Jäger 4 min
Carsten Scholz beobachtet im Frühjahr nicht nur die Wildtierbestände. Mehr dazu im Video. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Revier Anhalt "Wildschaden kann teuer werden": Die große Verantwortung der Jäger in Sachsen-Anhalt

05. April 2025, 13:01 Uhr

Grüne Kleidung, das Gewehr geschultert im Wald unterwegs, am besten noch den Dackel an der Leine – das ist ein typisches Bild, das viele von einem Jäger haben. Mit der Realität hat das allerdings wenig zu tun.

Immer wieder schnipsen Carsten Scholz die Schilfhalme ins Gesicht. Es knackt unter seinen Füßen. Nach ein paar Schritten hört der Schilfgürtel allerdings wieder auf, jetzt sieht die Landschaft noch mehr nach Wildnis aus. "Das war zu DDR-Zeiten eine ehemalige Sandgrube", erzählt Carsten Scholz. Jetzt hat sich die Natur alles zurückgeholt. Sträucher, Birken, hohes Gras. Rund um Köthen ist das Revier des 62-Jährigen.

Ein Teil zumindest, der weitaus größere Teil besteht aus landwirtschaftlichen Flächen – typisch für Sachsen-Anhalt. "Der Jäger ist für die meisten jemand, der mit dem Dackel durch den Wald zieht", meint Scholz. Doch das gelte nicht in Sachsen-Anhalt. In Carsten Scholz‘ Feldrevier leben Fasan, Hase, Reh und Wildschwein – und letzteres ziemlich gut.

Jäger Carsten Scholz in seinem mobilen Hochstand. 4 min
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MDR SACHSEN-ANHALT Do 03.04.2025 16:44Uhr 03:41 min

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Wildschweine: Bestände sind zu groß

"Wir haben momentan sehr gute Bestände, die eigentlich viel zu groß sind für unsere Felder, die hier drumherum sind. Wir müssen wohl mit Wildschaden rechnen", erklärt Carsten Scholz, legt seinen Rucksack ab, holt einen Behälter mit Mais heraus und lässt diesen in eine Kuhle rieseln. Ein Stein noch obendrauf und fertig ist die sogenannte "Kirrstelle". Hier wird Schwarzwild angelockt. Dank einer Wildkamera kann sich Carsten Scholz einen Überblick über den Zustand des Schwarzwildes verschaffen. Zugleich lockt er es auch an, um es im Herbst an eben jener Stelle zu schießen.

Carsten Scholz, der aus dem Harz stammt, ist seit fast 40 Jahren Jäger, schon sein Papa hat als Revierförster gearbeitet. "Als Jäger muss man eigentlich ein positiv denkender Mensch sein", erzählt Scholz. "Man erwartet immer Wild, dafür muss man Ausdauer haben. Zugleich muss man Zusammenhänge in der Natur erkennen und erkennen wollen."

Wildschweine auf dem Acker? "Müssen vertrieben werden"

In seinem Revier ist Carsten Scholz oft mit seinem Geländewagen unterwegs, diesmal inklusive Anhänger. Da drin: ein mobiler Hochsitz. Scholz packt das Metallgestell und wuchtet den Hochsitz an den Rand eines Erbsenackers. "Bei der Jagd muss man im richtigen Wind sitzen", erzählt Scholz. Wild hat sehr gute Sinnesorgane, es hört und riecht vor allem gut, riecht es einen Menschen, ist es weg.

Carsten Scholz platziert den Hochsitz hier, weil Wildschweine den Erbsenacker durchwühlt haben. Ein Problem für den Landwirt. Denn ist die Pflanzenschutzschicht einmal durchbrochen, kann sich Unkraut breit machen, die Erbsenernte geringer ausfallen. Zudem suchen die Schweine auch nach proteinreicher Kost. "Die Erbsen sind den Wildschweinen viel zu hart, der Regenwurm ist einfacher", erzählt Carsten Scholz schmunzelnd. Die Wildschweine müssen irgendwie vertrieben werden.

Jäger müssen Wildschäden ausgleichen

"Ein Jäger pachtet Flächen, geht dort zur Jagd und hat aber auch dafür zu sorgen, dass kein Wildschaden entsteht," erklärt der Köthener. Denn Jäger müssen einen möglichen Wildschaden ausgleichen und das kann teuer werden. Deshalb versucht Carsten Scholz die Wildschweine zu vergrämen. Das gelingt am besten in dem er einen Überläufer, also ein junges Wildschwein schießt – so versucht er den Konflikt zwischen Mensch und Tier zu moderieren.

Jäger Carsten Scholz ist mit einem Hund unterwegs.
Scholz berät auch Landwirte, damit möglichst wenig Schäden durch Wildtiere entstehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDUFUNK

Metallmüll aus DDR-Zeiten gefährdet Tiere

Mit leerem Anhänger macht sich Carsten Scholz weiter durch sein Revier, immer wieder stoppt er. Mal um einen Hochstand zu inspizieren, ein anderes Mal, um Müll aufzusammeln, den Menschen achtlos liegen gelassen haben. Kurze Zeit später zerrt er ein zwei Meter breites verrostetes Metallteil hervor. Solche scharfkantigen Hinterlassenschaften aus DDR-Zeiten tauchen immer wieder auf und sind eine Gefahr: "Wird das Wild hochgeschreckt, flüchtet es kopflos und kann sich daran verletzten", erzählt der 62 Jährige. Die Metallteile laden klappernd auf dem Anhänger.

Hin und wieder liegt auch Plastikmüll herum, der vor einiger Zeit einem Rehbock zum Verhängnis geworden ist. Das Tier hatte ein Stück Plastikrohr über seinem Lauf. "Das Rohr war richtig eingewachsen, der Lauf dick und geschwollen. Das war kein schöner Anblick", erinnert sich Carsten Scholz, der den Rehbock erlegen musste.

Jäger zu sein, es ist für Carsten Scholz eine Berufung und ein guter Ausgleich zu seinem Hauptjob als Ingenieur für Umwelttechnik. Jetzt im Frühjahr, wo die Luft milder wird, sich überall Leben regt, könnte Carsten Scholz "jede Stunde" hier draußen sein – eben ganz nah an der Natur.  

MDR (Stephan Weidling, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. April 2025 | 19:00 Uhr

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