Krieg in Nahost Israelische Soldatin bei Bodenoffensive befreit

31. Oktober 2023, 00:17 Uhr

Die israelische Armee konnte eigenen Angaben zufolge eine Soldatin befreien. Im Gazastreifen sind nach Angaben der Vereinten Nationen 33 weitere Lkw mit Hilfslieferungen eingetroffen. Die israelische Armee erklärte unterdessen, 600 Ziele in Gaza getroffen zu haben.

Nach Angaben des israelischen Militärs ist eine israelische Soldatin bei den Bodeneinsätzen im Gazastreifen befreit worden. Die Armee teilte am Montag in einem Post auf der Plattform X mit, die am 7. Oktober von der Hamas entführte Frau sei in gutem Zustand und habe ihre Familie bereits getroffen. Demnach gelang die Befreiung in der Nacht. Auf einem vom Militär verbreiteten Bild war sie in den Armen ihrer Familie zu sehen. Einzelheiten zur Befreiung waren zunächst nicht bekannt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat es unterdessen erneut abgelehnt, die Kämpfe zu unterbrechen. Das US-Außenministerium forderte Israel auf, die Gewalt jüdischer Siedler im besetzten Westjordanland gegen Palästinenser zu stoppen.

60 Festnahmen nach Ausschreitungen in Dagestan

Nach anti-israelischen Ausschreitungen auf dem Hauptstadtflughafen der russischen Kaukasusrepublik Dagestan hat die Polizei 60 Verdächtige festgenommen. Der Flughafen nahm laut der russischen Luftfahrtbehörde am Montag den Betrieb wieder auf. Am Vortag hatten Dutzende Männer nach der Ankunft einer Maschine aus Israel den Flughafen auf der Jagd nach jüdischen Passagieren gestürmt. Die Konferenz Europäischer Rabbiner (CER) sprach am Montag von einem Pogrom.

Einige Randalierer trugen Palästinenserfahnen oder riefen "Allahu Akbar", andere kontrollierten offenbar auf der Jagd nach israelischen Staatsbürgern die Ausweise von Passagieren. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies auf israelische Medienberichte hin, wonach in der Maschine aus Tel Aviv "paradoxerweise" vor allem russische Staatsbürger gewesen seien, die von medizinischen Behandlungen zurückgekehrt seien.

Es fehlt insbesondere an Treibstoff

Mindestens 33 weitere Lastwagen mit Hilfsgütern haben den Vereinten Nationen zufolge am Sonntag den Gazastreifen erreicht. Das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) erklärte, die Lkw seien über den Grenzübergang Rafah aus Ägypten gekommen und hätten Wasser, Lebensmittel und medizinische Güter geladen.

Den Angaben zufolge handelte sich um die größte Lieferung von humanitärer Hilfe seit dem 21. Oktober, als die Transporte in begrenztem Umfang wieder aufgenommen wurden. Dennoch werde ein viel größerer Umfang an Hilfe für die 2,3 Millionen notleidenden Menschen in Gaza benötigt, hieß es von den Vereinten Nationen.

Insbesondere mangele es an Treibstoff für den Betrieb medizinischer Ausrüstung, Wasser- und Sanitäreinrichtungen. Insgesamt hätten seit Wiederaufnahme der Lieferungen 117 Lkw mit Gütern den Gazastreifen erreicht.

Israel meldet über 600 getroffene Ziele im Gazastreifen

Die israelische Armee teilte unterdessen mit, mehr als 600 Ziele binnen 24 Stunden im Gazastreifen getroffen zu haben. Am Vortag hatte sie noch von 450 Zielen gesprochen. Nach eigenen Angaben tötete die Armee "Dutzende" Kämpfer der Hamas und ihrer Verbündeten. Die jüngsten Angriffe zählten zu den heftigsten seit dem Großangriff der islamistischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober.

Israelische Panzer erreichten am Montag nach Angaben von Augenzeugen Saitun, ein Viertel am Rand von Gaza-Stadt. Die Panzer blockierten dort die Hauptverbindungsstraße zwischen dem Norden und den Süden des Gazastreifens, berichtete ein Einwohner der Nachrichtenagentur AFP.

Familie: Vermisste Deutsch-Israelin ist tot

Die seit dem Großangriff der Hamas am 7. Oktober vermisste Deutsch-Israelin Shani Louk ist nach Angaben ihrer Familie tot. Aus dem Umfeld der Familie wurde dies der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt. Zunächst hatte der Sender RTL/ntv berichtet. Die 22-Jährige wurde nach Angaben ihrer Familie offenbar schon bei einem Musikfestival in der israelischen Negev-Wüste von der Hamas getötet. Das israelische Außenministerium bestätigte den Tod.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich entsetzt über die Nachricht der Ermordung der deutsch-israelischen Hamas-Geisel Shani Louk gezeigt. "Für mich ist diese Nachricht eine, die furchtbar ist", sagt er. "Das zeigt die ganze Barbarei, die hinter der Hamas steckt". Die Hamas müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Für den Mord gebe es überhaupt keine Rechtfertigung.

Am 7. Oktober hatte die Terrororganisation Hamas mit Raketen und Terrorkommandos Israel angegriffen, rund 1.400 Menschen getötet, mehr als 230 weitere Menschen wurden verschleppt, darunter auch mehrere Deutsche. Die Armee geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass die meisten der Geiseln noch am Leben sind.

Die radikal-islamische Hamas stellte am Freitag nach Angaben des US-Außenministeriums eine Reihe von Bedingungen für die Freilassung der Geiseln. Sprecher Matthew Miller sagte allerdings zunächst nicht, um was es sich bei den Bedingungen handelt. Er forderte, Hamas sollte alle Amerikaner und ausländische Bürger freilassen.

Als Reaktion auf den Angriff hatte Israel den Gazastreifen abgeriegelt, massive Luftangriffe auf das Palästinensergebiet gestartet und eine Bodenoffensive angekündigt.

Hinweis zur Berichterstattung Die Berichterstattung aus dem Gazastreifen ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige Journalistinnen und Journalisten vor Ort sind. Informationen zu den Kampfhandlungen kommen vor allem von der israelischen Regierung und von der im Gazastreifen herrschenden Terrororganisation Hamas, die nur schwer überprüft werden können.

epd, dpa, AFP (fef,kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 30. Oktober 2023 | 19:30 Uhr

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