Schlussabstimmung zur Feststellung des Landeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2025 in der 15. Plenarsitzung des Thüringer Landtags 1 min
Der Landtag in Thüringen hat einen Haushalt für das laufende Jahr beschlossen. Mehr zu den Kulturausgaben im Audio. Bildrechte: IMAGO / Jacob Schröter

Landeshaushalt Thüringen kürzt 3,5 Millionen Euro in der Kultur

04. April 2025, 11:05 Uhr

Nach vielen Beratungen und Änderungen ist im Thüringer Landtag der Haushalt für 2025 beschlossen worden. Das erste Mal seit zehn Jahren kürzt Thüringen dabei in der Kultur, das zeigen MDR KULTUR-Recherchen. Die Einschnitte fallen zwar kleiner aus als erwartet, aber an einer Stelle tut sich eine große Lücke auf. Für den Thüringer Kulturrat ein "ernüchterndes" Ergebnis.

Im Thüringer Landeshaushalt für 2025 wird weniger Geld für die Kultur bereit stehen als noch im Vorjahr. Nach Berechnungen von MDR KULTUR sind von der Brombeer-Regierung in diesem Bereich rund 3,5 Millionen Euro weniger eingeplant. Gespart werden soll vor allem bei der Schlössersanierung und bei Baumaßnahmen an Theatern und Orchestern. Es ist die erste Kürzung im Kulturetat auf Landesebene seit zehn Jahren.

Schlösserstiftung am stärksten von Kürzungen betroffen

Betroffen von den Sparmaßnahmen ist vor allem die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Laut den von Brombeer-Koalition und Linke abgestimmten Änderungsanträgen für den Landeshaushalt, die MDR KULTUR vorliegen, soll sie zwei Millionen Euro weniger für die Schlössersanierung erhalten als benötigt.

Blick auf ein kleines Rokokoschloss in einem Park mit Freitreppe, gelb, rosa, weiß gestrichener Fassade vor blauem Himmel
Das Rokoko-Schloss gehört zu den Dornburger Schlössern. Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Die Stiftung hatte Gelder in Höhe von 13,6 Millionen Euro beantragt, um Baumaßnahmen im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms zu stemmen. Man müsse nun gemeinsam mit dem Kulturministerium beraten, wie man mit dieser Finanzierungslücke umgehen könne, sagte ein Sprecher der Schlösserstiftung.

Weniger Geld für Investitionen bei Theatern und Museen

Auch die Theater müssen im Investitionsbereich mit weniger Geld auskommen, für Bau- und Sanierungsmaßnahmen soll mit 15,3 Millionen Euro etwa eine Million weniger bereit gestellt werden als im Vorjahr. Die grundlegende Finanzierung der Häuser ist jedoch über die bis 2030 geltenden Theaterverträge abgesichert.

Die Zuschüsse für die Freie Szene bleiben in etwa auf der Höhe des Vorjahres. Die Zuschüsse für die kulturellen Verbände wie den Chorverband oder die LAG Soziokultur sinken hingegen etwas ab, es gibt 200.000 Euro weniger.

Ein historisches zweistöckiges Gebäude aus rotem Stein mit großer Freitreppe, vielen Fenstern, zwei Türmen und einer Kuppel.
Die Projektmittel für die Museen bleiben auf dem Niveau von 2024, aber auch hier wird an Baukosten gespart. Bildrechte: imago images/imagebroker

Die Museen in Thüringen müssen in diesem Jahr mit weniger harten finanziellen Einschnitten rechnen als zunächst befürchtet. So wird es 2025 Projektmittel in Höhe von 385.000 Euro für die Häuser geben, das entspricht der Höhe des Vorjahres. Zunächst war geplant worden, hierfür nur 100.000 Euro bereit zu stellen. Dies hätte es für kleine und mittelgroße Museen in diesem Jahr sehr schwierig gemacht, Sonderausstellungen zu finanzieren.

Im Investitionsbereich müssen jedoch auch die Museen mit weniger Geld auskommen: Statt wie zuletzt über fünf Millionen Euro für Bau- und Sanierungsmaßnahmen wird es hier nur noch gut 2,1 Millionen Euro geben. Auch werden Gelder für die Provenienzforschung gekürzt, statt 200.000 Euro soll es nur noch 140.000 Euro geben.

Hier zeigt sich ein deutlicher Mangel an langfristiger Perspektive und angemessener Wertschätzung für die kulturellen Akteure im Land.

Thüringer Kulturrat

Kulturrat Thüringen kritisiert Haushaltspläne

Kritisch äußerte sich der Kulturrat Thüringen zu den Haushaltsplänen: Es bleibe die ernüchternde Tatsache bestehen, dass der Kultur- und Medienhaushalt insgesamt eine reale Kürzung erfahren werde, heißt es in einer Mitteilung, und weiter: "Hier zeigt sich ein deutlicher Mangel an langfristiger Perspektive und angemessener Wertschätzung für die kulturellen Akteure im Land."

Ein Mann mit grauen kurzen Haaren und Brille, hellblauem Hemd und dunkelkarriertem Sakko
Jürg Kasper ist Präsident des Thüringer Kulturrats. Bildrechte: Henry Sowinski

Das Kulturland Thüringen stehe an einem Wendepunkt, argumentiert der Thüringer Kulturrat: "Ohne ausreichende Förderung und Unterstützung droht das schleichende Abschmelzen der kulturellen DNA des Landes." Eine starke, vielseitige und zukunftsfähige Kulturlandschaft benötige professionelle Strukturen und ausreichend finanzielle Mittel, um ihre Vitalität zu erhalten. 

Der Kulturrat Thüringen fordert die Thüringer Landesregierung und den Thüringer Landtag auf, "sich klar zur kulturellen Strahlkraft Thüringens zu bekennen und die Fehler, die im Haushalt 2025 gemacht wurden, im kommenden Doppelhaushalt 2026/27 zu korrigieren." Es sei an der Zeit, dass die Bedeutung der Kultur für das Land und seine Zukunft in einer angemessenen finanziellen Ausstattung zum Ausdruck komme.

Quellen: MDR KULTUR (Mareike Wiemann), Kulturrat Thüringen
Redaktionelle Bearbeitung: hro, tsa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. April 2025 | 15:30 Uhr

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