
Sperrung, Belastungstest, Neubau Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Brücke in Bad Schandau
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03. April 2025, 08:58 Uhr
Seit fünf Monaten ist die Elbbrücke in Bad Schandau gesperrt. Drei Tage lang soll bei einem Belastungstest die Tragfähigkeit der Brücke getestet werden. Bisher müssen Anwohner Umleitungen für eine Elbüberquerung fahren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Brücke.
Inhalt des Artikels:
- Warum wurde die Brücke in Bad Schandau gesperrt?
- Welche Schäden wurden an der Brücke festgestellt?
- Wie ist der Belastungstest der Brücke abgelaufen?
- Wie geht es nach dem Belastungstest weiter?
- Welche Einschränkungen gibt es durch den Test in Bad Schandau?
- Wie kommen Autofahrer und Fußgänger bei Bad Schandau derzeit über die Elbe?
- Wie laufen die Planungen für eine Behelfsbrücke?
Warum wurde die Brücke in Bad Schandau gesperrt?
Die Elbbrücke in Bad Schandau war am 7. November nach einer Sonderprüfung überraschend aus Sicherheitsgründen für sämtlichen Verkehr gesperrt worden. Da die Brücke in Bad Schandau zu DDR-Zeiten unmittelbar nach der Carolabrücke aus Spannbeton errichtet wurde, ist sie ähnlich gefährdet für sogenannte Spannungsrisskorrosion, die in Dresden als Einsturzursache gilt. Dabei kann das Material spontan versagen. Die Brücke in Bad Schandau wurde 1977 gebaut und zuletzt von 2001 bis 2003 instandgesetzt.
Welche Schäden wurden an der Brücke festgestellt?
Bei der Sonderprüfung im November 2024 waren an der Brücke austretendes Rostwasser und Längsrisse im Unterbau des Brückenkörpers entdeckt worden. Betroffen war das sogenannte Unterspannband, das sich direkt über dem Fluss zwischen zwei Brückenpfeilern erstreckt. Spätere Untersuchungen am Brückenstahl der Elbbrücke haben aber bisher nur geringe bis moderate Schäden gezeigt. Das sagte der Dresdner Brückenexperte Steffen Marx Mitte Februar. "Aber wir müssen im Lichte des Einsturzes der Carolabrücke auf alles gefasst sein", betonte Marx.
Wie ist der Belastungstest der Brücke abgelaufen?
Die Tragfähigkeit der Elbbrücke ist am 1. und 2. April 2025 mit einem unbemannten Schwerlastmodul getestet worden. Damit soll auf experimentellem Weg der Nachweis erbracht werden, ob auf der Brücke wieder Autos fahren können. Das ferngesteuerte Modul fuhr mit verschiedenen Gewichten über das Bauwerk. Die schwerste Last, die über die Brücke rollte, waren 80 Tonnen. Hinzu kamen Gewichte, die über die Zeit hinweg an unterschiedlichen Stellen auf der Brücke abgestellt wurden. Insgesamt wurde so eine Last von bis zu 300 Tonnen erreicht.
Wie geht es nach dem Belastungstest weiter?
Nach dem Belastungstest werden die ermittelten Daten ausgewertet. Unabhängige und öffentlich-bestellte Ingenieure müssen dann das Ergebnis bestätigen. Bis eine endgültige Entscheidung über die teilweise Öffnung der Elbbrücke gefallen ist, kann es laut Infrastrukturministerium bis zu drei Wochen dauern. Eventuell liegen aber schon nach einer Woche Ergebnisse der Tests vor.
Sollten diese positiv verlaufen, kann die Brücke wieder für Pkws und leichte Lkw bis 7,5 Tonnen freigegeben werden. Busse im Nahverkehr und weitere schwerere Fahrzeuge wie etwa Müllautos könnten dann auch mit Sondergenehmigung per Ampelschaltung über die Brücke fahren.
Welche Einschränkungen gibt es durch den Test in Bad Schandau?
Während des Belastungstests ist der Bereich um die Brücke auf beiden Elbseiten großflächig abgesperrt. Der Parkplatz an der Brücke ist in diesem Zeitraum nicht nutzbar. Die S 163 (Elbstraße) ist für die Tests bis voraussichtlich zum 4. April gesperrt. Der Verkehr wird über die Basteistraße umgeleitet. Der Elberadweg ist während der Tests ebenfalls nicht befahrbar. Der Zugverkehr und die Fähren sind von den Beschränkungen nicht betroffen.
Brückeninfos direkt aufs Handy Um die Menschen in Bad Schandau auf dem Laufenden zu halten, hat das Infrastrukturministerium einen WhatsApp-Kanal eingerichtet. Der habe laut Ministerin Regina Kraushaar mehr als 1.400 Follower und soll Interessierte aktuell informieren. Quelle: Ministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung
Wie kommen Autofahrer und Fußgänger bei Bad Schandau derzeit über die Elbe?
Als Ersatz für die gesperrte Elbbrücke in Bad Schandau hat der Regionalverkehr Sächsische Schweiz Osterzgebirge (RVSOE) sein Angebot an Bussen und Fähren ausgeweitet. In Bad Schandau wurde mit dem Sommerfahrplan der Takt vieler Buslinien so verdichtet, dass stündlich Busse in die umliegenden Regionen fahren. Eine neue Fährlinie verbindet im 30-Minuten-Takt beide Elbseiten zu Bussen und zur S1. Damit stehen insgesamt drei Fähren für den Personenverkehr bereit.
Autofahrer müssen große Umwege fahren, um auf die andere Elbseite bei Bad Schandau zu kommen. Die nächste Elbüberquerung liegt 20 Kilometer entfernt in Pirna. Die Sperrung sorgt deshalb für eine große Belastung der Region.
Wie laufen die Planungen für eine Behelfsbrücke?
Parallel zum Belastungstest läuft die Planung einer Behelfsbrücke. Sollte die Brücke den Tests nicht standhalten, sollen die Entwurfsplanung und der Bau auf Basis der bisherigen Planungen unverzüglich in Auftrag gegeben werden. Die Behelfsbrücke könnte nach Angaben des Infrastrukturministeriums Anfang 2026 fertig sein. Sie soll einige Meter stromaufwärts der bestehenden Brücke verlaufen.
Die Behelfsbrücke soll insgesamt 31 Millionen Euro kosten und unabhängig vom Ergebnis des Belastungstests gebaut werden. Sie ist der Ersatz, bis die geplante neue Elbbrücke fertig ist. Dieser Neubau wird voraussichtlich dreieinhalb Jahre dauern.
MDR (kbe)
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 25. März 2025 | 19:00 Uhr