Palästinenser inspizieren beschädigte Häuser, nachdem israelische Kampfflugzeuge ein Haus bombardiert hatten.
In Rafah haben mehr als eine Million Menschen Zuflucht vor den Kämpfen zwischen Israels Armee und der Hamas gesucht. Bildrechte: picture alliance/dpa | Abed Rahim Khatib

Krieg in Nahost Israel hält Grenzübergang Rafah unter Kontrolle - Gaza-Verhandlungen unter Hochdruck

08. Mai 2024, 00:49 Uhr

Israelische Soldaten sind in der Nacht zu Dienstag in Teile der Stadt Rafah vorgerückt. Die Armee übernahm nach eigenen Angaben auch die Kontrolle des Grenzübergangs auf palästinensischer Seite. International herrscht weiter große Sorge angesichts des militärischen Geschehens. Derweil traf eine israelische Delegation in Kairo zu Gesprächen über eine Waffenruhe und die Freilassung der Hamas-Geiseln ein. Die Verhandlungen finden unter großem Druck statt.

Die israelische Regierung hält trotz massiver internationaler Kritik an ihren Plänen für eine Bodenoffensive in Rafah fest. Soldaten rückten in der Nacht zu Dienstag in Teile der Stadt an der Grenze zu Ägypten vor. Die Armee übernahm nach eigenen Angaben auch die Kontrolle des Grenzübergangs auf palästinensischer Seite. Die Streitkräfte erklärten, der Einsatz sei begrenzt und richte sich gegen "sehr spezifische Ziele". In der Nacht hatte die Armee die Stadt zudem aus der Luft angegriffen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Mitarbeiter zweier Krankenhäuser in der Stadt sprachen von insgesamt 27 Todesopfern.

Am Montag hatte Israel die Bewohner im Osten Rafahs zur Evakuierung aufgerufen. In der Stadt haben mehr als eine Million Menschen Zuflucht vor den Kämpfen zwischen Israels Armee und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas gesucht. Die israelische Regierung bezeichnet die Stadt als letzte verbliebene Hochburg der Hamas.

Israelische Delegation in Kairo zu Verhandlungen eingetroffen

Unterdessen traf eine israelische Delegation nach Angaben von Regierungschef Benjamin Netanjahu zu Gesprächen über eine Waffenruhe und die Freilassung von Hamas-Geiseln in Kairo ein. Verteidigungsminister Joav Gallant erklärte, Israel sei für die Freilassung der Geiseln zu "Kompromissen" bereit. Wenn aber "diese Option nicht verfügbar ist, werden wir den Einsatz intensivieren", fügte er mit Blick auf den Militäreinsatz hinzu.

Hamas-Vertreter hatten zuletzt am Wochenende in Kairo Gespräche mit Vermittlern aus Ägypten und Katar geführt. Der erhoffte Durchbruch blieb zunächst aus. Am Montag erklärte die Hamas, dass sie dem Plan der Vermittlerstaaten zugestimmt habe. Israel gab jedoch an, der Hamas-Vorschlag sei weit von den eigenen Forderungen entfernt. Ein ranghoher Hamas-Vertreter warnte, die Verhandlungen seien Israels "letzte Chance" für eine Freilassung der israelischen Geiseln.

Baerbock warnt vor Großoffensive in Rafah

International herrscht indes große Sorge angesichts des militärischen Geschehens im Gazastreifen. UN-Generalsekretär António Guterres gab sich "beunruhigt und erschüttert" und forderte Israel dazu auf, die Grenzübergänge zum Gazastreifen umgehend wieder zu öffnen und "jede Eskalation zu stoppen". Bundesaußenministerin Annalena Baerbock erneuerte ihre eindringlichen Warnungen "vor einer Großoffensive auf Rafah". Eine Million Menschen könnten sich nicht in Luft auflösen, erklärte die Grünen-Politikerin im Onlinedienst X.

afp/dpa (mze)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 06. Mai 2024 | 20:37 Uhr

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