
Tourismus Wie ein DDR-Gebäude in Bad Blankenburg zum Wellness-Hotel wird
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26. Februar 2025, 15:54 Uhr
Die frühere Verwaltung des VEB Transportgummi in Bad Blankenburg ist noch vom Gerüst verdeckt. Dahinter eine Aluminiumfassade und große Fensterflächen. Ein Familienunternehmen baut das fünfstöckige Haus zum Wellness-Hotel um. Was genau sie planen und welche Rolle Sternekoch Nelson Müller dabei spielt.
Auf dem Grundstück rollen die Bagger, im Inneren wird auf allen Etagen gebaut. Vieles ist noch im Rohbau, doch schon Ende Juni sollen hier die ersten Gäste einchecken. Nicht mehr viel Zeit also - doch Seniorchef Georg Jahn lässt sich die Anspannung nicht anmerken: "Wir stehen für Termintreue und gute Qualität", sagt er. "Und das wollen wir natürlich auch bei unserem eigenen Projekt beweisen."
Die Firma Jahn hat ihren Sitz gleich nebenan auf dem gleichen Grundstück. Das Unternehmen hat sich deutschlandweit einen Namen gemacht als Partner für Systemgastronomie und kennt sich mit Großprojekten aus. Ausstattungen von Autobahn-Raststätten, Tankstellen und vielen bekannten Burger-Restaurants sind in Bad Blankenburg entstanden.
Eine Zeit lang hatten wir hier sogar mal einen kompletten Tankstellen-Shop im Erdgeschoss aufgebaut.
Das alte Verwaltungsgebäude des VEB Transportgummi in Bad Blankenburg haben sie schon vor längerer Zeit gekauft und suchten lange nach einer Nachnutzung. "Eine Zeit lang hatten wir hier sogar mal einen kompletten Tankstellen-Shop im Erdgeschoss aufgebaut", erzählt Juniorchef Tobias Jahn. "Das war quasi unser Musterzimmer."
Hotel war lange Zeit nicht geplant
Trotzdem: Dass hier einmal ein Wellness-Hotel stehen würde, war lange Zeit kein Thema. Erst der Kontakt zu Sternekoch Nelson Müller brachte die ersten Ideen. Ein Hotel war da aber noch nicht im Gespräch, sagt Georg Jahn: "Wir wollten erst nur ein Restaurant hier reinbauen, aber da sagten viele: Wenn hier Gäste kommen, wollen die hier auch mal übernachten."
Wir haben hier die Feengrotten, die Hohenwarte-Talsperre und in Bad Blankenburg die Burg Greifenstein, das Schwarzatal.
Viele Jahrzehnte war Bad Blankenburg nicht nur Kurstadt, sondern als Eingangstor zum Schwarzatal auch Urlaubermagnet. Viele Besucher kamen zu DDR-Zeiten in die Region. Doch das ist lange her, immer mehr Hotels und Pensionen machten zu. Viele Betreiber fanden auch keine Nachfolger.
Dabei hat Bad Blankenburg jede Menge Potenzial, sagt der zukünftige Hotelmanager Florian Hollburg: "Wir haben hier die Feengrotten, die Hohenwarte-Talsperre und in Bad Blankenburg die Burg Greifenstein, das Schwarzatal…" Auch als Lavendel- und Fröbelstadt könne Bad Blankenburg punkten.
50 Zimmer mit 92 Betten auf vier Etagen
Die Jahns wollen der Region nach eigenen Worten mit ihrem Hotelprojekt etwas zurückgeben. Viel zu lange habe der Tourismus hier ein Schattendasein gefristet, sagt Georg Jahn. "Zeit, dass sich das ändert." Auch, dass ein großes Hotel-Projekt im benachbarten Schwarzburg lange nicht vorankam und nun aufgrund der Insolvenz der Planerin wohl endgültig in der Schublade verschwindet, hat Georg Jahn nicht abgeschreckt.
"Dort wurde viel zu lange und viel zu viel geredet", sagt er. "Wir haben einfach geplant und dann angefangen zu bauen und sind erst danach mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen."
Das neue Hotel soll mehr Menschen in die Region locken. 50 Zimmer mit 92 Betten auf vier Etagen. Ein Vier-Sterne-Haus soll das "Morgenroth" werden. 3.000 Quadratmeter Fläche, im Erdgeschoss das Restaurant und eine Eventfläche für Kultur, Tagungen und Feiern. Alles aus nachhaltigen Materialien und energieeffizient, sagt Tobias Jahn.
Die Familie hat sich bewusst gegen einen Neubau entschieden. "Das Haus hat eine gute Bausubstanz, warum sollen wir das alles niederreißen?", fragt Tobias Jahn, der nicht versteht, warum so selten auf das zurückgegriffen wird, was schon da ist.
Das einzige wirklich Neue auf dem Grundstück wird der Wellness-Bereich sein. 400 Quadratmeter groß und von außen optisch dem Haupthaus angegliedert. Viel Grün soll es auf dem Grundstück geben. Außerdem den Blick von der Dachterrasse auf die Burg Greifenstein und ins naheliegende Schwarzatal.
Sternekoch Nelson Müller gestaltet Menü
Die Jahns wollen ihr neues Hotel nicht selbst betreiben, sagen sie. Dafür haben sie sich einen Partner ins Boot geholt: Die tschechische Rodvi GmbH soll das Haus führen. Sie will nach eigenen Worten den Fokus auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit setzen.
Das liege auch Sternekoch Nelson Müller am Herzen, der das Menü gestalten und bei verschiedenen Events vor Ort sein wird, so Tobias Jahn. Die Familie hatte Müller bei den Arbeiten für sein erstes Sterne-Restaurant in Essen kennengelernt.
Sie sind froh, dass jemand in diese Region investiert.
In Bad Blankenburg wird das Projekt mit großem Interesse verfolgt. Viele freuen sich auf das neue Hotel, sagt Seniorchef Georg Jahn. Er hofft, dass das Haus nicht nur in die Region, sondern auch darüber hinaus für Aufmerksamkeit sorgen wird. Die Jahns hoffen auf viele Tagungsgäste mitten im Herzen Deutschlands.
Auch in der Landeshauptstadt Erfurt gebe es viele Unterstützer. "Die Aufbaubank hat uns geholfen und auch bei den touristischen Netzwerkpartnern sind wir auf offene Ohren gestoßen", sagt Tobias Jahn. "Sie sind froh, dass jemand in diese Region investiert."
Über die Baukosten schweigen sich die Jahns aus, doch der finanzielle Umfang der Generalkur für das rund 40 Jahre alte Gebäude dürfte beträchtlich sein. Zum Glück sei die Struktur gut für den Umbau geeignet und habe für den Grundriss viel Spielraum gelassen.
Wenn ich hier vom Restaurant aus dem Fenster schaue, sehe ich schon die große Terrasse, auf der die Gäste dann im Sommer Nelsons Menü genießen können.
Nicht mehr viel Zeit für die Handwerker
Inzwischen arbeiten sich die Handwerker von oben nach unten durch das Gebäude. Während im Dachgeschoss viele Zimmer schon auf Maler und Installateure warten, sind weiter unten noch die Trockenbauer aktiv. In vielen Räumen fehlt noch der Estrichboden. Viele Arbeiten erledigen hier die eigenen Mitarbeiter, sagt Georg Jahn.
Und Tobias Jahn ergänzt: "Wenn ich hier vom Restaurant aus dem Fenster schaue, sehe ich schon die große Terrasse, auf der die Gäste dann im Sommer Nelsons Menü genießen können."
Bis dahin sind es nur noch knapp vier Monate. Für die Handwerker bleibt nicht mehr viel Zeit, den neuen Hotel-Leuchtturm in Bad Blankenburg fertigzustellen.
MDR (adr/jn)
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. Februar 2025 | 19:00 Uhr
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