Foto von Alexej Nawalny und Blumen vor der russischen Botschaft in London
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Toter Kremlkritiker Leiche Nawalnys mindestens zwei Wochen unter Verschluss

20. Februar 2024, 21:25 Uhr

Die Leiche von Alexej Nawalny soll weitere zwei Wochen unter Verschluss bleiben. Das gab eine Sprecherin des am Freitag verstorbenen russischen Oppositionspolitikers bekannt. Als Reaktion auf den Tod Nawalnys bestellte das Außenministerium unterdessen den russischen Botschafter ein.

Nach Angaben seines Teams wird die Leiche des russischen Kremlkritikers Alexej Nawalny noch mindestens zwei Wochen unter Verschluss bleiben. "Die Ermittler haben den Anwälten und der Mutter von Alexej gesagt, dass sie die Leiche nicht herausgeben", so Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch am Montag auf X (ehemals Twitter). Demzufolge seien anstehende "chemische Untersuchungen" am Leichnam als Grund für die weitere Einbehaltung genannt worden. "Ich sage es noch mal: Nawalnys Leiche wird versteckt, um die Spuren des Mordes zu verwischen."

Die Witwe des in Haft gestorbenen Kremlkritikers, Julia Nawalnaja, beschuldigte den russischen Präsidenten Wladimir Putin am Montag auf dem Nachrichtendienst X, hinter dem Tod ihres Mannes zu stecken. Sie hatte sich erst am Montag bei dem Dienst angemeldet und kündigte unter anderem an, den Kampf Nawalnys gegen den Machtapparat in Russland fortsetzen zu wollen. Innerhalb eines Tages stieg daraufhin die Zahl ihrer Leser bei X auf 90.000.  

Daraufhin wurde der Zugang zum Eintrag von Nawalnaja zunächst beschränkt. Leser konnten ihn nur noch mit einem direkten Link erreichen. Später dann wurde das gesamte Profil für etwa eine Stunde gesperrt. Auch nach Aufhebung der Sperrung blieb es daraufhin Medienberichten zufolge weiter nur begrenzt zugänglich.

X erklärte, der Abwehrmechanismus der Plattform gegen Manipulation und Spam habe den Account von Julia Nawalnaja zuvor fälschlicherweise als Verstoß gegen die Regeln gekennzeichnet. Als der Fehler bemerkt worden sei, sei das Konto wieder freigeschaltet worden.

Außenministerium bestellt russischen Botschafter ein

Als Reaktion auf den Tod Nawalnys hat das Außenministerium in Berlin am Montag den russischen Botschafter einbestellt. Die politisch motivierten Verfahren gegen Nawalny sowie gegen zahlreiche weitere Kritiker der russischen Regierung und die unmenschlichen Haftbedingungen zeigten, wie brutal die russische Justiz gegen Andersdenkende vorgehe und mit welchen Mitteln Präsident Wladimir Putin Meinungsfreiheit in Russland unterdrücke, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. "Wir verurteilen dies auf das Allerschärfste und fordern ausdrücklich die Freilassung aller in Russland aus politischen Gründen Inhaftierten." Auch Finnland, Schweden sowie die baltischen Staaten bestellten inzwischen Vertreter der russischen Botschaften in ihren Ländern zu Gesprächen ein.

Russland: Einmischung in innere Angelegenheiten

Die Bundesregierung fordert von Russland die vollständige Aufklärung der Todesumstände sowie die Freigabe der Leiche an die Familie. Das teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit mit. Die russische Botschaft bestätigte die Einberufung von Botschafter Sergej Netschajew ins Außenministerium und warf Deutschland eine Einmischung in innere Angelegenheiten vor. "Deutsche Vertreter wurden darauf hingewiesen, dass es sich bei dieser Situation um eine ausschließlich innere Angelegenheit der russischen Seite handelt, die, wie schon erklärt wurde, eine in solchen Fällen ordnungsgemäße professionelle Ermittlung durchführen wird", schrieb die Behörde bei Telegram.

EU und USA planen weitere Sanktionen gegen Russland

Die Europäische Union möchte nun weitere Sanktionen gegen Russland auf den Weg bringen. Es gehe darum, diejenigen zu identifizieren, die für den Tod des Kreml-Kritikers direkt verantwortlich seien, sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Details gab er nach einem Treffen der europäischen Außenminister am Montag jedoch nicht bekannt. Wie Bundesministerin Annalena Barbock (Grüne) erklärte, solle dazu ein spezielles EU-Sanktionsinstrument zur Bestrafung von schweren Menschenrechtsverstößen zum Einsatz kommen. Auch die USA prüfen derzeit die Möglichkeit weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Das teilte US-Präsident Joe Biden am Montag in Washington in einem Gespräch mit Journalisten mit.

Nawalnys Mutter fordert Herausgabe der Leiche

Die Mutter von Alexej Nawalny forderte den russischen Präsidenten zur Herausgabe der Leiche ihres Sohnes auf. "Ich wende mich an Sie, Wladimir Putin. Die Entscheidung der Frage hängt nur von Ihnen ab. Lassen Sie mich doch endlich meinen Sohn sehen", sagte Ljudmila Nawalnaja in einem Video vor dem Stacheldraht des sibirischen Straflagers. Schon den fünften Tag warte sie darauf, Nawalny sehen zu dürfen.

"Ich fordere, unverzüglich den Körper Alexejs herauszugeben, damit ich ihn auf menschliche Weise beerdigen kann", sagte sie. Sie erhalte bisher weder den Leichnam noch werde ihr gesagt, wo der Körper aufbewahrt werde. Nach russisch-orthodoxem Brauch werden Verstorbene eigentlich spätestens am dritten Tag nach ihrem Ableben beerdigt.

Plötzlicher Tod in sibirischem Straflager

Nach Angaben der russischen Strafvollzugsbehörde war Nawalny am Freitag in einem sibirischen Straflager am Polarkreis im Alter von 47 Jahren plötzlich gestorben. Demnach sei der bekannte Kremlkritiker bei einem Hofgang zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche verliefen nach Angaben des Strafvollzugs erfolglos. Nawalnys Team macht den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Tod des Oppositionspolitikers verantwortlich.

dpa, AFP, KNA (mbe)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Februar 2024 | 18:00 Uhr

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