher das Alte, das nicht mehr trägt, Platz machen.
Dann kann man wieder der eigentlichen Sache auf den Grund gehen und sich auf die Wurzeln besinnen. Es könnte nämlich sein, dass das, was in der letzten Zeit auf der Oberfläche gewachsen ist und zu sehen war, inzwischen das zugewuchert hat, was am Anfang der Kern, die Ursache oder der Ursprung des Ganzen war.
In dem Moment, in dem ich meine Pflanzen von den halbtoten Blättern befreit hatte, kamen später saftig-grüne Knospen raus. Also! Wenn etwas zugrunde geht, muss das nicht gleich das Ende bedeutet. Es kann auch ein Beginn von etwas Neuem sein.
Seite 4 von 6