Landeshaushalt Thüringen kürzt 3,5 Millionen Euro in der Kultur
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04. April 2025, 11:05 Uhr
Nach vielen Beratungen und Änderungen ist im Thüringer Landtag der Haushalt für 2025 beschlossen worden. Das erste Mal seit zehn Jahren kürzt Thüringen dabei in der Kultur, das zeigen MDR KULTUR-Recherchen. Die Einschnitte fallen zwar kleiner aus als erwartet, aber an einer Stelle tut sich eine große Lücke auf. Für den Thüringer Kulturrat ein "ernüchterndes" Ergebnis.
- Von den ersten Kürzungen in Thüringens Kulturetat seit zehn Jahren ist die Schlösserstiftung am stärksten betroffen.
- Bei Theater und Museen sinken voraussichtlich insbesondere die Mittel für Investitionen.
- Der Thüringer Kulturrat kritisiert die Kürzungen und wirft der Landesregierung mangelnde Perspektive und Wertschätzung vor.
Im Thüringer Landeshaushalt für 2025 wird weniger Geld für die Kultur bereit stehen als noch im Vorjahr. Nach Berechnungen von MDR KULTUR sind von der Brombeer-Regierung in diesem Bereich rund 3,5 Millionen Euro weniger eingeplant. Gespart werden soll vor allem bei der Schlössersanierung und bei Baumaßnahmen an Theatern und Orchestern. Es ist die erste Kürzung im Kulturetat auf Landesebene seit zehn Jahren.
Schlösserstiftung am stärksten von Kürzungen betroffen
Betroffen von den Sparmaßnahmen ist vor allem die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Laut den von Brombeer-Koalition und Linke abgestimmten Änderungsanträgen für den Landeshaushalt, die MDR KULTUR vorliegen, soll sie zwei Millionen Euro weniger für die Schlössersanierung erhalten als benötigt.
Die Stiftung hatte Gelder in Höhe von 13,6 Millionen Euro beantragt, um Baumaßnahmen im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms zu stemmen. Man müsse nun gemeinsam mit dem Kulturministerium beraten, wie man mit dieser Finanzierungslücke umgehen könne, sagte ein Sprecher der Schlösserstiftung.
Weniger Geld für Investitionen bei Theatern und Museen
Auch die Theater müssen im Investitionsbereich mit weniger Geld auskommen, für Bau- und Sanierungsmaßnahmen soll mit 15,3 Millionen Euro etwa eine Million weniger bereit gestellt werden als im Vorjahr. Die grundlegende Finanzierung der Häuser ist jedoch über die bis 2030 geltenden Theaterverträge abgesichert.
Die Zuschüsse für die Freie Szene bleiben in etwa auf der Höhe des Vorjahres. Die Zuschüsse für die kulturellen Verbände wie den Chorverband oder die LAG Soziokultur sinken hingegen etwas ab, es gibt 200.000 Euro weniger.
Die Museen in Thüringen müssen in diesem Jahr mit weniger harten finanziellen Einschnitten rechnen als zunächst befürchtet. So wird es 2025 Projektmittel in Höhe von 385.000 Euro für die Häuser geben, das entspricht der Höhe des Vorjahres. Zunächst war geplant worden, hierfür nur 100.000 Euro bereit zu stellen. Dies hätte es für kleine und mittelgroße Museen in diesem Jahr sehr schwierig gemacht, Sonderausstellungen zu finanzieren.
Im Investitionsbereich müssen jedoch auch die Museen mit weniger Geld auskommen: Statt wie zuletzt über fünf Millionen Euro für Bau- und Sanierungsmaßnahmen wird es hier nur noch gut 2,1 Millionen Euro geben. Auch werden Gelder für die Provenienzforschung gekürzt, statt 200.000 Euro soll es nur noch 140.000 Euro geben.
Hier zeigt sich ein deutlicher Mangel an langfristiger Perspektive und angemessener Wertschätzung für die kulturellen Akteure im Land.
Kulturrat Thüringen kritisiert Haushaltspläne
Kritisch äußerte sich der Kulturrat Thüringen zu den Haushaltsplänen: Es bleibe die ernüchternde Tatsache bestehen, dass der Kultur- und Medienhaushalt insgesamt eine reale Kürzung erfahren werde, heißt es in einer Mitteilung, und weiter: "Hier zeigt sich ein deutlicher Mangel an langfristiger Perspektive und angemessener Wertschätzung für die kulturellen Akteure im Land."
Das Kulturland Thüringen stehe an einem Wendepunkt, argumentiert der Thüringer Kulturrat: "Ohne ausreichende Förderung und Unterstützung droht das schleichende Abschmelzen der kulturellen DNA des Landes." Eine starke, vielseitige und zukunftsfähige Kulturlandschaft benötige professionelle Strukturen und ausreichend finanzielle Mittel, um ihre Vitalität zu erhalten.
Der Kulturrat Thüringen fordert die Thüringer Landesregierung und den Thüringer Landtag auf, "sich klar zur kulturellen Strahlkraft Thüringens zu bekennen und die Fehler, die im Haushalt 2025 gemacht wurden, im kommenden Doppelhaushalt 2026/27 zu korrigieren." Es sei an der Zeit, dass die Bedeutung der Kultur für das Land und seine Zukunft in einer angemessenen finanziellen Ausstattung zum Ausdruck komme.
Quellen: MDR KULTUR (Mareike Wiemann), Kulturrat Thüringen
Redaktionelle Bearbeitung: hro, tsa
Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. April 2025 | 15:30 Uhr