Nach den Landtagswahlen Bischöfe aus Mitteldeutschland: "Verantwortungsvoller Dialog" gefordert
Hauptinhalt
04. September 2024, 04:00 Uhr
Nach den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen folgen nun Koalitionsgespräche, die Konstituierung des Parlaments und die Bildung neuer Regierungen. Aus Sicht der mitteldeutschen Bischöfe braucht es in der Gesellschaft einen neuen Umgang miteinander.
Die evangelischen und katholischen Bischöfe in Thüringen und Sachsen haben sich besorgt über den Ausgang der Landtagswahl am Sonntag geäußert. Der mitteldeutsche evangelische Landesbischof Friedrich Kramer ermutigte dennoch Politikerinnen und Politiker, neue Wege der Zusammenarbeit zu gehen. "Um eine Mehrheitsfähigkeit zu ermöglichen, braucht es wohl ein ganz neues Nachdenken darüber", sagte Kramer am Montag in Erfurt.
Es sei wichtig, nach zukunftsfähigen Lösungen zu suchen, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), zu deren Gebiet auch der überwiegende Teil Thüringens gehört. Bereits jetzt sei klar, dass es nicht einfach sei, eine Regierung zu bilden. Wichtig dabei sei, miteinander Politik zum Wohle des Landes und der Menschen gestalten zu wollen.
Ablehnende Haltung zur AfD bekräftigt
Kramer erneuerte seine ablehnende Haltung zur AfD. Zu der in Thüringen als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei habe sich die Kirchenleitung in dem Wort zum Wahljahr "Herz statt Hetze" klar geäußert. "Wir bleiben bei dieser Meinung", sagte der Theologe. Man werde weiterhin für ein weltoffenes und lebendiges Thüringen eintreten.
Der katholische Bischof von Erfurt Ulrich Neymeyr appelliert ebenfalls "an alle demokratischen Parteien, sich zum Wohle unseres Landes rasch auf eine arbeitsfähige Koalition zu einigen, auch jenseits bisher geübter Konstellationen". Er ermutigte alle Verantwortlichen, den Willen zur gemeinsamen Problemlösung über eigene parteipolitischen Ziele zu stellen.
Neuer Umgang miteinander gefragt
Auch die Bischöfe der evangelischen Landeskirche Sachsens und des Bistums Dresden-Meißen, Tobias Bilz und Heinrich Timmerevers, werben im Ergebnis der Landtagswahl für einen neuen Umgang miteinander. In der Politik und in der Zivilgesellschaft brauche es Menschen, die sich einbringen, unterschiedliche Positionen aushalten und konstruktive Lösungen suchen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
Darin appellierten Bilz und Timmerevers: "Menschenfeindlichkeit sowie extremistischem und nationalistischem Gedankengut keinen Platz in unserem Land zu geben".
Mit Blick auf den neu gewählten Landtag, der die Vielfalt der sächsischen Gesellschaft widerspiegele, forderten die Bischöfe zum "verantwortungsvollen Dialog" auf. Hinter den Ergebnissen stünden Hoffnungen von Menschen, "dass ihre Anliegen ernst genommen werden", erklärten sie.
Quelle: epd; DPA
Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Religion und Gesellschaft | 18. Februar 2024 | 09:05 Uhr