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Kreative Köpfe "Die Liebe zum Detail" macht den Unterschied - Finsterberger Karneval setzt auf Eigenproduktion
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28. Februar 2025, 17:44 Uhr
Die Karnevalssaison ist auf dem Höhepunkt - auch in Finsterbergen. Der FKK ist in seiner 51. Saison. Doch damit auf der Bühne alles reibungslos funktioniert, muss vorher fleißig hinter den Kulissen gearbeitet werden. Besonders beeindruckend ist die Arbeit der Kostümschneider aus Finsterbergen - die Männer fertigen mit viel Hingabe und Liebe zum Detail die Outfits der Tänzer jede Saison neu an.
Bevor in Finsterbergen die ersten Tänze einstudiert, Büttenreden verfasst und Requisiten gebaut werden, steht eine der größten Herausforderungen an: die Kostüme. Und die sind das Markenzeichen des Finsterberger Karneval Klub (FKK). Denn während viele Vereine auf gekaufte Kostüme setzen, näht der FKK seine Bühnenoutfits größtenteils selbst. Marco Kliem und Thomas Wettengl haben sich dieser Aufgabe verschrieben.
Laut Vereins-Präsident Marco Kliem ist es "die Liebe zum Detail", die den Unterschied in Finsterbergen macht. Gekaufte Kostüme seien oft nicht für den intensiven Einsatz über eine ganze Saison hinweg gemacht. Sie reißen schneller, Knöpfe fallen ab – und die Einzigartigkeit fehlt. Deshalb investieren Marco und Thomas unzählige Stunden in das Design und die Anfertigung individueller Kostüme.
Die Schneider hinter den Kulissen
Marco und Thomas kamen durch Zufall in ihre Rolle als Kostümschneider. In der 35. Saison war Marco noch gemeinsam mit seiner Frau das Prinzenpaar. Im nächsten Jahr folgte dann Thomas. Und er hatte eigentlich gar nicht vor weiter zu machen.
Früher hatten wir vier Schneiderinnen, aber als diese aufhörten, mussten neue Leute ran.
Trotz Vereinspause wurde er gefragt, ob er nicht helfen wolle – und er sagte zu. Seitdem ist das Nähen fester Bestandteil seiner Karnevalsarbeit. Ursprünglich nähten beide vor allem für das Hofballett. Da die Töchter von Marco seit einigen Jahren im Hofballett sind, kümmert sich Marco hauptsächlich darum und Thomas übernahm das Männerballett und die FKK-Minis.
Inspiration für die Kostüme holen sie sich aus Filmen, historischen Bildern oder direkt aus den Choreografien. "Letztes Jahr hatten wir Alice im Wunderland, da habe ich mir die Filme angeschaut, um ein Gefühl für die Kostüme zu bekommen", sagt Marco.
Auch für das Männerballett, das dieses Jahr im China-Stil auftritt, mussten Kostüme her. Als Thomas fragte, was sie machen wollen, hieß es China. Das reichte ihm, um innerhalb von drei Monaten zehn Kostüme zu schneidern. "Die Kostüme werden ja eh wieder eher fertig als unser Tanz", scherzt Danny Baumbach, Vizepräsident und Teil des Männerballetts.
Die größte Herausforderung: der Zeitfaktor
Die Schneider arbeiten ausschließlich in ihrer Freizeit und investieren Wochen in die Fertigung der Kostüme. Thomas Wettengl arbeitet seit Jahren als Arzt in einem Krankenhaus und weiß daher bestens, wie er mit Nadel und Faden umgehen muss. Marco hat einen eigenen Betrieb für Innenausbau und Malerarbeiten und deshalb auch immer ein Auge für Requisiten, gepaart mit sehr viel Kreativität. Außerdem ist er seit 2021 Präsident des FKK.
"Durch die Arbeit als Präsident und die Aufgaben, die damit verbunden sind, hast du keine Zeit mehr, deine Sachen so zu machen, wie du sie früher gemacht hast", sagt Marco. Auch für das Bühnenbild ist er zuständig. Das malt er zusammen mit Norbert Gütt in wenigen Wochen jedes Jahr neu, passend zum Motto der Saison.
Doch trotz des zeitlichen Druckes und der knappen Freizeit können sich beide nicht vorstellen, dass sie alle Kostüme kaufen. "Ich finde die gekauften Kostüme wirken immer ein Stück weit billig", merkt Marco an. Ihm falle auf, dass die Qualität der gekauften Kostüme nicht dafür da sei, darin eine ganze Saison zu tanzen. Schon nach dem zweiten Abend müsse man anfangen, alles zu reparieren. Außerdem sei es das Markenzeichen des FKK, exklusive Kostüme zu haben, die sonst keiner hat. "Das ist auch unser Anspruch!", betont Thomas.
Der Verein und seine Geschichte
Schon nahezu immer wurde Fastnacht auch in Finsterbergen gefeiert. Es begann mit fröhlichem Beisammensein bei heimischen Bräuchen und dem Genuss "hohler Kräpfel". Bereits 1949 versuchte man sich mit Elferrat und Sitzungskarneval. Erste Blüte erreichten die Sitzungen 1956, als unter dem Motto "Es muss ja nicht Italien sein" mit politischen Seitenhieben auf das Leben in der DDR angespielt wurde. In den 1960er-Jahren versuchte sich die heimische FDJ-Gruppe an der Gestaltung von ein bis zwei Büttenabenden, Masken- und Rosenmontagsball. Anfang der 1970er-Jahre fand die Hoffnung auf Veränderungen ihren Ausdruck auch im Aufblühen neuer Karnevalsvereine, z.B. in Tambach-Dietharz.
So kam es auch zur Geburtsstunde des Finsterberger Karnevals. Erster Präsident war Hans-Hermann Katzung, der jedoch nach der Auftaktveranstaltung am 11.11.1974 das Zepter an Dieter Kynaß abgab, dem Redebrillanz nachgesagt wurde. Mit dem Namen "FKK" und dem FKK-Männchen als Maskottchen erreichte der Verein auch wegen seiner politischen Klinge im Büttenprogramm und dem Ringen um immer höhere Qualität in den folgenden Jahren seine Blüte.
Als erste Präsidentin des Landkreises führte Liane Heft von 2005 bis 2021 den FKK.
Heute werden die bis zu 100 Mitwirkenden, darunter viele Kinder, Jugendliche und freiwillige Helfer, von Marco Kliem durch die närrische Zeit geführt. Neben seiner Tätigkeit als Präsident des FKK e.V. ist Marco Kliem ein Allrounder im Verein.
Quelle: Finsterberger Karneval Klub (FKK)
Bilanz der bisherigen Saison
Die Erwartungen nach der 50. Jubiläumssaison waren hoch, doch auch dieses Jahr zeigt sich der Verein zufrieden. "Die Generalprobe (im Januar) war noch etwas holprig, aber jetzt läuft es reibungslos", berichtet Danny Baumbach. Schon beim ersten öffentlichen Büttenabend wurde die Liebe zum Detail, die sich in den Bühnenbildern, Kostümen und Requisiten zeigt besonders gelobt. "Es ist einfach alles wieder mal rund, was man im vorhinein gar nicht erwartet, aber das Ergebnis stimmt dann wieder", sagt Thomas. Das Grundproblem bestünde jedes Jahr darin, das gleiche Niveau zu halten, auch wenn der Generationswechsel voll im Gange ist.
Wir können froh sein, dass so viel Jugend bei uns im Verein ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Herausforderungen und Wandel im Verein
Wie in jedem Verein gibt es Herausforderungen. Ein großes Thema ist die Balance zwischen Tradition und modernen Einflüssen.
Der Wandel zwischen Alt und Jung ist beim FKK harmonisch über die Bühne gegangen.
Auch die steigenden Kosten machen dem Verein zu schaffen. "Die Musik wird teurer, die Gema will mehr haben, der Saal kostet mehr, Kostüme kosten mehr, eigentlich kostet alles mehr", so Marco. Auf Kritik zum Eintrittspreis kontert der Verein. "Wir machen für 22 Euro ein Viereinhalb-Stunden-Programm. Wenn du heute ins Kino gehst oder auf ein Konzert, da bezahlst du 100 Euro, sitzt zwei Stunden", merkt Danny an. "Das ist eben eine Amateurs-Veranstaltung, so eine Karnevalsveranstaltung. Und da gehen die Leute immer noch davon aus, dass man das für relativ wenig Geld kriegt." ergänzt Marco Kliem. Aber auch die muss finanziert sein.
Leidenschaft für den Karneval
Was treibt Marco, Thomas und die anderen Mitglieder des Vereins an, Jahr für Jahr so viel Zeit und Energie in den Karneval zu stecken? "Es ist diese besondere Atmosphäre, die Liebe zum Detail und die Freude der Zuschauer, die uns motivieren", sagt Marco. Auch Thomas betont, dass er besonders gerne Bühnenbilder und Dekorationen entwirft.
Ich muss ehrlich sagen, am liebsten baue ich Dekorationen und entwerfe Kostüme im Hintergrund und am allerwenigsten mag ich eigentlich Bühnenauftritte. Ich habe mich da immer davor gesträubt, mittlerweile bin ich dreimal auf der Bühne.
Die Gästezahlen dürften für alle Mitglieder auch eine kleine Motivation sein. Seit Ende Januar feiern die Karnevalisten in Finsterbergen und alle sechs Büttenabende sind ausverkauft. Nur für die Rosenmontagsveranstaltung sind aktuell noch Karten erhältlich.
Und wenn an Rosenmontag das letzte Mal der Gardeoffizier gespielt wird und alle mit einem lachenden und einem weinenden Auge die Bühne verlassen, weiß Marco Kliem: Die ganze Arbeit hat sich wieder einmal gelohnt. Das zeigt sich an dem vollen Lindesaal.
Offenlegung: Die Autorin dieses Textes ist Mitglied des Finsterberger Karneval Klubs (FKK).
MDR (pvk)
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 01. März 2025 | 07:00 Uhr
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